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Periodical volume 10. März 1883, Nr. 24

Full text: Der Bär Issue 9.1883

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kommt bis an unseres Landes Grenzen, kommt nach Rom, das 
er zum Scheiterhaufen macht, besetzt Italien und Frankreich!" — 
„Der Oesterreicher wird ganz verderben," das steht mit den vorigen 
Andeutungen in Verbindung, — als ob Oestreichs Verderben 
durch die Türken geschehe. — 
Nach der Erniedrigung des Preußischen Staats durch Napoleon 
und deren traurigen Folgen, wurde unser Prophet im Jahre 1808 
befragt, was er für die Zukunft voraussehe; darauf erwiderte er: 
„Unser König solle sich nur ruhig passiv verhalten, sich nur mit 
den sieben evangelischen Fürsten und nicht mit Napoleon verbinden, 
was nicht zu vermeiden sei, ruhig dulden und ertragen; denn es 
komme die Zeit, daß Preußen größer werde, als es je bisher ge 
wesen." — Vergl. Offenb. Joh. 14 V. 9, 10. 
Auf die Frage: wann diese Zeit eintreten werde, meinte er: 
„Wenn jeder Mann das Mahlzeichen an der Stirn, und das 
Schwert an der Seite tragen werde, wird die Zeit kommen." 
Von diesen wenigen aufgezeichnet gewesenen Vorhersagungen 
bin ich Ohrenzeuge gewesen, und Rhode hat noch Manches aus 
geschehene Fragen mitgetheilt, was aber nicht aufgezeichnet worden 
ist. Indeß ist jener letzte Satz meinem Gedächtniß treu geblieben, 
und als 1813 jeder Mann (Preuße) an der Kopfbedeckung die 
Kokarde — das Feldzeichen — tragen mußte und dann sich mit 
dem Schwert umgürtete da gedachte ich des alten Rhode 
Vorhersagung. Derselbe Gedanke durchdrang mich, als 
ich jetzt (im Jahre 1876) in der Abhandlung von Dr. P. Besse: 
„Die Königin Louise von Preußen und ihre welthisto 
rische Bedeutung, Köln 1870." S. 36 las: „Am meisten 
lastete die Wucht des französischen Uebermuthes auf Preußen, 
weil Friedrich Wilhelm auf inständiges Dringen Louisens dem 
Rheinbünde nicht beitreten, und so den Weg „der Ehre" nicht 
verlassen wollte. Nach der Schlacht bei Eylau hätte er einen 
Vortheilhaften Frieden machen können, aber da hätte er freiwillig mit 
dem bösen Princip unterhandeln, sich mit ihm verbinden müssen 
— jetzt hat er unterhandelt, gezwungen durch die Noth, und wird 
sich nicht mit ihm verbinden. Das wird Preußen einst Segen 
bringen." — 
Bekannt ist, daß der König den Freiherrn von Stein ent 
lassen hatte. Die deutsche Frau, die Königin Louise aber hatte den 
Mann von Stein erkannt. — Sie rief ihn 1807/8 nach Königs 
berg, er verließ das Krankenbett und eilte zu ihr. Was Stein 
und Scharnhorst schafften, schaffen wollten — ihre Entwürfe 
unterbreitete sie dem Könige und ihren Bitten gelang es, Fried 
rich Wilhelm Hl. endlich zum Nachgeben zu bewegen und wieder 
auf Stein zu hören, wobei man sich erinnern muß, daß die 
Königin Rhode's Prophezeihungen durch die Mittheilungen des 
Grafen Moritz von Brühl genau kannte. 
Lorresponden; des Grafen Drühk mit dem Königlichen Garten- 
direktor Schulze und besten Ehefrau, die Wstode'fchen H?ropstezcihunger» 
betreffend. 
1. Graf Brühl an Schulze. 
Seifersdorf, den 25. Dezember 1805. 
Lachen Sie, wenn Sie wollen, ich muß es mir gefallen 
lassen, sicher werden Sie lachen, wenn Ihnen aus dem Con- 
text meines Brieses bekannt wird, daß ich, nach denen außeror 
dentlichen dummen und unerwarteten Begebenheiten, zu dem 
Drehfuß des Meister Rhode schreite, als wenn es der eines Orakels 
wäre. Schmiedet der Mann noch daffelbe prophetische Eisen, oder 
hat er einen neuen Schlüssel zu seinem Gedächtniß gefeilt? Ich 
darf Sie wohl inständig bitten, mir sobald als möglich wisien zu 
lasien, was er jetzt sagt. Ich weiß weiter nichts zu sagen, als 
daß die Oestreicher nichts taugen, und ihr Kaiser ein altes Weib ist. 
Der Frau Bauräthin empfehle ich mich bestens, sagen Sie, 
wir beide wären doch treue und standhafte Anhänger des Propheten 
Rhode und das macht uns Ehre. 
Ich verbleibe mit der vollkommensten Hochachtung 
Ew. Wohlgeboren 
ergebenster Diener 
Brühl. 
2. Schulze an Graf Brühl. 
Hochgeborener, Hochverehrtester Herr Graf. 
Ihren ersten lieben Brief habe ich richtig erhalten, und da 
er mir unaussprechlich viel Vergnügen machte, gerade zu einer 
Zeit, wo solche Empfindungen nicht eben selten, sondern völlig 
verbannt waren; so hätte ich ihn gem beantwortet und mich 
höflichst dafür bedankt, wenn ich Ihren eigentlichen Aufenthaltsort 
hätte sicher treffen können, und der Postenlauf so sicher gewesen 
wäre, wie jetzt. Um so größer war nun wieder die Freude, als 
ich Ihren zweiten Brief durch Herrn Jericho erhielt, indem ich von der 
mir zwar schon hinlänglich bekannten und unumstößlich festen Güte 
und so hochgeachtete landsmannschaftliche Freundschaft doch erneuert 
überzeugt wurde. Zuvörderst versichere ich Ihnen meine herzliche 
Freude über Ihr fortdauerndes Wohlbefinden bei ihren zahlreichen 
Jahren, sodann muß ich Ihnen etwas weniges erzählen, wie es 
uns hier ergangen ist. Als am 24. 8.br. 1806 der Einmarsch 
über die Langebrücke der Franzosen statt hatte, so herrschte an 
allen Orten und Enden der Stadt eine stille Niedergeschlagenheit 
und bange Erwartung, die aber bei weitem das nicht in sich be 
griff, was wir nun 1'/- Jahr erduldet haben. 
Die französischen Truppen schienen überall so bekannt und 
vom locale so unterrichtet zu sein, als unsere eigene Garnison. 
Ohne irgend Jemand zu ftagen, ritt eine unabsehliche Menge 
zu allen Thoren hinaus, und nahmen die ihnen bestimmten Punkte 
in der Nähe und Ferne ein. 
Am anderen Tage Vormittages ritt der Kaiser mit seiner 
Suite und Bedeckung nach dem Neuen Palais, besähe dasselbe 
innen. Hierauf ging es in einem kurzen Galopp den Hauptgang 
entlang, hinaus nach Sanssouci, gleich wie bei einer ftiedlichen 
Revue oder Manöver, und so, wie gesagt, als wenn sie den Weg 
die Rampe hinauf schon 10 Mal gemacht hätten. Der Kaiser 
stieg ab, besah Sanssouci innerhalb, ging von da . hinab nach 
den Neuen Kammern, wieder zurück, stieg vor der Kolonnade wieder 
zu Pferde, und nachdem er den Aufenthaltsort Friedrichs II. und 
die schönen Environs besehen, auch den Raub von Gemälden an 
geordnet hatte, ging es in raschem Galopp nach dem Neuen 
Garten, wohin ich aber der Schnelligkeit wegen, nicht weiter folgen 
konnte. Sanssouci war dem Kaiser so merkwürdig und hatte 
ihm so Wohlgefallen, daß ihm durch den Oberhofbaurath Richter 
und Bauasseffor Schadow eine Zeichnung, die Alles darstellte, ge 
macht werden mußte. Er versprach und befahl alle mögliche 
Schonung, diesem gemäß hat es seine integrite erhalten, und ist 
von keinem ftanzösischen General bewohnt worden. Dagegen 
wurden die Kaiserlichen Mameluken und Garde cbasseur*) zu 
16—18 Mann in jede Dienstwohnung des Gartenpersonals einge 
legt; Wer keinen Wein hatte, mußte ihn anschaffen; und wer keinen 
zu trinken gewohnt war, mußte wenigstens sehen, wie man ihn 
in reichlichem Maße trank; wie V< Psd. Zucker in eine einzige 
Tasse Kaffe fließend und mittelst Arrak zu einem Gloria-Trank 
*) Der Oberst der Mameluken, ein Arzt und chasseurs waren bei 
Schulze einquartiert. Dem ersteren zeigte Schulze eine Flöte, die Frie 
drich II. wahrscheinlich im 7 jährige» Kriege mit sich geführt hat, und die 
er nach des Königs Tode von dessen ersten Kommerhusaren Neumann, 
seinem Schwager, geschenkt erhalten hatte. Der Oberst bot sofort dem 
Schulze 100 Ducaten für Abtretung dieser Flöte, aus Pietät aber lehnte 
Schulze dies Gesuch ab, und der edle Feind, der sie ja nehmen konnte, 
ließ sie ihm. Dieselbe ist später durch Kauf in den Besitz des Geh. 
Kommerzienraths vonBleichröder übergegangen.
        
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