Path:
Volume 3. März 1883, Nr. 23

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue9.1883 (Public Domain)

285 
■ 
w - 
im Lager der Engländer entstanden, diese gegen die Schotten 
stritten und in dem förmlichen Gefecht 27 Mann auf der Stelle 
blieben, die Ruhe nur durch tapferes Einreiten der Brandenburger 
wieder hergestellt werden konnte. 
Wir sehen, daß die Marken eine ganz umfangreiche Kriegs 
rüstung entwickelten: Landsturm, geworbene Truppen und Aufgebot 
waren im Jahre 1620 auf den Beinen, immerhin ein Zeichen krie 
gerischen Sinnes, der unter festerer Leitung und bei besserem 
Willen das unendliche Uebel der Zukunft gewiß hätte mäßigen 
können. Auch haben wir die Leistungen nicht erschöpft, denn 
nebenbei bestanden noch immer in den Festungen die freilich wenig 
zahlreichen Garden und endlich müssen wir der kurfürstlichen Haus 
truppen gedenken. 
Die Festungsgarden versahen nur den nothwendigsten 
Wachtdienst zur Sicherung der Wälle. Für Spandow, Driesen 
schon die Zahl 1544 ebenso gerechtfertigt wäre, denn aus dieser 
Zeit haben wir die ersten Nachrichten von der Küstriner Festungs 
garde. 
Die Haustruppen finden wir während der Aufgebote und 
Werbungen 1620 ruhig in der Festung Peitz stationirt. Sie 
nehmen durchaus nicht Theil daran, den bedrohlichen Durchzügen 
zu begegnen und kennzeichnen damit ihre Stellung zum kurfürst 
lichen Hofstaate. Gleich zu Anfang seiner Regierung scheint der 
Kurfürst die adlige reisige Leibgarde mit den Einspännigen ver 
schmolzen zu haben, denn fortan erfahren wir nur von einer rei 
sigen Trabantenleibgarde, während die alten Trabanten zu Fuß 
zum letzten Male 1604 erwähnt werden, dann aber ganz ver 
schwinden. Statt derselben wird uns eine kurfürstliche Leibgarden 
kompagnie genannt, die schon unter Johann Sigismund 1615 durch 
den Kapitain Kalchum von Lohhausen etwa 50 bis 70 Mann 
Der rothe Platz (LräsnasL xlöstsebaä). 
Jllustrationsprobe aus dem Prachtwerk: Rußland, Land und Leute, Verlag von Greßner und Schramm in Leipzig. 
und Peitz waren sic höchstens 10 bis 20 Mann stark, anders stand 
es um Küstrin, der Hauptlandesfestung. Hier hatte der Oberst 
von Kracht 1619 die Festungsgarde zu einer Kompagnie von 100 
Mann verstärkt, wobei ihm die Versicherung gegeben wurde, daß 
die Truppe, solange der Kurfürst überhaupt stehende Söldner halten 
würde, nicht aufgelöst werden sollte. Das Versprechen wurde denn 
auch gehalten. Die alten Stammlisten geben den 1806 bestehenden 
Jnfanterieregimentern v. Kuhnheim Nr. 1 und v. Nüchel Nr. 2 
den gleichen Ursprung und bezeichnen sie als 1619 errichtet. Fast 
zwei Jahrhunderte hindurch führten die Offiziere der beiden Re 
gimenter die gleiche eigenthümliche Stickerei, das erste in Silber, 
das zweite in Gold und die Leute die großen die ganze Tasche 
bedeckenden Bleche. Daß vom Regiment Rüche! unser heutiges 
1. Infanterieregiment seinen Ursprung herleitet, ist bekannt. Zur 
Erinnerung führt es die Jahreszahl 1619 auf den Helmen, wenn 
stark, wie es scheint im Herzogthum Jülich errichtet wurde. Im 
Sommer trat Kalchum in die Dienste des Markgrafen Johann 
George und an seiner Stelle wurde durch kurfürstliches Reskript 
vom 10. September 1620 der damals fünfundzwanzigjährige 
Kammerjunker Conrad von Burgsdorf zum Kommandeur der 
Leibgarde zu Fuß ernannt. Während der Zwischenzeit hatte sie 
der Lieutenant Andreas am andern Ende von Runkel geführt. 
Wir erwähnten, daß George Wilhelm nach Preußen gegangen 
war, um dort die Belehnung zu betreiben. Auffallend erscheint es, 
doch verbürgt, daß er bei den unruhigen Zeiten ohne seine Haus 
truppen die weite Reise unternahm; sicher ist es, daß dieselben erst 
im Herbst 1620 aus Peitz her nach Preußen beschieden wurden, 
als der Kurfürst sich zum Besuch des Reichstages in Warschau an 
schickte. Zu seiner Begleitung befahl er außerdem noch die schleu- 
i nige Formation einer zweiten Leibkompagnie von 230 Mann zu
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.