Path:
Periodical volume 10. März 1883, Nr. 24

Full text: Der Bär Issue 9.1883

Ihrer lieben Frau bitte ich viel schönes und herzliches zu 
sagen. Meister Rhode möge so weit herunter sein, als er will, so 
scheint doch Vieles in Erfüllung zu kommen, die Türken sind mo 
bil — nur Geduld, auf alles gemerkt. — Ich verbleibe mit be 
sonderer Hochachtung und Freundschaft 
Ew. Wohlgeboren 
ganz ergebenster Diener 
P. 8. Allem Vermuthen Brühl, 
wird die Abreise des Kö 
nigs moäiv Dec. gesche 
hen.*) (Fortsetzung folgt.) 
Misrellen. 
IZcrkins zukünftiger Straßenverkehr. Denkt man sich auf der 
Traee der heutigen Pferderingbahn, auf welcher übrigens zu einer Zeit, 
als die Stadtmauer noch existirte, bereits der Dampswagen den Güter 
verkehr zwischen den Bahnhöfen der verschiedenen Eisenbahnen vermittelte, 
eine auf Dampfbetrieb basirte Hochbahn für Personenbeför 
derung, so würde dies etwa die Peripherie eines Kreises bedeuten, bis zu 
welchem die Pferdebahnlinien von den Vororten heranzuführen fein würden. 
Konzentrisch mit dieser laufend, würde die bereits jetzt existirende Ring- I 
bahn mit Dampfbetrieb zur Verbindung der Vororte untereinander de- | 
stehen bleiben müssen, ebenso die erst seit kurzem im Betrieb befindliche 
Stadtbahn. Die bezeichnete Ringhochbahn würde somit auch sämmtliche 
Bahnhöfe mit einander in Verbindung setzen und au sämnttlichen End- | 
stationen der Pferdebahnen vorüberführen. Die Bahn unterirdisch zu 
bauen, wie dies in London mit der Ringbahn für Dampfbetrieb der Fall 
ist, verbieten in Berlin die Grundwasferverhältnisse, auch ist die Fahrt 
in solchen unterirdischen Gewölben und der Aufenthalt in kellerartigen 
Bahnhofshallen keineswegs angenehm. Als Querverbindungen dieses 
inneren Gürtels würde im Durchmesser des Kreises eventuell eine Hoch 
bahnverbindung in der Richtung Schlesischer Bahnhof—Leipzigerstraße 
—Potsdamer Bahnhof, resp. Hallesches Thor—Wedding mit einer Unter 
oder Ueberführung an der Kreuzung Friedrichstraße-Leipzigerstraße zu 
denken sein. Eine zur Zeit thatsächlich ausgeschriebene Konkurrenz j 
(Schinkelpreis) behandelt übrigens ein Hochbahnprojekt Spittelmarkt i 
—Schöneberg, Hallesches Thor—Oranienburger Thor, welches in gerin- ! 
gerem Umfange das gleiche anstreben würde. Dieses angedeutete Retz 
von Kommunikationen würde im Stande sein, die Leichtigkeit des groß- | 
städtischen Verkehrs auf lange Zukunft hinaus sicherzustellen, und na 
mentlich würde eine bedeutend erhöhte Schnelligkeit innerhalb des inneren 
Weichbildes der Stadt garantirt sein; da die gegenwärtige Stadtbahn 
nur nach einer Richtung die Stadt durchschneidet, so wird sie sehr bald 
nicht mehr denjenigen Anforderungen genügen, welche die stets wachsende 
Bewegung der Weltstadt sicher an die Verkehrsverhältnisse und an diese 
Bahnlinie stellen wird. 
Die Geleise der Dampf- resp. elektrischen Hochbahn liegen entweder 
auf einer einzigen Säulenreihe oder sind von einer Doppelreihe von 
Säulen unterstützt. Eine einzige Säulenreihe wendet man an, wenn die 
Bahn nahe der Häuserreihe führen soll. In diesem Falle hält man den 
Fahrdamm für das rollende Gefährt frei, und setzt die Säulen etwa da, 
wo heute unsere Straßenlaternen stehen. Zwei konsolenartig rechts und 
links der Säulen vorspringende Träger sind zur Auflagerung der Schienen 
bestimmt. 
Die Gefährlichkeit der Fahrt auf solchem Unterbau ist in keiner 
Weise größer als diejenige über jede Brücke, dagegen muß zugegeben 
werden, daß für die an der Strecke Wohnenden manche Unannehmlichkeit 
mit der Anlage solcher Bahnen verbunden sein müßte. Wenn das ein 
säulige System wenig stabil erscheinen möchte, so trifft dies thatsächlich 
nicht zu, denn die über die Säulen rollende Last vertheilt sich gleich 
mäßig zu beiden Seiten und die Seitenschwankungen sind daher nur 
durchaus unbedeutender Natur. In schmalen Straßen rücken die beiden 
Geleise (auf jeder Seite derselben eines gedacht) naturgemäß nahe zu 
sammen, ebenso in ganz breiten Straßen, wo man sie auf die Mitte des 
Fahrdammes verweist. In solchem Falle liegt es dann auch nahe, beide 
Geleise mit einander zu verbinden, so daß in der Mitte des Fahrdammes 
sich zwei nebeneinander liegende Säulenreihen bilden, zwischen denen der 
Wagenverkehr sich bewegt. Die Fahrgeschwindigkeit der Hochbahn ent- ■ 
spricht dabei derjenigen der schnellsten Personenzüge. 
Greifen also die Pferdebahnlinien, in dem Innern der Stadt selbst 
durch schnellfahrende Omnibusse ersetzt, weiter als dies jetzt der Fall ist, 
radial von der Peripheriebahn hinaus in die Vororte Berlins, und fahren 
die Dampfeisenbahnzüge, welche die Vorstädte mit der Stadt, die Bahn- 
Hof-Marschall ernannt, behielt aber die Garten-Intendantur, ihm folgte 
im ersteren Posten ein geborner Mecklenburger, Lieutenant von Malt- j 
zahn. 
*) Erfolgte aber erst ein Jahr später. 
Höfe unter sich, und die entgegengesetzten Punkte der Peripherie durch 
, Transversalbahnen verbinden, nicht in langen Zügen alle Stunden, sondern 
in kleinen Zügen (Maschinen mit zwei Wagen) alle zehn Minuten, wird 
| endlich ein Nachtdienst eingerichtet, welcher höchstens 2 bis 3 Stunden 
gegen Morgen unterbrochen ist, so wird dem gesteigerten Verlehrsbedürfniß 
gewiß entsprochen werden, und eine schnellere Bebauung, sowie behag 
licheres Wohnen in entfernter liegenden Stadttheilen und Vorstädten 
möglich sein. (E. Senca in der Breslauer Zeitung Nr. 99.) 
Hraf Woktke in seinem Arbeitszimmer. (Hierzu die Illustration 
Seite 292.) Wir treten in den Prachtbau des großen Generalstabs am 
Königsplatze zu Berlin. Nicht durchs Mittelportal die marmorne Frei 
treppe empor, nicht den offiziellen Weg wollen wir gehen, sondern den 
schlichten häuslichen. Durch das Thor des linken Seitenflügels an der 
Moltkestraße, welcher auf die Häuserreihe der Alsenstraße blickt, kommen 
wir über den Hof und steigen durch ein kleines thurmartiges Treppen 
haus zum ersten Stock. 
Durch Entreeräume erreichen wir den Speisesaal, der nur mittelgroß 
ist. Alles ist vornehm, geschmackvoll, aber ohne jegliche Ueberladung. An 
diesen Saal stößt ein vierfenstriges Eckgemach — das Musikzimmer. Von 
hier aus treten wir in das Arbeitszimmer des einsamen Mannes, des 
großen Schweigers. 
Es liegt in der Mittelfront des Gebäudes, ein mchrfenstriges saal 
artiges Gemach. Vor dem mittelsten Fenster steht des Feldmarschalls 
Schreibtisch; einfach doch überaus imposant zugleich ist Saal wie Einrich 
tung. Seine Wände haben eine sammtbraune stumpfe Farbe, von Gold 
fäden quadratirt durchzogen, und sind durch einen gemalten Freskenfries 
gekrönt, der sich an den drei fensterlosen Seiten herumzieht. Ein Herold 
an dem rechten letzten Fenster beginnt den stolzen Zug, ein Herold an 
dem linken ersten Fenster schließt ihn. Beide tragen die preußischen und 
deutschen Adler auf den Wappenröcken. Auf dem Kamin, der sich in einer 
Ecke des Saales befindet, steht die Bronzebüste des Kaisers. 
Am Arbeitstisch lehnt der Bewohner dieser Räume, einer der großen 
Männer, welche das neue Deutsch.and aufgerichtet haben, in dessen Hän 
den das Schicksal der Völker, Deutschlands Wohl und Wehe und die Zu 
kunft der europäischen Weltordnung gelegen hat, — der Schlachtenlenker 
Felvmarschall Gras Moltke, heute ein dreiundachtzigjähriger Mann. 
Eine wohlthuende Ruhe lagert über seiner ganzen Persönlichkeit, noch 
Niemand hat ihn je heftig oder nur auffahrend gesehen. „Candide et 
caute“ so lautet der alte Wahlspruch der Moltke's von der dänischen Insel 
Moen, ..aufrichtig und vorsichtig!" so spricht dieses redenste aller 
Wappenzeichen, denn in ihm liegt Inhalt und Wesen des großen Feld 
herrn, dessen Lebensgang wir heute nicht schildern, in deffen Arbeitszimmer 
wir nur unsere Leser einführen wollten. — 
Bunt projektirten Lüdtvcltkaiiak von Berlin. Auch der Ber 
liner Architektenverein wird in nähere Berathung des vom Major 
a. D. R. Wagner herrührenden Projekts eintreten. 
Der Verein beschloß die Einsetzung einer Kommission, welche aus den 
Herren Dietrich, Gebauer, Havestadt, Höhmann, Keller I., 
von Lancizolle und A. Wiebe besteht. Letzterer übernimmt es, die 
Kommission demnächst znsammenzuberufen. 
5>ie Königliche Thiergartenverwaltung will mit Anfang des 
Frühjahrs an mehreren Stellen des Thiergartens in der Nähe der Haupt- 
spielplätze der Kinder hallenartige Baulichkeiten, ähnlich wie der beim 
Luisendenkmal errichtete Pavillon, aufführen lassen, um der Kinderwelt 
und deren Begleitern ein Unterkommen bei plötzsich eintretendem Regen 
zu bieten. Weiter sollen die Hallen einen verschließbaren Raum enthalten, 
in dem größere Spielsachen der Kinder, Wagen, Pferde, Schauseln re. 
aufbewahrt werden können. Den Schlüssel zu diesem Raume hat ein da 
zu angestellter Gartenwächter. Der Impuls zu diesen Anordnungen ist, 
wie die B. B. Z. hört, von der Frau Kronprinzessin selber gegeben. 
Das Kauf- und Wohnhaus des Reichsrathes Arhrn. v. Kaöer. 
In der Berliner Privatarchitektur bürgert sich die deutsche Renaissance 
mehr und mehr ein. Sie ist ganz dazu angethan, den Charakter der 
Berliner Straßen, die sich übrigens immer mehr Herausmustern, so daß 
man bald nicht mehr von dem „Kasernenstil" wird reden dürfen, ein 
malerisches Gepräge zu verleihen. In der Friedrichstraße an der Ecke 
der Französischen Straße wird gegemvärtig mit dem Bau eines Kauf 
und Wohnhauses begonnen, welches Freiherr Lothar v. Faber, der In 
haber der berühmten Bleistiftfabrik, für seine Geschästszwecke errichten 
läßt. Der Entwurf ist das Ergebniß einer Konkurrenz, zu welcher 49 Pro 
jekte eingereicht worden waren. Aus ihnen kamen neun zur engeren 
Wahl, nämlich die von H. Griesebach, Kayser und v. Großheim, H. Seeling, 
C. Doflein, P. Liffel, R. Wolffenstein, Zekeli und Alb. Müller, C. Zaar 
und einem Ungenannten. Dieselben sind kürzlich von Ernst Wasmuth in 
Berlin im fünften Hefte der „Sammelmappe hervorragender Konkurrenz- 
entwürfe" publizirt worden. Die ausgesetzten Preise im Gesammtbetrage 
von 3000 Mark wurden an die drei in obiger Reihe zuerst genannten 
Architekten gleichmäßig vertheilt und die Ausführung des Baues durch 
Freiherrn v. Faber an Herrn Griesebach übertragen, der die schwere Aus 
gabe, zu dem gegenüberliegenden, in der höchsten Pracht deutscher Renaissance 
ornamentik ausgeführten Geschäftshause der „Germania" von Kayser und 
v. Großheim ein wirksames Gegenstück zu schaffen, durch die malerische 
Gruppirung zweier Giebel und eines hohen, spitz zulaufenden Daches um 
einen an der abgeschrägten Ecke emporsteigenden Thurm glücklich gelöst hat. 
(Kunstchronik.) 
Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Emil Dominik in Berlin W. — Verlag von Gebrüder Paetel in Berlin W. — 
Druck: W. Moeser Hofbuchdruckerei in Berlin 8. — Nachdruck ohne eingeholte Erlaubniß ist untersagt.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.