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Volume 10. März 1883, Nr. 24

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue9.1883 (Public Domain)

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lich frei und seine Erscheinung erregte überall, wo er hinkam, un 
gewöhnliches Aufsehen. Man bewunderte den Märtyrer des Hasses 
Friedrichs wegen seiner außerordentlichen Geistesstärke und der her 
kulischen Zähigkeit seines ungebrochenen Gemüthes. 
Der Tourist vuisn», der ihn in dem glänzenden, von Frem 
den wimmelnden Badeorte Aachen sah und sich zu ihm hinge 
zogen fand, meint aber doch in seinen Memoiren, daß das Gleich 
gewicht seiner Bernunft durch die Einkerkerung ein wenig gestört 
worden sei. 
Ueber zwanzig Jahre, bis zum Tode seines großen Wider 
sachers, mußte Trenck noch warten, bis er durch Publikation 
seines Lebens sich Luft machen konnte. In seinen sünfbändigen 
Memoiren ließ er mit fieberhaft erregter Leidenschaft alle Schleusen 
des Zornes offen, daß man ihm, dem von Lebenslust Strotzenden, 
das Leben so verkümmert habe. 
Trenck, verheirathet mit einer Klademoiselle de Brol in 
Aachen, lebte unter wechselvollen Schicksalen noch bis 1794, stürzte 
sich alsdann in die Fährnisse der Pariser Revolution und tvurde 
zwei Tage nach dem Tode Robespierre's „als vermeintlicher 
Agent fremder Mächte" guillotinirt. 
Vier Jahre darauf, bei der Huldigung Friedrich Wilhelms Hl., 
wurde die Familie Trenck gegrast, angeblich, um ihr eine Genug 
thuung wegen des erlittenen Kummers zu geben. — 
Prinzessin Amalie blieb unvermählt. Weil Friedrich sich der 
Verbindung Trencks mit seiner Schwester widersetzt hatte, suchte er sie 
durch die liebevollste Zärtlichkeit dafür zu entschädigen. Sie glänzte 
in den Hoffesten. Unter anderen theilte sie bei dem großen präch 
tigen Rachtkaroussel im Lustgarten zu Berlin im Jahre 1750, 
welches bei 30,000 Lampen Erleuchtung stattfand, die Preise aus. 
„An diesem Tage soll sie —" schreibt Bielefeld — „blendend schön 
gewesen sein. Ihr Kleid von Silberstoff erhöhte ihre Reize so, 
daß man in Versuchung kam, sie für ein überirdisch Wesen zu 
halten. Acht in Silbermoor gekleidete Hofdamen standen ihr zur 
Seite. 
Im Jahre 1751 wurde Amalie, achtundzwanzig Jahre alt, 
A ebtissin von Quedlinburg, wovon sie eine ansehnliche Pfründe 
genoß. „Alle Welt" — sagt Thiebault in seinen Souvenirs 
de Berlin, „hielt sie für den Hauptspion ihres Bruders und 
hegte eine merkwürdige Scheu vor ihr. Man sagte ihr nach, daß 
sie mit einer gewissen Lust am Unheilstiften ganz unschuldige Aeu 
ßerungen verdrehe, um den König gegen seine Brüder aufzu 
hetzen." 
Während des 7 jährigen Krieges und überhaupt in allen kri 
tischen Momenten ließ sie die Wahrsager und Kartenschlägerinnen 
Berlins zu sich kommen. Tage lang für ihren Bruder die Karte 
schlagen und sandte dann die erhaltene Kunde dem Bruder zu. 
Ihre Vertraute war Fräulein von Herlefeld, über deren Ver 
lust 1770 Friedrich sie durch eine poetische Epistel zu trösten suchte. 
Nach dem Frieden pflegte sie, wenn der König Fremde in 
Potsdam bei sich hatte, die Ceremonienmeisterin zu machen. 
Berühmt geworden sind die kleinen Gesellschaften, welche 
Friedrich mit der Schwester und vier anderen, geistreichen Damen 
gewöhnlich am Sylvesterabend hielt, die sogenannten Konfidenz- 
taseln. Der König speiste mit den Damen im königlichen Schloß 
zu Potsdam an der berühmten Maschinentafel, zu der die Speisen 
mittelst eines Triebwerkes heraufgewunden werden konnten, so daß 
es nicht nöthig war, Lakaien im Zimmer zur Bedienung zu haben. 
Im späteren Alter war die Prinzeß ungemein schwach und 
kränklich. Nach Wraxall hatte sie schon 1771 ein Auge gänzlich 
und den Gebrauch eines Armes verloren. Ihr Kopf zitterte, die 
Füße konnten nur mit Mühe den abgemagerten Körper noch tra 
gen, Arme und Hände waren skelettartig. 
Sie führte in ihrem neuerbauten Palais in Berlin, Unter den 
Linden Nr. 7 — das jetzt der Russischen Botschaft gehört — und 
das seit 1766 statt des Schloffes von ihr bewohnt wurde, ein 
ganz eingezogenes Leben und verlosch bald nach ihrem großen 
Bruder, im Jahre 1787, vierundsechszig Jahre alt. — 
Die Prophezeiungen des Schlssscrmeistcrs Rhode in 
Potsdam. 
Nach den eigenhändigen Aufzeichnungen des am 3. November 1881 zu 
Potsdam im 87. Lebensjahre verstorbenen Fräuleins Caroline Schulze 
bearbeitet und herausgegeben 
von 
Max non ÄrsffM. 
Einkeilung. 
Um die höchst interessanten Prophczeihungen des Schlosser- 
meisters Rhode in Potsdam, welche zum Theil sich bereits er 
füllt haben, zum Theil aber noch der Erfüllung harren, wahrhaft 
würdigen zu können, bedarf es vorweg einer Charakteristik der 
jenigen Persönlichkeiten, welchen allein dieselben bekannt geworden 
sind, sowie einer Darlegung der Verhältnisse, unter denen sie 
entstanden; sind beide doch mit einander innig verknüpft. 
Zunächst und vor Allem war es die Königin Louise von 
Preußen, welche an den Rhode'schen Mittheilungen den leb 
haftesten Antheil nahm; dann aber Graf Hans Moritz v. Brühl, 
ein treuer Freund der Königin wie der ganzen Königlichen Familie, 
welche er auch nach der Schlacht von Jena nach Königsberg be 
gleitete. Geboren am 26. Juli 1746 zu Dresden als Sohn des 
berühmten Kurfürstlich Sächsischen und Königlich Polnischen 
Ministers Grafen von Brühl, war er zu jener Zeit Preußischer 
General-Chauffeebau-Jntendant und stand mit der Faniilie des 
Oberhofbauraths und Königlichen Gartendirektors Johann Gott 
lob Schulze zu Potsdam im vertrauten Briefwechsel, dessen 
Gegenstand großentheils jene Vorhersagungen ausmachten. Letzterer 
am 11. April 1755 zu Waldstaedt bei Weimar geboren, hatte in 
Leipzig die Bauwissenschaften sowie die Rechte studirt und erhielt 
1777 nach Potsdam den Ruf als Baukondukteur. Ein gesinnungs 
tüchtiger , rechtschaffener und gewissenhafter Landsmann des 
Grafen wurde er in Uebereinstimmung gegenseitiger Ansichten mit 
Brühl innig befreundet. Weit mehr aber stand mit demselben in 
regstem Verkehr seine Gattin Hedwig Charlotte, geb. Manger, 
geboren am 26. Januar 1767, die zweite Tochter des bekannten 
Pomologen, Oberhofbauraths und Königlichen Garteninspektors 
Heinrich Ludwig Manger und der Anna Katharine Plümicke, 
geboren auf der Nedlitzfähre am 1. Januar 1736; Frau Schulze 
war eine so tüchtige Landwirthin, daß sie von der ökonomischen 
Gesellschaft zu Potsdam zum Ehrenmitglieds ernannt wurde, 
übrigens von durchaus wissenschaftlicher Bildung, pietätvoller 
Gemüthlichkeit und großer Menschenfreundlichkeit, sowie begabt 
mit allen weiblichen Tugenden, überdies eine Pflegerin der 
Kranken und Bedürftigen und Trösterin der Bekümmerten. Als 
geringes Zeichen der Anerkennung solcher edlen Eigenschaften er 
hielt sie im Jahre 1815 den Louisen-Orden, nachdem sie sich der 
in den Freiheitskriegen schwer Verwundeten durch die aufopferndste 
Pflege angenommen hatte. 
Der Schlossermeister, Rhode selbst in Potsdam, von welchem 
jene Prophezeihungen in den Jahren 1808 und 1809 ausgingen, 
war ein frommer, demüthiger und bibelfester Mann, welcher sein 
Gewerbe zur Kunst erhoben hatte. 
Als nun die Königin Louise, damals noch Kronprinzessin, 
im Soinmer 1794 in Sanssouci in den sogenannten Neuen 
Kammern mit ihrer Schwester Friederike, Prinzessin Ludwig von 
Preußen, während der Abwesenheit ihres Gemahls residirte, 
spazierte sie öfters allein ohne Gefolge in dem Parke und besuchte 
zuweilen auch die Treibereien in Sanssouci; sie trat dann auch
	        
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