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Volume 5. Mai 1883, Nr. 32

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue9.1883 (Public Domain)

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das Auswärtige Komtoir in Spindlersield in direktem : 
Verkehr mit einer über den gesummten Kontinent ausgebreiteten 
zahlreichen Kundschaft. 
Das Haupt-Komtoir des Gesammt-Geschästs befindet sich 
in Berlin, C. Wallstr. 12, und ist sowohl an das Netz der Allge 
meinen Fernsprecheinrichtung angeschlossen, als auch mit dem 
Etablissement Spindlersseld, wie mit sämmtlichen eigenen Läden in 
Berlin durch direkte Telephonleitung verbunden. 
Die Firma W. Spindler hat sich an folgenden Weitaus- j 
stellungen betheiligt: 1862 in London, 1867 in Paris, 1873 in 
Wien, 1876 in Philadelphia, und ist aus diesen allen prämiirt 
worden. 1876 hat sie aus der Kunstgewerbe-Ausstellung zu München 
die silberne Medaille davongetragen, und 1879 ist ihr bei Gelegen 
heit der Berliner Gewerbe-Ausstellung die goldene 
Staatsmedaille für gewerbliche Leistungen verliehen worden. 
A. W. 
MisceUen. 
chmcrakquartiermeiller Graf Waldersee (mit der Illustration 
S. 383.) Um den Chef des Generalstabs der Armee, den Grafen Moltke 
zu entlasten und in Behinderungsfällen zu vertreten, ist bekanntlich der 
frühere Generalstabschef des 10. Armeekorps vom Kaiser zum General 
quartiermeister ernannt worden. Unsere heutige Nummer bringt sein 
Portrait. Graf Waldersee ist am 8. April 1832 geboren, also erst 
51 Jahr alt; er trat 1850 als Sekondelieutenant in das Garde-Ar 
tillerie-Regiment ein. 1866 wurde er dem Generalstabe zugetheilt und 
zum Stabsoffizier in demselben Jahre befördert. 1870, vor Ausbruch 
des Krieges mit Frankreich, fungirte Graf Waldersee bekanntlich in Paris 
als preußischer MilitärbevoUmächtigter und wurde während dieser Zeit 
zum Flügeladjutanten König Wilhelms ernannt. Den Feldzug machte 
Graf Waldersee als Oberstlieutenant mit. Er fungirte u. A. als Gene 
ralstabschef unter dem Großherzog von Mecklenburg. Stach dem Feldzuge 
wurde Graf Waldersee zunächst zum diplomatischen Chef der in Paris 
wieder errichteten „deutschen Mission" und dann zum Chef des General 
stabes des 10. Armeekorps ernannt. In seiner hannoverschen Stellung 
wurde er dadurch ausgezeichnet, daß er gleichzeitig zum General st la suite 
des Kaisers avancirte. Die „Times" wies mit Befriedigung darauf hin, 
daß der deutsche Generalstabschef wie sein Stellvertreter Frauen angel 
sächsischer Abstammung geheirathet haben. Unser großer Schlachtenlenker 
war bekanntlich mit seiner Stiefnichte Marie von Burt vermählt; Graf 
Waldersee's Gemahlin, die in erster Ehe verwittwete Fürstin von Sioer, 
ist eine geborene Lee aus Newyork. Graf Waldersee ist auch als Kriegs 
schriftsteller, namentlich in der aus seiner Feder stammenden offiziellen 
Darstellung des deutsch-dänischen Krieges aufgetreten. — 
Der Wittersaal mit dem D'runkvüffet im Königs. Schlosse zu 
Merlin (mit Illustration*) S. 387). Ein Bild aus dem Berliner Schlosse 
bringen wir und werden diesem in der nächsten Nummer noch weitere 
aus dem Innern dieses stolzen Fürstenhauses folgen lassen. 
Die ersten hohenzollernschen Fürsten residirten bekanntlich in Span 
dau und besaßen ein Haus in der Klosterstraße, das jetzige Lager 
haus, in welchem sie residirten, wenn sie in Berlin anwesend waren. 
Als Friedrick II. beabsichtigte, sich ein Schloß in Berlin-Cölln zu errich 
ten, eine Zwingburg, da schienen ihm drei Plätze hierzu geeignet, 
einmal der jetzt ausgewählte, der damals „der Platz hinter der 
Dominikaner-Kirche hieß," zu zweit die in die Spree hineinragende 
Landspitze, auf der jetzt das Jnselgebäude steht und endlich der Platz 
des jetzigen Polizeipräsidium am Mühlendamm. 
Das Terrain auf der Landspitze am Jnselgebäude lag zu sehr im 
Bereiche der Berliner und Cöllner Befestigungen, das Mühlendammterrain 
hätte zu bedeutende Kosten für den Grunderwerb gekostet, denn es hätten 
hier eine ganze Anzahl Häuser weggerissen lverden müssen, und darum 
wählte der Kurfürst den jetzigen Platz Zwar mußte auch hier das 
„Haus des Abtes von Lehnin" weggerissen werden, weiches dort | 
lag, wo sich 'etzt Portal I und II des Schlosses befinden, ferirer ein 
Badehaus an der Spree, die Lage des Schlosses war aber so günstig 
wie möglich. 
„Nach Gots Geburt Tausend virhnndert vund im drey- 
undvirtzigsten Jarenn, an sand peters abennd advincula 
zu Vesperzeit würd der Erste stein gelegt am newen i 
Sloss zu Cöln. Und tet mein gnediger Herr Marggrave 
Friedrich, Kurfürst etc. mit seiner eigen handt“ — 
so erzählt eine alte Urkunde den Beginn des Schloßbaus. Anno 1451 
bewohnte Kurfürst Friedrich II. sein neues Schloß, das 1538 bereits von 
Joachim II. ganz niedergerissen und von Kaspar Theiß frisch aufge 
baut wurde. Ein vollständiger Um- und Anbau auch dieses Schlosses 
geschah durch Schlüter in den Jahren 1699 — 1702 und durch den 
Nachfolger dieses Mannes, durch Eosander von Göthe. Der innere 
Ausbau geschah zum Theil erst unter Friedrich Wilhelm I. 
Pal büst Du, Toivistng.*) 
Ick weit Re wunnerschöne Dirn, 
As Melk un Blot is ehr Gesicht; 
Den roden Mund, den küss ick girn, 
Dat klage Og, dat is min Licht. 
Tat Hoar so welk, dat Hoar so schwart! 
So mild de Sinn, so gaud dat Hart! 
Un dat büst Du, Lowising. 
'Ne rode Ros' in'n Goren steiht, 
Dei nickt vonn Busch mi stündlich an. 
Ick weit woll, dat se duften deibt. 
Ick äwer kihr mi nich voran. 
Min Ros dei blaut tau alle Tid 
Un is de schönst woll sid un wid. 
Un dat büst Du, Lowising. 
Ick weit '» Flag an), Mählendiek, 
Dor steiht 'ne Wrausbänk nnner'n Bom, 
Dor wir ick, as en König, rik, 
Dor drömt ick Minen säutsten Drom, 
Dor höll 'ne Dirn ick in den Arm, 
Ehr Hart so weik, ehr Hart so warm! 
Un dat wirst Du, Lowising. Schilling. 
Ein Aries Syüaw's. Unsere Leser erinnern sich noch der Weih 
nachtstage des Jahres 1879, an denen die Marggraf'schen Eheleute 
kurze Zeit hintereinander nach 61 jähriger glücklicher Ehe starben. Die 
Todesanzeige der Hinterbliebenen erzählte eine unendlich rührende Ge 
schichte von Lieb und Treue und inniger Gemeinschaft zweier Gatten, 
den seltenen Ausgang eines langen glücklichen Lebens. Aus dieser Zeit 
stammt der nachfolgende Brief des nun auch hingegangenen Shdow. 
Berlin, 27. 12. 79. 
Hochgeehrter Freund! 
Wir, meine Tochter und ich, bitten Sie und alle Glieder des reich 
gesegneten Kreises, aus dem die theuren Verklärten geschieden, von un 
serer herzlichen Theilnahme überzeugt zu sein. — Lange konnte man 
Ihnen Allen nur mitfühlend Glück wünschen zum Leben derselben, jetzt 
zu einem Tode, über den Sie unter Thränen eigentlich zu jubeln haben. 
Solch ein idyllisches Epos konnte nur ein Vater im Himmel so dichten 
und krönen. 
Ja, der Herr hat Alles wohlgemacht! 
Der Ihrige 
Shdow. 
Aus dem Aeuggause. Die Eröffnung desselben für das Publikum 
soll Anfang Oktober stattfinden. Von der inneren Ausschmückung theilt 
ferner „die Post" mit, daß der Bildhauer Professor Schaper gegen 
wärtig in dem ehemals Drake'schen Atelier im Thiergarten die zwölf 
Fuß hohe Viktoria für die Herrscherhalle des Zeughauses in 
Marmor ausführen läßt. Dieselbe lvird ihren Platz inmitten der Stand 
bilder der sieben brandenburgisch-preußischen Regenten vom 
Großen Kurfürsten bis auf Friedrich Wilhelm IV. finden. Ein Platz 
zu ihrer Seite bleibt leer, der Ehrenplatz — für denjenigen 
Hohenzollernfürsten, welchem der Sieg in mehr als hundert 
Schlachten und Gefechten treu geblieben ist. An den beiden 
Enden dieser Herrscherreihe werden noch zwei andere allegorische Figuren 
von zehn Fuß Höhe Aufstellung finden, die Personifikationen der Treue 
und Begeisterung, durch sitzende weibliche Gestalten, welche Professor 
Schaper bereits im Hilfsmodell vollendet hat. Die Wand hinter dieser 
Reihe von Bildwerken nehmen zwei Gemälde ein, von denen eines, 
die Kaiser-Proklamation in Versailles, von Anton von Werner 
bereits vollendet worden ist, während für das andere, die Krönung 
Friedrich I. in Königsberg noch kein Künstler gefunden werden 
konnte, nachdem sich die Berhandlungen mit Prof. Steffeck, der ursprüng 
lich diesen Auftrag erhalten, zerschlagen hatten. In ihrer Vollendung 
wird die Herrscherhalle des Zeughauses eine Fülle auserlesener Kunstwerke 
umschließen, welche nicht nur ein Ehrendenkmal vaterländischen Ruhmes, 
sondern auch ein solches deutscher Kunst bilden werden. — 
*) Wir entnehmen das hübsche Gedicht der Zeitschrift: „De Eekbom", Plattdiitsche 
Wochenschriit. Dit Bladd kümmt alle Sündag rut, hett mit de Politik nix to dohn UN is 
für hochdülsche und plattdütsche Lesers bestimmt. Kosten deiht dat 2 Mark 25 Penn in't 
Virteljohr un is 8 Siden grot. Wer annonceeren will, mutt 25 Penn för de Reeg 
(viergespaltene Petitzeile) betahlen. Redactör: Ete Jörnsen. Herutgewer: A. Kues. Barlin, 
Wallnertheaterstraat 44. 
*) Tie Illustration ist dem Prachtwerke entnommen: „Die deutsche Kaiserstadt Berlin, 
und ihre Umgebung, geschildert von Mar Ring. Verlag von Schmidt und Günther in 
Leipzig 30 Hefte a 1 Mark. Bis dahin sind 9 Hefte erschienen. 
Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Emil Dominik in Berlin W. — Verlag von Gebrüder Paetel in Berlin W. — 
Druck: W. Moeser Hofbuchdruckerei in Berlin 8. — Nachdruck ohne eingeholte Erlaubniß ist untersagt.
	        
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