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Periodical volume 24. März 1883, Nr. 26

Full text: Der Bär Issue 9.1883

(Eine Chronik für's tzaus 
Erscheint wöchentlich am Sonnabend und ist durch alle Buchhandlungen, Zeitungsspeditionen und Postanstalten für 2 Mark 
IX. Jahrgang. vierteljährlich zu beziehen. - Jm Postzeitungs-Latalog eingetragen unter Nr. 2278. bcn 24. März 
Nr. 26. Herausgegeben von Emil Dominik. Verlag von Gebrüder Parte! in Berlin W. 1883. 
Die Erstürmung und Plünderung der Stadt Cottöus vom Jahre 1631. 
Historische Erzählung von ücinriA fiusA. (Fortsetzung). 
Nachdruck verboten. 
Gesetz v. 11. VI. 70. 
II. 
In der nordöstlichen Ecke der Stadt Cottbus erhebt sich 
ein viereckiger Thurm nicht sehr hoch über die Stadtmauer. 
Auf seinem spitzen Dache ist das Wappen der Stadt, der 
Krebs, als Windfahne aufgestellt. Dieser Thunn wird der 
Münzthurm genannt, weil in ihm die Münzen der Stadt 
Cottbus, die Krebsheller, 
bis zum Jahre 1480 
geprägt wurden. Der 
Thurm steht einsam in 
seiner Ecke unbenutzt. 
Der Wind und das 
Wetter nagen an seinen 
Mauern und haben 
manchen Dachstein schon 
heruntergerissen. In 
früherer Zeit war neben 
ihin ein kleines Häus 
chen an die Stadt 
mauer angebaut. Ein 
Häuschen so klein, wie 
es armen Leuten damals 
genügte. Aus Lehm 
und Balken war es 
aufgerichtet, seine Thür 
war niedrig, der Haus 
flur nur ein Lehinstrich. 
Der Thür gegenüber lag die kleine Küche- Die Stuben, welche 
rechts und links vom Hansflur lagen, lvaren niedrig und hatten 
kleine Fenster. In jedem Zimmer stand ein Kachelofen, 
eine Ofenbank, ein Tisch, einige hölzerne Stühle, eine Truhe 
und ein kleiner Schrank, in welchem einige Gläser, bunte 
irdene Krüge und Teller sich befanden, machten das ganze 
Meublement des einen Stübchens aus. In dem anderen war 
ein breites Bettgestell aufgestellt, mit bunten Katunvorhängen, 
ein sogenanntes Himmelbett- 
Die Bewohnerin dieses kleinen Häuschens war eine 
rüstige Frau im Anfange der 40er Jahre, ihre Tracht war 
die geringer Bürgersrauen. Eine unförmliche Haube mit 
breiten gefältelten Spitzen verdeckte die Stirn und theilweis 
die Wangen. Ein großes Tuch, welches sie um die Schultern 
gelegt hatte, deffen Enden auf dem Rücken zusammengeknüpft 
waren, verbarg die 
schlanke Gestalt der 
Frau. Betrachtete man 
sie genauer, so fand 
man, daß sie in der 
Jugend schön gewesen 
sein mußte. Auch in 
den Jahren, in welchen 
sie jetzt stand, hätte sie 
wohl noch manchen 
Freier herbeigezogen, 
denn sie war, wenn 
sie nicht durch die 
scheinbar vernachlässigte 
Kleidung entstellt wor 
den wäre, eine ange 
nehme Persönlichkeit. 
Besonders waren die 
Augen auffallend leb 
haft und schön. Ihr 
ganzes Wesen zeigte von 
Klugheit und Energie. Was aber hielt die Männer ab, um 
sie zu werben? 
Nach den Ansichten der damaligen Zeit gab es unehr 
liche Leute. 
Büttel, Schornsteinfeger, Scharfrichter, Nachtwächter rc. 
wurden für unehrlich gehalten. 
Die Wittwe Steinbach war vor ungefähr 15 Jahren in 
das kleine Häuschen am Münzthurm, welches einem edlen 
Rath gehörte, eingezogen. 
Wendische Ostereier aus dem Sprrewatd. 
Originalzeichnung nach den im Märkischen Museum befindlichen Originalen. 
(S. Seite 320.)
        
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