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Periodical volume 14. Oktober 1882, Nr. 3

Full text: Der Bär Issue 9.1883

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und der Familie Schickler getheilt. Grund und Boden, sowie die 
Gebäude waren Staatseigenthum, während die Inhaber der 
Fabrik für die Unterhaltung der Fabrikgebäude und Wohnhäuser 
sorgen mußten. 
1813 gerieth die Fabrik in große Gefahr, zerstört zu werden; 
nur durch die besondere Thätigkeit des damaligen Buchhalters 
Bulsz wurde sie gerettet. Dieser war von den Gebrüdern Schickler 
beauftragt worden, eine namhafte Summe zu verwenden, um die 
Erhaltung der Fabrik zu bewerkstelligen. Er erlangte auch von 
dem französischen General Lebredon das Versprechen, daß die 
Fabrik erhalten werden solle. Trotzdem wurde die nahe an der 
Citadelle gelegene Polier- und Schleifmühle niedergebrannt. Auf 
den Rath des Generals Lebredon ging Bulsz unverweilt nach 
Schöneberg zu Murat und bat um Gnade für die Fabrik, indem 
er darauf hinwies, daß die Gebrüder Schickler laut Bürgerbriefes 
französische Unterthanen seien. Es erfolgte nun wirklich der Befehl, 
mit dem Abbrennen der Fabrik innezuhalten. Bald aber mußten 
die ganze Fabrik und alle dazu gehörigen Wohnhäuser geräumt 
werden. Zehn große Kähne wurden mit den Utensilien der Fabrik, 
den Familien und deren Habseligkeiten beladen und fuhren am 
7. März nach dem Tegeler See, wo alle bis zur Befreiung Span- 
dau's verblieben. Am 1. Juni 1813 wurde die Arbeit in der 
Fabrik wieder aufgenommen. 
Seit dem Jahre 1836 nahm die Fabrik einen größeren 
Aufschwung. 1847 zählte die Gemeinde Plan an 500 Personen, 
welche dem „königlichen Gewehrplangericht", desien Einsetzung an 
Stelle des Hofgerichts nicht bekannt ist, unterstanden. Im Jahre 1852 
ging die Fabrik in den Besitz des Staates über, der auch die 
Potsdamer an sich gebracht hatte. Die Gemeinde Plan wurde 
nun aufgelöst und die Familien zogen in die.Stadt. Ferner 
wurde die Fabrik umgebaut und erweitert, da die Potsdamer 
Gewehrfabrik 1854 einging und mit der Spandauer vereinigt 
wurde. Eine abermalige Erweiterung erfuhr die Fabrik in den 
Jahren 1870 bis 1874 durch den Bau des Direktionsgebäudes 
und der Munitionsfabrik. Zur Zeit umfaßt die Fabrik: 
12 größere Betriebsgebäude zur Gewehr- und Munitionsfabri 
kation; 
2 ST I 
3 Dampfmaschinen; 
6 Wasierräder in drei Gerinnen. 
Es können beschäftigt werden: 
in der Gewehrfabrik 800—1000 Arbeiter; 
in der Munitionsfabrik 400 Arbeiterinnen. 
In der Gewehrsabrik werden sämmtliche Handfeuerwaffen an 
gefertigt, in der Munitionsfabrik metallene Patronenhülsen und 
Langbleigeschoffe. 
Die Verwaltung wird gebildet aus: 
1. einem Stabsoffizier als Direktor der Gewehr- und Mu- 
nitionsfabrik; 
2. einem Hauptmann als Subbircktor der Gewehrfabrik; 
3. einem Premierlieutnant als Subdirektor der Munitionsfabrik; 
4. einem Zeughauptmann als Rechnungsführer der Gewehr 
fabrik; 
5. einem Zeugpremierlieutcnant als Rcchnungsführer der Mu 
nitionsfabrik; 
6. zwei Dircktionsasiistenten der Gewehrfabrik; 
7. einem Dircktionsasiistenten der Munitionsfabrik. 
Jede Fabrik hat einen Betricbsinspcktor und einen Ober 
büchsenmacher als Rcvisionsvorstcher, sowie das nöthige Revisions 
und Bureau-Personal. 
Direktoren der Gewehrsabrik waren resp. stnb: 
1852—1854 Major Singer; 
1854 Hauptmann von Avcmann; 
1854—1857 Hauptmann Von Garnier; 
1857—1875 von Schätze!, zuletzt Generalmajor; 
1875—1877 Oberst Matte; 
1877 bis heute Oberstlieutenant Gerhardt. 
B. Das Keuerwcrks-^akoratorium. 
Im November 1817 richtete der Major Dietrich in der Cita 
delle die nothwendigen Arbeitsräume zu einem Feuerwerkslabora 
torium ein, welches als „Geheimes Brand-Raketen-Laboratorium" 
bezeichnet wurde. 1827 wurde die Bezeichnung in „Geheimes 
Raketen-Laboratorium" umgewandelt, da man nun auch andere 
Arten von Raketen in demselben anfertigte. Die Arbeiten wurden 
von dem „Raketenkommando", bestehend aus 2 Offizieren, 4 Unter 
offizieren und 12 Grenadieren von Garnisonkompagnien, gemacht, 
welches durch königliche Kabinetsordre vom 11. Juni 1828 in 
eine „Feuerwerkskompagnie" umgewandelt wurde, die sich anfäng 
lich auch mit der Anfertigung von Lustfeuerwerk beschäftigte, bis 
der Generallieutenant Braun erklärte: „die Lustfeuerwerkerei ist 
ein Handwerk, welches mit der Artillerie, die sich mit dem Gebrauche 
der Geschütze beschäftigt, nichts gemein hat als — das Pulver." 
Wegen vorzunehmender Herstellungsarbeiten des Kavaliers 
Brandenburg auf der Citadelle, in welchem sich zum Theil die 
Räumlichkeiten des Laboratoriums befanden, und weil es auch 
wünschenswerth erschien, für dieses Institut ein eigenes, möglichst 
sicher abgeschloffenes Etabliffement zu besitzen, wurde im Mai 
1829 die Verlegung des Geheimen Raketen-Laboratoriums auf den 
bereits zum Festungsterrain gehörenden Eiswerder, eine Insel in 
der Havel nördlich der Citadelle, angeordnet. Hier befanden sich 
bereits ein als Pulvermagazin eingerichtetes Reduit und ein 
Wachthaus, welche beide dem Laboratorium überwiesen und zweck 
entsprechend eingerichtet wurden. Außerdem wurden neu erbaut 
ein Ladewerk, ein kleineres Pulvermagazin, ein Feuerhaus mit 
Dampftaum und Trockenanstalt, eine Schmiede nebst Klempnerei, 
ein kleines Wohngebäude für einen Unteroffizier und ein Bohr 
haus. Ende 1829 siedelte das Laboratorium auf den Eiswerder 
über, behielt aber noch einige Räume in der Citadelle. 
Im Jahre 1830 wurde die Feuerwerkskompagnie auf 4 Offi 
ziere, 7 Unteroffiziere und 16 Mann vermehrt und auf dem Eis- 
werder ein Hafen und ein Brennmatcrialienschuppen angelegt. 
Durch königl. Kabinetsordres vom 28. März 1831 und 
21. Januar 1832 wurde die Feuerwerkskompagnie ein selbststän 
diger Truppentheil mit einer Stärke von 6 Offizieren, 18 Unter 
offizieren und 80 Mann. Das Laboratorium erhielt nun die 
Bezeichnung „Königliches Feuerwerks-Laboratorium". Es wurde 
ferner die „königliche Verwaltung des Feuerwerks-Laboratoriums", 
bestehend aus einem Direktor, einem Verwaltungsmitglied und 
einem Lieutenant als Rechnungsführer, eingesetzt und das Labora 
torium in die Abtheilung A für die Raketenversuchc und die Ab 
theilung B für die Zündcrfabrikation zerlegt, von denen diese auf 
der Citadelle arbeitete. 
Bis 1836 behielt das Feuerwerks-Laboratorium einen provi 
sorischen Charakter. Durch königliche Kabinetsordre vom 20. Juni 
1836 wurde aber die Formation einer permanenten Feuerwerks 
truppe genehmigt. In Folge dieser und der Kabinetsordres vom 
13. Januar und 14. Februar 1837 wurde eine Feuerwerksab- 
theilung aus zwei Kompagnien gebildet. Offiziere und Mann 
schaften derselben erhielten als Abzeichen ein „F“ in den Epau 
letten resp. Achselklappen. Der Etat betrug: 
für den Stab: 1 Major als Kommandeur, 1 Sccondelicutenant 
als Adjutant, 1 Feuerwerker II. Klaffe als Abthcilungsschreiber; 
für die beiden Kompagnien: 2 Hauptlcute, 2 Premierlieute 
nants, 2 Secondclieutenants, 4 Oberfeucrwerker, 2 Feldwebel 
und Kapitän d'armes, 4 Feuerwerker I. Klasse, 12 Feuer 
werker II. Klaffe, 2 Hornisten, 76 Gemeine.
        
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