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Volume 28. April 1883, Nr. 31

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue9.1883 (Public Domain)

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imb Lindner, auch Bilder des Prinzen von Wales, des Bruders un 
serer Kronprinzessin, erschienen. Dieselben stellen den künftigen König 
von England in preußischer Husarenunifoim dar — „was ein bischen 
was ist", sagt der Berliner, „muß preußischer Soldat werden" —, und 
haben so außerordentlichen Beifall gefunden, daß der Prinz von Wales, 
um seiner Zufriedenheit Ausdruck zu geben, Herrn Reichard zu seinem 
Hofphotographen ernannt hat. 
Die Errichtung einer Markthalle ist von einer gemischten Depu 
tation der städtischen Behörden berathen und als Grundstück das Eger- 
sche Terrain in der Holzmarktstraße bestimmt worden. Das genannte 
Grundstück wird von der Stadtbahn durchschnitten und liegt an der 
Spree. Die Stadtbahnbogen sollen zur Aufbewahrung von Fleisch, die 
Spree zur Ausnahme der Fischkästen dienen. 
Iiür den neuen Änbau der ljicligcn Wärst hat der Bildhauer 
Herr Moser die Industrie und die Telegraphie, je in einer Gruppe von 
drei Figuren, veranschaulicht, während Herr Bildhauer Hundrieser den 
Handel und die Post figürlich dargestellt hat. Diese aus Sandstein an 
gefertigten Figuren sind so weit vollendet, daß sie in kürzester Frist auf 
dem Dachfirst des Neubaues aufgestellt werden können. 
Kygicnc-Ausstellung. Der Ausschuß der Hygiene-Ausstellung 
hat den Eintrittspreis auf 50 Pfennige pro Person festgesetzt. Nur an 
- einem Tage der Woche und Bormittags vor 10 Uhr wird ein Eintrittspreis 
von 1 Mark erhoben werden. Außerdem werden zu wesentlich ermäßigten 
Preisen Abonnementskarten für einzelne Personen und Familien ausgegeben. 
Der Besuch der Abendkonzerte von 6 Uhr ab ist gegen ein Entree von 
30 Pfg. gestattet. Neben dem offiziellen Katalog der Ausstellung, den 
die Verlags-Anstalt von Theod. Fischer in Kassel und Berlin besorgt, 
wird von den beiden Schriftführern der Ausstellung, Ingenieur Henne 
berg und vr. Paul Boerner ein offizieller Führer durch die Ausstellung 
verfaßt. Das Publikum kann sich an diesen beiden Publikationen durch 
Inserate betheiligen. Unter Berücksichtigung der zu erwartenden großen 
Frequenz der Ausstellung beabsichtigt die Große Berliner Pferde- 
Eisenbahn-Aktiengesellschaft der dem südlichen Eingang der Aus 
stellung gegenüber bereits im vorigen Jahre angelegten Abfahrtsstelle 
größeren Umfang zu geben, so daß die Aufstellung einer beträchtlichen 
Anzahl von Wagen ermöglicht wird. Das Projekt für diese Anlage 
liegt dem Polizeipräsidium zur Genehmigung vor. 
Wie hiesige Blätter ferner melden, hat der noch tief in der 
Erde steckende Frost und das kalte Wetter nauientlich die Fertigstellung 
der Erdarbeiten auf dem Terrain der Hygienischen Ausstellung so 
verzögert, daß die Eröffnung der Ausstellung nicht, wie beabsichtigt, 
bereits am I. Mai, sondern erst wenige Tage vor dem Pfingfeste zu 
erwarten steht. Man wird voraussichtlich bis zum 10. Mai warten und 
es wird wesentlich von der Vollendung des an der Hauptfront anzu 
bringenden Thurmes abhängen, ob sich dieser Termin nicht noch um einige 
Tage verschiebt. 
Aus der Wrandtsheide. (P.-N.1 Am 27. August d. I. werden 
es 70 Jahre, daß der General Hirschfeld, von dem Förster Zschinsky 
auf Schleichwegen durch den Wald geführt, mit seinem fast nur aus kur 
märkischer Landwehr bestehenden Corps die sorglos bei dem Dorfe 
Löbnitz lagernde französische Division Girard überrumpelte und nach 
einem ruhmreichen Gefecht bei Hagelberg, dem höchsten Punkte unserer 
Landhöhe, total schlug. Die Landwehrleute handhabte« dabei das Ge 
wehr wie zu Hause den Dreschflegel und schlugen in unerbittlicher 
Wuth die an die Mauer gedrängten Franzosen mit dem Kolben zu Boden. 
Ein einfaches Denkmal, die Borussia, von 2 Geschützen flankirt, kenn 
zeichnet diesen einzigen historischen Ort der Brandtsheide. Da der Ge 
neral Hirschfeld später nicht gerade beliebt war, ist seiner That nicht 
weiter anerkennend gedacht worden. Gegenwärtig wird angeregt, am 
bevorstehenden 27. August das Gedächtniß der so ruhmreichen Waffen- 
that in würdiger Weise zu erneuern. 
Die Zerlegung der Wcnnvakn von Hoppegarte» nach dem Grune- 
wald wird, so berichtet die Bert. Börs. Ztg., projektirt, und es ist 
bereits von dem Forstsiskus ein etwa 400 Piorgen großes, zwischen 
Hundekehle und Schmargendorf belegenes Waldterrain, an den Berliner 
Unionsklub abgetreten, und das etwa noch fehlende zugesichert worden. 
Das Terrain, bestehend theils aus Wald und Feld, liegt an der alten 
Charlottenburger Straße, 'etwa zehn Minuten von Hundekehle entfernt 
und wird auch mit dem Kurfürstendainiit, dessen Verlängerung bis Halen 
see jetzt schon in Angriff genommen wird, in Verbindung gebracht iverden. 
Per votanilcke Garten wird voraussichtlich schon in nächster Zeit 
fvesentlichen Umgestaltungen unterworfen werden. An der Westseite des 
Gartens, zwischen diesem und der Verlängerten Maatzenstraße, zieht sich 
ein schwacher, nach dem Wilmersdorfer Weg spitz zulaufender Terrain- 
streifen hin, der zur Zeit noch in Privatbesitz sich befindet. Bei der ra 
pide fortschreitenden Bebanung der Westvorstadt liegt die Gefahr nahe, 
— fo schreibt die Post — daß schon in absehbarer Zeit die Verlängerte 
Maaßenstraße und auch jener Terrainstreifen bebaut wird. Hierdurch 
würde aber für den Garten die Gefahr entstehen, daß derselbe, allzu sehr 
von Häusern umschlossen, der erforderlichen Luft und des nöthigen Lichts 
entbehren müßte. Die Regierung, vertreten durch je einen Rath des 
Kultus- und des Finanzministeriums, ist daher mit dem Besitzer jenes 
Terrainstreifens, einem Herrn Hermann, in Verhandlungen getreten, um 
das Terrain für den botanischen Garten zu erwerben. Sobald der 
Streifen in den Besitz des Gartens übergegangen ist, sollen sämmtliche 
Gewächshäuser, die augenblicklich am Eingang des Gartens sich befinden, 
dorthin verlegt werden. Die Cingangspartie selbst soll dann ausschließ- 
! lich zu Gartenanlagen benutzt werden. Auch sonst wird schon jetzt der 
! Garten wesentlich verschönert. An der Stelle, wo das jetzt vollständig 
! abgebrochene alte Victoria regia- Haus stand, wird eine Fontaine er- 
' richtet, die den Mittelpunkt einer reich gegliederten gärtnerischen Anlage 
bilden wird. 
Aum Zcugliausbau. Nachdem der Maler Gesellschap in dem 
| Kuppelbau der Nuhmeshalle den römischen Triumphzug und die Zwickel- 
j bilder — allegorische Darstellungen — vollendet hat, waren von ihm nur 
! noch die Felder über den vier großen von Bleibtreu, Camphausen 
und A. v. Werner gemalten Bildern aus der preußischen Geschichte zu 
schmücken. In Folge einer starken Verletzung eines Fingers der rechten 
, Hand hat der Künstler leider zunächst von dieser letzten Arbeit abstehen 
müssen, um auswärts Berlinds die Heilung des Leidens abzuwarten. Wie 
j die „Tagt. Rdsch." hört, hat er eine kleine Seereise angetreten. 
Die Verbindung des Westens und Südwestens. Der Plan zur 
j Durchlegung der Jork - und Hornstraße nach dem Westen der 
! Potsdamer Vorstadt hat jetzt, wie von uns schon gemeldet worden ist, 
! die Genehmigung des Kaisers erhalten. Die Verhandlungen mit der 
Eisenbahn-Verwaltung können also beginnen. Die wichtige Angelegenheit 
hat aber für die Stadt einen unangenehmen Beigeschmack bekommen, den 
des Kostenpunktes. Nach der definitiven Feststellung der Unterführung 
— schreibt die Voss. Ztg. — soll dieselbe nämlich nicht in der geraden Fort 
setzung der Horn- und Jorkstraße, der Bülowstraße erfolgen, weil der Durch 
führung der geraden Linie ein Eisenbahn-Dienstgebäude im Wege steht, son 
dern südlich davon durch die projektirte Blücherstraße, so daß von der Ecke 
der Horn- und Möckernstraße sieben Häuser fortgeschnitten werden, welche 
die Stadt gnkaufen muß. Aus der halben Million Kosten, welche man für 
die Unterführung berechnet hatte, werden deshalb ein Paar Millionen Kosten 
entstehen. Und das ist eine wenig erbauliche Aussicht. 
Die Wanten für den neuen Wackyof auf dem rechten Spreeufer 
zwischen der Bloltke- und Stadtbahnbrücke werden durch das noch immer 
anhaltende Hochwasser in der Fortführung verhindert. Die Langdämme, 
welche den künftigen Uferquai der Spree hier markiren, sind zunächst der 
Moltkebrücke auf einer großen Strecke bereits ausgeführt, die Hinter 
mauerungsmaterialien und die Verblendsteine aus Rüdersdorfer Kalk 
liegen fertig da und harren auf gnädigere Laune der Spree-Nymphe, um 
I verwendet werden zu können. 6. T. 
Die Durckkegung der Zimmerftraßc bis zur Königgrätzerstratze 
am ethnologischen und Kunstgewerbe-Museum vorüber scheiterte seiner 
Zeit an dem Widerspruch des früheren Kriegsministers von Kamele, der 
> die Durchschneidung des kriegsministeriellen Gartens, ohne die jene Durch 
legung in der projektirten Richtung unmöglich ist, nicht gestatten wollte. 
Wie nun mitgetheilt wird, soll der jetzige Kriegsminister, HerrBronsart 
von Schellendorff, der beabsichtigten Verbindung der Wilhelm- und 
Königgrätzerstratze günstig gesinnt sein und dürfte demnach bald mit den 
bezüglichen Arbeiten begonnen werden. 
Wärkischc Zauberformeln. I. Diebes-Seegen. Lieber Engel 
Gabriel, wenn die 3 nächte Diebe oder Diebinnen wollen herein Brechen 
und mir ivas Stehlen, o söhn Petrus . . . Binde sie Mit Ketten Und 
mit Banden und mit Gottes Händen Das sie müßen Stehn als ein 
Stocken, und sehen aus den Bach und müßen mir zehlen alle Sterne und 
alles Laub und alles Graß und alles was auf dieser Welt zu sehen als 
nehmlich mit meinen Zeugen Gott Vater Sohn und Heiliger Geist. 
Amen. — II. Loßspruch. Lieber Engel Gabriel wen die drey Nächte 
Diebe oder Diebinnen wollen loßwerden und so laß sie nicht loßkommen, 
bis ich sie mit meinen Zeugen Gott Vater Sohn und Heiliger Geist loß- 
sprechen. Amen. E. Fr. 
Gries- und Fragckasten. 
T. in S)f. Besten Dank. 
Alb. L. in Pr. Besten Dank. Ad 2. Kronprinzeichalais in Berlin. 
Max Schl. Gr. Wanzleben. Der Kronprinz tischlerte beim Hof 
tischler Kunath und trieb Buchbinderei bei dem Hofbuchbinder M ohn er. 
W. Berlin. Sie haben sehr Recht. Der Herr Maler ist ein vor 
trefflicher Künstler, versteht aber von den militärischen Details nichts. 
Inhalt. 
Die Erstürmung und Plünderung der Stadt Kottbus vom Jahre 
1631, historische Erzählung von Heinrich Busch (Fortsetzung); Berlin 
zur Zeit der Askanier von A. Lauth; Etwas vom Bernstein; Zur Re 
organisation des Nordens Berlins; Das Raczinsky'sche Palais (mit 
Illustration); Der Cöllnische Fischmarkt vor 50 Jahren (mit Illustration); 
Viktor, Herzog von Ratibor, Präsident des Herrenhauses (mit Portrait); 
Die Jagdreviere des Kaisers; Geschichte des Wallnertheaters; Reue 
Portraits des Kronprinzenpaares; rc. Brief- und Fragekasten. 
Inserate. —
	        
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