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Volume 21. April 1883, Nr. 30

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue9.1883 (Public Domain)

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sich thunlichst selbst nach der nächsten Feuermeldestelle begeben, deren 
Lage ihm natürlich genau bekannt sein muß." 
„Ist es nicht überhaupt bedenklich, 4 Stock hoch zu wohnen, 
wenn in dem Hause unten Feuer ausbricht. Ich lege 'Nachdruck 
aus das Wort unten." 
Nur in dem Falle, wenn sich unter der Wohnung Werkstätten, 
oder Magazine mit leicht seuerfangenden, oder dem Feuer 'Nahrung 
gebenden Stoffen befinden. Es wird übrigens dafür Sorge ge 
tragen werden, daß über solchen Werkstätten sich keine Wohnungen 
mehr befinden dürfen, welche nicht 2 unabhängige Treppen haben. 
Ist das Haus jedoch ein gewöhnliches Wohnhaus, so kann man 
auch im obersten Stock ziemlich sicher wohnen." 
„Auch in dem Falle, Herr Direktor, wenn es ein älteres 
Haus ohne Hintertreppe ist und die einzige Treppe unten in Brand 
geräth?" fragte ich. 
„Eine Treppe ist bald gelöscht," lautete die Antwort „Die 
Treppe brennt auch nicht so leicht; 
das Feuer wird ihr fast in allen 
Fällen durch einen anstoßenden bren 
nenden Raum erst zugeführt. Dann 
ist es auch nicht das Feuer, sondern 
in der Regel der Rauch, der den 
Gebrauch der Treppe den oben 
Wohnenden erschwert. In den Häu 
sern, die keine Hintertreppen haben, 
müssen die Treppen jetzt übrigens 
massiv sein." 
In diesem Augenblicke läutete 
der Feuertelegraph. Der Direktor 
verließ einen Augenblick das Zimmer. 
„Es wird eben durch den Feuer 
melder in der Wichmannstraße Feuer 
gemeldet," sagte er wieder ein 
tretend, „doch wissen wir augen 
blicklich noch nicht, wo es brennt." 
„Wäre es nicht gut, Herr Di 
rektor," sagte ich, mich verabschiedend, 
„wenn den Bürgern und Fremden 
Berlins noch deutlicher, als es jetzt 
an den Anschlagsäulen, Pumpen und 
stummen Portiers geschieht, gezeigt 
würde, wo sie Feuer zu melden 
haben?" 
„Gewiß," antwortete er; „ich 
gehe mit dem Plan um, über den 
Postbriefkasten, die doch jeder 
Meldestelle deutlich markiren zu lassen. 
benutzt, die nächste Feuer - 
Hoffentlich tritt dieser meiner 
Idee bei ihrer Uebertragung in die Praxis kein Hinderniß entgegen." 
Als ich die Direktion der Feuerwehr, den Mittelpunkt des 
besten Löschwesens, verließ, war ich um einige Fingerzeige reicher, 
die ich längst hätte kennen müssen. Mögen nun auch meine Mit 
bürger sämmtlich wissen, wo und wie sie Feuer zu melden haben. 
Generallitntcnant von Caprivi, 
Chef der Admiralität. 
(Mit dem Portrait Seite 359.) 
Zum Nachfolger des Generals der Jnsanterie von Stosch hat 
Seine Majestät der Kaiser am 20. März d. I. den bisherigen 
Kommandeur der Metzer 30. Division, Generallieutenant von Ca- 
privi, einen geborenen Berliner ernannt, und hat an den abge 
gangenen Marineminister die nachfolgende Kabinetsordre erlassen: 
'Nachdem Ich aus Ihrem Schreiben vom 7. d. Mts. mit 
dem lebhaftesten Bedauern ersehen habe, welche große Schwierig 
keiten Ihnen Ihr Gesundheitszustand für die Fortsetzung des 
Dienstes verursacht, habe Ich Mich mit schwerem Herzen ent 
schließen müssen, Ihrem Gesuche um Verabschiedung zu ent 
sprechen, indem Ich Sie hierdurch unter Entbindung von Ihrer 
Stellung als Chef der Admiralität mit der gesetzlichen Pension 
zur Disposition stelle. Sie haben diese Stellung über elf Jahre 
inne gehabt und haben Sie nicht nur — wie Ich Ihnen dies 
wiederholt ausgesprochen habe — zu Meiner vollsten Zufrieden 
heit ausgefüllt, sondern haben in ihr in der That Ungewöhn 
liches geleistet, indem Sie die Entwickelung der jungen Marine 
in kaum zu hoffender Weise gefördert und dieselbe in feste 
Systeme und in sichere Bahnen gebracht haben. Es ist Mir ein 
tief empfundenes Bedürfniß, Ihnen hierfür heute in dem Augen 
blick des Scheidens noch einmal den wärmsten Dank auszu 
sprechen. Einen äußeren Ausdruck 
Meiner Empfindungen wollen Sie 
darin erkennen, daß Ich Ihnen eine 
dauernde Ehrenstelle in der Marine 
durch die Bestimmung angewiesen 
habe, Sie auch ferner in den Listen 
der Marine k la suite des See- 
Offizier-Corps mit dem Range als 
Admiral und ä la suite des See- 
Bataillons zu führen und wünsche 
Ich hierdurch auch die Marine fort 
gesetzt an die Pflicht ihrer dankbaren 
Erinnerung an Sie zu mahnen. Mit 
dem Wunsche, daß es Ihnen ferner 
wohl gehen und daß Ihnen die Er 
innerung an das Wohlwollen und 
an die gnädigen Gesinnungen Ihres 
Kaisers und Königs Meinen Dank 
und Meine Anerkennung stets ver 
gegenwärtigen mögen, verbleibe Ich 
Ihr wohlgeneigter 
gez. Wilhelm. 
Berlin, den 20. März 1883. 
An 
den General der Infanterie 
v. Stosch,. 
Chei der Admiralität. 
Nach den Organisationsgesetzen 
hat die Admiralität einen Chef 
zum Vorstande, welcher den Oberbefehl der Marine nach 
den Anordnungen Seiner Majestät des Kaisers, und der die Ver 
waltung unter der Verantwortlichkeit des Reichskanzlers führt. 
Der Geschäftskreis der Admiralität umfaßt alle Angelegenheiten, 
welche die Einrichtung, Erhaltung und Entwicklung sowie die Ver 
wendung der Kriegsmarine betreffen. Die Geschäfte der Admira 
lität werden in Dezernaten bearbeitet, von denen die militärisch en 
in einer „Abtheilung" (Kapitain zur See Knorr), die technischen 
in einem Marine-Departement (Contreadmiral Livonius), die hy 
drographisch - wissenschaftlichen und kartographischen in 
einem „Hydrographischen Amte" (Contreadmiral Freiherr von 
Schleinitz) zusammengefaßt sind. 
Während also das „Kriegsministerium" nur die Ver 
waltung der Armeeangelegenheiten besorgt und — wie dies ja 
schon vorgekommen ist — ohne Weiteres mit einem jüngeren 
Offizier, mit einem Major besetzt werden könnte, hat der Marine 
minister außer den Verwaltungsangelegenheiten auch den Ober 
befehl der Marine „nach den Anordnungen Sr. Majestät des 
Kaisers" zu führen. Es ergiebt sich daraus einmal, daß — so 
Zu dem Aussatze „Stahlsederfabrik."
	        
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