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Periodical volume 24. Februar 1883, Nr. 22

Full text: Der Bär Issue 9.1883

Line Lhronik für's Haus 
Erscheint wöchentlich am Sonnabend und ist durch alle Luchhandlungen, Zeitungsspeditionen und Postanstalten für 2 Mark 
IX. Jahrgang. vierteljährlich zu beziehen. - Im Postzeitungs-Latalog eingetragen unter Nr. 2278. den 24. Sebruar 
Nr. 22. Herausgegeben von Emil Dominik. Verlag von Gebrüder Paetel in Berlin W. 1883. 
Was wird sie thun? 
Novelle von K. ctinsiorf. (Fortsetzung.) 
Nachdruck verboten. 
Gese, v. n. vi. 70. 
Sie scheinen Ihrem früher so intimen Freunde nicht ge 
rade wohlzuwollen, bemerkte die Majorin von Krause, eine 
muntere, korpulente Dame in den Dreißigen, in deren Hause 
Hellmuth ziemlich viel verkehrt hatte und die beim Kaffee j 
Dora gegenüber gesessen hatte. 
So wandelbar sind die Männer 
herzen! 
Die Aeußerung war nur für 
meine Frau bestinnnt. Gnädigste, 
entgegnete Hellmuth wider Willen 
lächelnd. Nun Sie dieselbe ge 
hört haben, will ich nicht leug 
nen, daß meine Gefühle für 
Loßberg sich geändert haben. 
Man ändert sich in vielen Dingen, 
wenn man verhcirathet ist. 
Die Majorin sah ihn ver 
wundert an; dann sagte sie 
ernst und offenbar einem plötz 
lichen Impulse folgend: Wer 
eine so liebe kleine Frau hat, 
wie Sie, Herr Baron, der hat 
auch wahrlich allen Grund dazu! 
Dora verstand die Bedeu 
tung der Worte nicht, doch als 
sie der Frau von Krause in das 
ehrliche, offene Gesicht sah, fühlte 
sie, daß dieselben gut gemeint 
gelvcsen. 
Wiffen Sie übrigens, sprach 
die Majorin weiter, da Hellmuth 
schwieg, was man sich über Loß- 
bcrg zuflüstert? Ich kann kaum 
mehr sagen: flüstert, denn die 
Sache ist so ziemlich publik. Doch 
Sie werden es auch gehört haben. 
Ich weiß von nichts.. 
Nun, daß er sich um Sara Löwenberg bemüht hat und 
die Verlobung bereits Thatsache sein soll. 
Dönneritz lachte auf, so höhnisch und häßlich, daß Dora 
erschreckt zu ihm aufsah. 
Danke, ich gratulire! rief er. 
Wer ist die Dame? fragte 
die junge Frau. 
Nun, die Tochter eines 
Banquiers — die Majorin faßte 
dabei an ihren Hals, und ihr 
Gesicht trug einen so vielsagen 
den Ausdruck, daß Dora, ohne 
diese Geste zu verstehen, doch be 
griff, daß es etwas sehr Schlim 
mes sein müsse, was man ihm 
nachsage. Es ist eine Schande, 
fuhr die stolze Dame fort, daß 
man diese Leute in der Gesell 
schaft duldet! Zwar in unsern, 
den Offizierskreiscn, ist man, Gott 
sei Dank, zu exclusiv, allein bei 
allen größeren öffentlichen Festen, 
in der Ressource, aus dem Kasino 
trifft man sie. Und nur, weil 
der Mann einige Hunderttausend 
hat. Man sagt, daß er Loßberg, 
der übrigens ganz ruinirt ist — 
nun, das werden Sie ja am 
besten wiffen —, letzthin ge 
holfen hat, und die Folge da 
von ist seine neueste Liaison. 
Der Mann scheint sich dies 
mal aber gesichert zu haben 
— es sollen ihm schon so 
manche lose Vögel, die er im 
Grnrralsrldniarlchall Edwin von ckNnntcuffcl. 
(Aus „Hohenzollern", Verlag von Bruckmann in München.) S. Seite 268.
        
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