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Periodical volume 14. Oktober 1882, Nr. 3

Full text: Der Bär Issue 9.1883

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in der Potsdamerstraße 113, wo u. A. Anton von Werner sein ! 
Künstlerheim errichtet hat. Noch jünger ist ein äußerst anmuthiges 1 
Villen-Quartier in der Genthinerstraße 13, zu dem ein breites 
burgartiges Portal durch das stattliche Vorderhaus führt. Hier 
reihen sich neun von zierlichen Gärten umgebene Villen mit Bal 
könen und Veranden, meist Einfamilienhäuser aneinander. Ein 
stiller Frieden liegt auf diesem Fleckchen Erde, auf dem sich eine 
interessante Gesellschaft zusammengefunden hat: Geheimer Ober- 
Justizrath Dr. Schering, Geheimer Ober-Justizrath Keller, Ge 
heimer Ober-Regierungsrath Dr. Stüve, Baurath Stüve, Mi- 
nisterial-Direktor Greiff, Geheimer Ober-Baurath Wiebe, Maler 
Begas und schließlich ein Mann, der seinen Beruf verfehlt hat, 
ein glücklicher Journalist, Julius Lohmeier. „Mein Heim sei meine 
Burg," kann dieses Häuflein bevorzugter Bewohner der Reichs- 
Hauptstadt in der That ausrufen. Es giebt aber auch Grundstücke 
genug in Berlin, die sich in gleicher Weise ausnützen ließen, und 
wenn sich kein Einzel-Unternehmer finden sollte, durch ein Consor- 
tium Gleichstrebender, denen ein eigenes Heim die Grundbedingung 
einer behaglichen Existenz ist. 
Die Kerkukes-Itrücke in HZerkin. Unsere für die Erhaltung 
dieses Bauwerks eingelegte Fürbitte, der eine große Zahl anderer 
Blätter sich angeschlosien hatte — schreibt die Deutsche Bauzeitung 
— ist nicht vergeblich gewesen. Auch der Herr Minister der Un 
terrichts- rc. Angelegenheiten hatte Veranlassung genommen, sich 
bei dem Berliner Magistrate nach dem künftigen Schicksale der 
Brücke zu erkundigen und es scheint, wie aus einer offiziösen Kor 
respondenz hervorgeht, in Folge besten auch letzterer mit der Frage 
sich beschäftigt und sie im Prinzip durchaus in dem von uns 
befürworteten Sinne entschieden zu haben. Es wird mitgetheilt, 
daß der Abbruch der Herkules-Brücke nicht vor der 
später in Aussicht zu nehmenden Verbreiterung der Burgstraße 
beabsichtigt sei, und daß der Magistrat Fürsorge treffen werde, 
das alte werthvolle Kunstdenkmal auf eine oder die andere Weise 
der Stadt zu erhalten. Eine solche Verzögerung der endgültigen 
Entscheidung muß als um so willkommener betrachtet werden, 
als mittlerweile wohl auch über die Regulirung der Berliner 
Wasserläufe Beschluß gefaßt und damit die Möglichkeit ge 
geben sein dürfte, der Brücke den günstigsten neuen Standort an 
zuweisen. 
Aerkin, Moskau, St. Actersvurg. 1649—1763. Ein 
Beitrag zur Geschichte der freundschaftlichen Beziehungen zwischen 
Brandenburg-Preußen und Rußland von Dr. phil. Freiherrn 
B. v. Kühne. Berlin 1882. Preis: 3 Mark. — 
Dies ist der Titel des soeben herausgegebenen XX. Heftes 
der sogen. Oktav-Schriften des „Vereins für die Geschichte 
der Stadt Berlin," welcher dem Leser interessante Einzelheiten 
über die Umstände und die Art und Weise, wie die guten Bezie 
hungen zwischen den Monarchen beider Reiche im Laufe von j 
114 Jahren gepflegt worden, darbietet. Der gelehrte Herr Ver 
fasser, Chef der Heraldik-Abtheilung des ding. Senats in St. Pe 
tersburg hat die Archive von Berlin, St. Petersburg und Moskau 
fast geplündert und mit unermüdlichem Eifer Alles gesammelt, was 
irgend für die Beziehungen beider Herrscherhäuser von Bedeutung 
ist. Von großem Jnteresie sind die vortrefflichen Holzschnitte, so 
ein Bild Peter des Großen nach dem Original im Berliner Schlosse, 
über besten Ursprung noch immer jede zuverlässige Nachricht fehlte. 
— Ein ausführliches Sachregister erleichtert das Studium des 
Buches. 
Elektrische Straßen Nekeuchtrmg in Aerlin. Am Abend 
des 20. September ist die elektrische Beleuchtung des Potsdamer 
Platzes und der Leipziger Straße von da bis zur Kreuzung mit 
der Friedrichstraße in Betrieb gesetzt worden. Der neu eröffnete 
1 jährige Versuch hat an Jntereste dadurch gewonnen, schreibt die 
Bauzeitung, daß zur Erzielung einer direkten Vergleichbarkeit die 
obere Hälfte der Leipziger Straße — von der Friedrichsstraße bis 
zum Spittelmarkt — sowie einige anschließende Straßen Gasbe 
leuchtung verbesserter Einrichtung erhalten haben. 
Sollte nach dem Ergebniß des nunmehr begonnenen Versuchs 
Berlin später der elektrischen Beleuchtung seiner Straßen eine 
größere Ausdehnung geben, so würde man den Anfang dieser be 
deutungsvollen Verbesserung an dasDatum des 20. September 
1882 knüpfen müsten. Dieser Gedanke wohl ist es gewesen, der 
zum Beginn der Beleuchtung eine zahlreiche Versammlung, an 
ihrer Spitze den Oberbürgermeister von Berlin, an der Lichtquelle 
im Maschinenhause Wilhelmstr. 96 zusammen führte und dieselbe 
später bei einer kleinen improvisirten Feier in einem nahen Lokale 
für einige Stunden vereinigt hielt. 
Seil- und Leineutänzer in ZLerlin. Noch im vorigen Jahr- 
! hundert — schreibt die Dost. Ztg. — gehörten dieselben mit dm Comö- 
dianten und Riemenstechern rc. zu den „unehrlichen" Leuten, bezüglich 
deren zahlreiche Rescripte ergangen sind. Wir erinnern nur daran, 
daß in Berlin anno 1711 am äußersten Rande des die Nicolaikirche 
damals umgebenden Kirchhofes der erste Schauspieler Jacob Scheller, 
ehrlich und begnadigt mit einer christlichen Bestattung, seine letzte 
Ruhestätte fand, wozu es noch der Intervention des gesammten 
Rathes von Berlin bedurfte, um die von der Geistlichkeit versagte 
christliche Beerdigung durchzusetzen. In Betreff der erstgenannten 
Künstler hat der Chronist Wendland es für wichtig genug gehalten, 
einen Vorfall aufzuzeichnen, der damals, als die Bewohner der 
immerhin nur kleinen Hauptstadt an allen Begebmheiten mit einem 
Eifer und Ernste theilnahmm, den wir heute belächeln mögen, 
sicherlich großes Aufsehm erregte. „Dm 18. Augusti 1673 — 
berichtet der Chronist — that ein Leintänzer auf einem Seile, 
welches er mit einem Ende oben an Herm Tonnenbinders Giebel 
— es ist dies das Haus Poststraße Nr. 16, welches der genannte 
Apotheker auf dem Raum des heutigm Balkonbaues errichten ließ, 
nachdem hier schon seit 1488 Hans Zehender eine ihm privilegirte 
Apotheke angelegt hatte — und mit dem andem Ende am 
Mühlenhoff festgemacht, „seltzahm Gaukeley." Diese Gaukeleien 
fanden nun insofem einm tragischen Abschluß, als am 10. Sep 
tember Carl Walters Frau, während ihr Mann in Hamburg ver 
weilte, mit besagtem Leintänzer davon lief und viel Geld mitnahm. 
Der verlastene Ehegatte „ließ sie an die St. Nicolai-Kirchthür an 
schlagen" (zur Rückkehr auffordernd) und nahm, wie Wmdland 
naiv dazu bemerkt, bald wieder eine Andere. 
ürics- und Fragekasttn. 
H. Br. Der Theil dieser Straße war ursprünglich Privatstraße. 
Weiter ist mir darüber nichts bekannt. 
L. H. Thor«. Kann Ihnen darüber kein« Auskunft ertheilen. 
G. K. Will sehen, daß ich einen tüchtigen Schreiber dafür erhalte. 
Unverlangte Maunfcrlpt« werden »i«vt z »eit lkgesa »de. An 
fragen rc. ist st««« da« Porto in Marken für di« Antwort deitufiigen. 
Anhalt. 
Jungmeister Georg und sein« Käthe, eine Erzählung aus dem Jn- 
nungslrben des 17. Jahrhunderts von Hermann Heinrich (Fortsetzung); 
Meine erste Reise in Schlesiens Berge, Novelle von A. von Senten 
(Fortsetzung); Die königlichen Fabriken Spandau's von vr. K u n tz e m ü l l e r; 
Professor vr. Förster, Direktor der Berliner Sternwarte (mit Portrait); 
Die Loge Royal Dork in der Dorothcenstraße; Berlins Name von 
E. Friedel; Ueber das Grabmal Zelters; Brockhaus Konversationslexikon 
(mit vier Illustrationen); Villen - Quartiere im Innern der Stadt; Die 
Herkulesbrücke in Berlin; Berlin, Moskau und St. Petersburg von 
vr. Freiherr» von Köhne; Elektrische Straßenbeleuchtung in Berlin; 
Der Bau der Markthalle; L'Arronge; Seil- und Leinentänzer in Berlin. 
Brief- und Fragekasten. Inserate. — 
Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Emil Dominik in Berlin W. — Verlag von Gebrüder Paetel in Berlin W. — 
Druck: W. Moeser Hosbuchdruckerei in Berlin 8. — Nachdruck ohne ausführliche Quellenangabe ist untersagt.
        
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