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Periodical volume 24. März 1883, Nr. 26

Full text: Der Bär Issue 9.1883

lieben, niemand hassen, keinen Gedanken der eignen Rache in uns 
aufkeymen lasten, und Gott alles anheim stellen. 
Tausend freundschaftliche Empfehlungen an meinen lieben 
Landsmann, der Himmel stehe ihm bey, und lasse Ihnen Freude 
und Trost an Ihren Kindern erleben. 
Sein Sie so gütig und geben mir bald Nachricht über die 
4 Punkte, welche ich weiter oben angemerkt habe, Sie verbinden 
mich unendlich. Brühl. 
(Randbemerkungen.) Ich hoffe, man soll mich aus meinem 
Logis nicht herausjagen. 
Wollen Sie mir antworten, so sein Sie 
so gut und geben Ihren Brief ohne franco 
aus die Post. 
(Schluß folgt.) 
MisceUen. 
Ein neues Berliner Straßenprojekt. Behufs Verkehrsentlastung 
der Gertraudtenstraße und des Mühlendamms einerseits und der 
Wallstraße andererseits hat sich Hierselbst ein Konsortium aus Finan 
ciers und Technikern gebildet, welches eine Straßendurchlegung vom 
Spittelmarkt bis zur Ecke Stralauer- und Klosterstraße in 
gerader Linie beabsichtigt. Diese neue Straße soll am Spittelmarkt 
zwischen den Ausgangspunkten der Gertraudten- und Wallstraße, in der 
Nähe des Feuerwachgebäudes, beginnen, über den Spree-Arm durch 
eine feste Brücke sich fortsetzen, die Friedrichsgracht, die Grün 
straße, Petristraße, Roßstraße, Fischerstraße, Fischerbrücke 
durchschneiden, sodann durch eine Brücke über die Spree sich fortsetzen 
und, den Hinteren Theil der Stadtvoigtei berührend, in der Stralauer- 
straße gegenüber der Klosterstraßc münden. Diese von dem Konsortium 
projektirte Straßenlinie ist eine weit kürzere als die gegenwärtige Ver 
kehrslinie Gertraudtenstraße-Molkenmarkt, da die jetzige Straße am Mol 
kenmarkt einen fast rechten Winkel bildet. Die Fortsetzung der beschrie 
benen neuen Straße wird die von der hiesigen Stadtgemeinde projektirte 
„Verlängerte Blumenstraße" bilden, welche von der Blumenstraße 
über den zugeschütteten Königsgraben sich fortsetzen und, die Neue Fried 
richstraße durchschneidend, in die Stralauerstraße einmünden wird. (Auf 
dieses von der Regierung genehmigte Straßenprojekt ist bei dem Bau des 
betreffenden Theils des Stadtbahn - Viadukts durch Herstellung einer 
Straßenunterführung bereits Rücksicht genommen.) Die projektirte Straße 
vom Spittelmarkt aus in Verbindung mit der verlängerten Blumenstraße 
wird demnach die kürzeste Verbindung des Westen Berlins mit dem Osten 
bilden und somit auch zur Verkehrsentlastung der einen Bogen beschrei 
benden engen Wallstraße, welche gegenwärtig die kürzeste Verbindung 
zwischen dem Westen und Osten bildet, wesentlich beitragen. Das Pro 
jekt befindet sich gegenwärtig noch im Vorbereitungsstadium. Die 
städtischen Behörden werden zweifellos die Ausführung desselben freudig 
begrüßen, da dadurch nicht nur die Verkehrsentlastung der Gertraudten- 
straße-Mühlendamm einerseits und der Wallstraße andererseits herbeige 
führt, sondern auch dem sehr vernachlässigten Stadttheil Alt-Köln Luft, 
Licht und neues Leben zugeführt werden würde. B. B. C. 
Me Zuschüttung des grünen Grabens soll, wie der Voss. Ztg. 
mitgetheilt wird, binnen Kurzem erfolgen. Denn einmal hängt die Aus 
führung der linksseitigen Spreeuferstraße zwischen Jannowitz- und Waisen 
brücke davon ab, die binnen drei Jahren, bis Ende 1885, hergestellt 
werden soll, und andererseits ist für das nächste Jahr der Neubau der 
Waisenbrücke vorgesehen, der ebenfalls die genannte Zuschüttung bedingt. 
Außer der Walkmühle wird durch das beabsichtigte Unternehmen ein 
alter ehrwürdiger Bau beseitigt werden müssen, der nur noch von der 
Neuen Jakobstr. 14 her zugänglich« Sandstein-Thurm, der „Wuster- 
hausener Bär", auch „Albrechtsbär" genannt. Von Vortheil wird die 
Zuschüttung des grünen Grabens dem städtischen Volkspark hinter dem 
köllnischen Gymnasium sein, der dadurch eine Terrainerweiterung erhält. 
Weiter wird dadurch der Durchbruch der Taubenstraße nach dem Haus 
voigteiplatz wesentlich gefördert werden. 
Größenverhältnisse der Berliner Säle und Iiesträumc. Den 
größten, festlichen Zwecken dienenden Raum der Stadt Berlin bildet der 
Wintergarten des Ccntralhotels, der bei einer Länge von 74,75 m und 
einer Breite von 22,66 m eine Grundfläche von 1 672 gm aufzuweisen 
hat. Der Tivoli-Saal, der nächstgrößte, überragt den ersteren in der 
Länge um mehr als 4 m, steht ihm aber in der Breite um 7 m nach, 
so daß seine Grundfläche 1 236 gm beträgt. Recht stattliche Dimensionen 
, hat auch die Turnhalle in der Prinzenstraße, die Länge von 47 und die 
Breite von 22 m giebt ihr eine Grundfläche von 1 034 gm, sie ist somit 
der drittgrößte Saal Berlins. Der Saal der Philharmonie mit 900 und 
der Königssaal des Kroll'schen Etablissements mit 876 gm Grundfläche 
sind sich nahezu an Größe gleich. Der Konzerthaussaal ist 33,90 m lang 
und 21,97 m breit, hat somit eine Grundfläche von 743 gm, die des 
Sitzungssaales im Reichstagsgebäude ist bei 28 m Länge und 22 m Breite 
616, die des Abgeordnetenhaussaales bei 27 m Länge und 14,6 m Breit« 
394 und die des Festsaales im Rathhaus bei 31,59 m Länge und 17,26 m 
Breite 542 gm. Der letztere ist zugleich der höchste Saal der Stadt, er 
hat die stattliche Höhe von 22,55 m aufzuweisen. Ihm nahezu gleich 
kommt der Börsensaal, der 21,03 w hoch ist. Seine Grundfläche beträgt, 
den neuen Anbau nicht mitgerechnet, 676 gm. Der Weiße Saal im 
Schloß ist 31,39 m lang und 15,69 m breit und hat somit 493 gm Grund 
fläche, die Bildergalerie im Schloß ist 60,46 m lang und 7,53 m breit, ihre 
Grundfläche beläuft sich auf 454 gm. Der Saal der Singakademie hat 
: 407 gm bei 32,38 m Länge und 12,55 m Breite, der in Arnims Hotel 
350, der im Englischen Hause 248, im Hotel de Rome 208 gm, im Hotel 
de Russie 174 gm. Diese Maße sind jedoch gegenüber den Dimensionen 
der Berliner Bahnhofshallen verschwindend klein. Die Grundfläche der 
alten Halle der Niederschlesisch-Märkischen Bahn beträgt bei 208 m Länge 
7 800, die der Halle der Ostbahn bei 188 m Länge 7 050, die der Halle . 
der Lehrter Bahn bei 181 m Länge 6 607, die des Stadtbahnhofs 
„Alexanderplatz" bei 167 m Länge 6 346, die des Potsdamer Bahnhofs 
bei 172 m Länge 6 020 gm, und endlich die des Görlitzer Bahnhofs bei 
148 m Länge 5 476 gm. Am höchsten von den genannten, 25 m hoch, 
ist die Halle des Lehrter Bahnhofs. 
Sie Baralkekstraßen längs der Stadtbahn. Die Arbeiten zur Fer 
tigstellung der Parallelstraßen d er Stadtb ahn werden jetzt, nachdem 
einige Differenzfragen durch gegenseitiges Entgegenkommen der beiden be 
theiligten Behörden, des Magistrats und der königl. Stadt-Eisenbahn 
direktion, baldiger gütlicher Ausgleichung entgegengehen, mit aller Energie 
begonnen werden; die vorher nothwendigen Arbeiten, wie Vermessungen 
re., haben bereits stattgefunden. Es werden vor allen Dingen die in 
ihrem jetzigen Zustand allerdings einen recht wüsten Anblick darbietenden 
Strecken innerhalb der Stadt, wie zwischen Spandauer- und Königsbrücke 
und an der Herkulesbrücke, in Angriff genommen werden. Die Beseitigung 
der letzteren Brücke wird größere Arbeiten erfordern, da das Straßen- 
Niveau derselben tiefer gelegt werden muß. Nach Beseitigung der Stein 
geländer der Brücke mit den darauf befindlichen Bildwerken wird indeß 
das Terrain des zugeschütteten Königsgrabens zur Benutzung für den 
Verkehr frei, so daß hoffentlich eine längere Verkehrsstörung an diesem 
äußerst frequenten Punkte nicht eintreten wird. Wohin die Bildwerke 
der Hcrkulesbrücke gebracht werden sollen, darüber verlautet noch 
nichts. — 
Zur Invcnlaristrung unserer Baudenkmäler. Das Werk der 
Jnventarisirung der in der Provinz Brandenburg vorhandenen Bau 
denkmäler hat in Folge der Erkrankung des Professor Bergau eine 
Verzögerung erfahren, und es mußte deshalb dem Letzteren in der Person 
des Regierungsbaumeisters Körner eine Hilfskraft zur Seite gestellt werden. 
Der Text des Werkes ist nunmehr erheblich gefördert, so daß die Fertig 
stellung des Inventars der bis zum Schluffe des Jahres 1881 besuchten 
Ortschaften, sowie der allgemeinen Kunstgeschichte bis zum 1. April d. I. 
in sicherer Aussicht steht. Die Zahl der zum Druck fertig gestellten 
Zeichnungen beträgt 297; von 34 anderen Gegenständen sind Skizzen und 
Photographien aufgenommen worden, und während der Dauer des Pro 
vinziallandtags wird eine Sammlung der für das Werk gefertigten Auf 
nahmen ausgestellt sein. Durch diese Aufnahme ist der hohe künstlerische 
Werth einer großen Zahl von Kunstgegenständen festgestellt, welcher in 
vielen Fällen den Besitzern bisher unhekannt geblieben war, und es ist zu 
erwarten, daß in Folge dessen künftig Gegenstände von größerem Kunst 
werthe nicht so leicht wie früher in andere Hände über- und der Provinz 
verloren gehen. Für die Beendigung des Werkes ist eine Summe von 
12,000 Mark in den Etat gestellt. B. T. 
An unsere Leser! 
Mit der nächsten Nummer 27 beginnt das dritte Quartal des laufenden Jahrganges. Wir ersuchen daher diejenigen unserer Leser, 
welche ihr Abonnement noch nicht erneuert haben, dies baldmöglichst bewerkstelligen zu wollen, damit keine Unterbrechung in der Zusendung entstehe. 
Außer der Fortsetzung des laufenden Romans bringt das kommende Quartal noch eine neue Erzählung von A. von Senten „Das 
Testament des Onkels," ferner: „Ein Abenteurer am Hofe König Friedrich Wilhelms I." sowie die bereits angekündigten aber wegen 
Raummangels noch nicht zum Abdruck gelangten größeren Aufsätze von Schwebet, Friede! re. rc. „die Rüdersdorfer Kalkberge", „Wanderungen 
durch die Mark" rc. rc. 
Wir bitten die alten Freunde unseres Blattes, treu zu bleiben, und auch darum, neue mit werben zu helfen. 
Dir Redaktion und Expedition des „Äür", Berlin W., Lützowstraße 7. 
Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Emil Dominik in Berlin W. — Verlag von Gebrüder Partei in Berlin W. — 
Druck: W. Moeser Hofbuchdruckerei in Berlin 8. — Nachdruck ohne eingeholte Erlaubniß ist untersagt.
        
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