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Periodical volume 17. Februar 1883, Nr. 21

Full text: Der Bär Issue 9.1883

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Dänemark aufbringen. Zwar wurde die letztere 1622 zurückge 
zahlt, der 30jährige Krieg aber stellte alle finanziellen Verhältnisse 
so völlig in Verwirrung, daß der große Kurfürst nur mit einem 
Gewaltakt zu helfen wußte. Er untersagte die Verzinsung aller 
Staatsschulden, indem er den Staatsbankerot erklärte. 
Zur Zeit des Krieges nahm man den augenblicklichen Bedarf 
aus der ncueingeführten Grundsteuer, die sich seit 1620 in eine 
geordnete Kriegskontribution verwandelte. Bei der Einforderung 
ging man mit großer Energie vor; die Exekution erstreckte sich erst 
auf Aushebung der Thüren, dann auf die Beschlagnahme der 
Utensilien und endlich auf persönliche Haft. Sie lastete um so 
drückender aut dem erschöpften Lande, als je länger der Krieg 
wüthete, um so mehr wüste und verlassene Stellen entstanden, ja 
endlich sogar ganze Dorfschasten ihren Untergang fanden. 
Schwarzenbergs Bemühungen um eine Verbesserung des Steuer 
modus scheiterten, erst die bekannte Einführung der Accise unter 
Kurfürst Friedrich Wilhelm setzte der trostlosen gewaltsamen Ein 
treibung ein Ende und trug nicht wenig dazu bei, alle Verhältnisse 
wieder zu konsolidiren. Bemerken wir noch schließlich, daß der 
Staat schon seit den Zeiten des Kurfürsten Johann George 
(ff 1598) die Reichs- und Kreissteuern schuldig geblieben war, eine 
Summe, die sich 1628 auf 600,000 Gulden belief, so glauben wir 
seine trostlose finanzielle Lage genugsam gekennzeichnet zu haben. 
Die nothwendige Betrachtung der inneren Verhältnisse des 
Kurstaates muß unsre Aufmerksamkeit auf noch einen Punkt lenken. 
Das ist die immerhin auffällige Thatsache, daß die Mark damals 
nächst Polen das einzige Land war, das seine Truppen aus sich 
selbst ergänzen konnte, eine Art des Ersatzes, die allen Ländern 
bereits fast seit einem Jahrhundert fremd geworden war. Vermöge 
der steten Bemühungen der Kurfürsten, die alte Wehrverfassung 
aufrecht zu erhalten, mochten sie auch oft von wenig Erfolg be 
gleitet sein, lebte doch im Volke kriegerischer Geist und Thatkraft 
fort. Wenn auch die Mittel zu einer umfaffenden und energischen 
Leitung fehlten, werden wir erkennen, wie das Landvolk sich oft 
auf eigene Hand zu helfen suchte und den kleinen Krieg mit dem 
besten Erfolge gegen die zügellosen feindlichen Schaaren führte, Vor 
gänge, die bekanntlich noch zur Zeit des großen Kurfürsten sich 
wiederholten. Viele Brandenburger fochten auch damals in fremden 
Heeren und gerade der 30 jährige Krieg ist die Zeit, die den Land 
adel in die Armeen brachte. Denn. dieser, seit der Reformation 
und der Aushebung vieler geistlichen Stifter zu größerem Grund 
besitz gelangt, gewann damit die Mittel, bei den unruhigen Zeiten 
zunächst auf eigene Hand zu werben und während dann der Mangel 
an Menschen ihn an der Ausnutzung seiner Güter hinderte, fand 
er wiederum im Kriegsdienste die Möglichkeit, statt drohender Ver 
armung auf dem Lande oft ungemessene Reichthümer zu erwerben. 
In Bezug auf die Brandenburg-Preußischen Verhältnisse 
unterscheiden wir fünf Zeitabschnitte des großen Krieges. 
1. Zuerst tritt uns die Zeit der Neutralität 1619—1630 
entgegen. Wir sehen wiederholt die gesammte Wehrkraft des 
Landes zur Ausrechthaltung der freien Stellung aufbieten, freilich 
Versuche, die sich je länger um so weniger durchführen lassen 
denn schon 
2. der Krieg in Preußen 1626—1629 zeigt die Unhaltbar 
keit der Bemühungen. 
3. Seit dem Erscheinen Gustav Adolfs in Deutschland macht 
sich bis zum Prager Frieden 1630—1635 der schwedische Einfluß 
geltend, nicht allein in der Politik, sondern auch in der Heeres 
verfassung, denn Brandcnburgische Regimenter nach schwedischer 
Art nahmen besonders in den schlesischen Feldzügen nicht unrühm 
lichen Antheil an dem allgemeinen Kriege. 
4. Aber nach dem Prager Frieden findet unter Schwarzenbergs 
Leitung der Kaiserliche Einfluß immer mehr Geltung und in der Zeit 
von 1635—1640 errichten der Kaiser und der Kurfürst gemeinsam , 
Regimenter, bei deren Bildung die Verpflichtung der Stände zur 
Landcsvcrtheidigung nun nicht mehr in Anspruch genommen wird. 
Der Zweck des Bündniffes war die Vertreibung des Landesfeindes, 
der Schweden, der sich aber erst 
5. zur Zeit des Kurfürsten Friedrich Wilhelm 1640—1648 
mit dem so heiß erwünschten Frieden erfüllte. 
(Fortsetzung folgt.) 
Ein Beitrag M Hochmasstrsrage unserer Hcimath: 
Mark Brandenburg, Ältmark und Prignitz. 
Ueberschwemmungs-Chronik des Kirchenbuchs von Seedorf bei Lenzen. 
Nachricht von dem großen Wasser 1761 vom 
26. Februar bis zunr 9. Mart. 
Der 26. Februar war ein Donnerstag. Stieg das Wasser 
in der Elbe ungewöhnlich und sehr schnell. In der Lentzner Zoll- 
Stange, die zur Abmessung des Wassers errichtet ist, ist Num. 24 
sonst das höchste Maaß der Elbe, an diesem Tage stand es schon 
Num. 27 und wuchs täglich bis auf den 12. Mart., da es über 
| 28 stand, und floß es damahls an vielen Orten mit dem Elbdeich 
parallel. Den 27. Febr. war der Wind accurat elend und so heftig, 
als er bey großen Stürmen seyn kann. An dem Tage lidten die 
Seedorfer Achter-Deiche große Noth. Die Wellen schlugen an 
den meisten Orten über denselben hinweg. Die heftige Kälte 
hinderte die Leute wegen vorBuhnen sehr und die Besten Ver- 
buhnungen hielten auch kaum eine Stunde, so waren sie von den 
Wellen schon wieder loß geriffen. Den 28. Februar dauerte 
dieß Elend noch, die Lentzner Zoll Stange mochte Nr. 29 halten! 
Nun ward der Damm von Seedorf nach Eldenburg gantz über 
schwemmt. Den 3. Mart, des Morgens eben um 5 Uhr brach 
die Elbe bei Lentzen durch und der Haupt Strohm vom Durch 
bruch fiehl bei der Lentzner Ziegel Scheunen in unseren See. 
Um 8 Uhr Nachmittag floß es über unsern Achter Deich weg. 
An eben diesem Tage brach auch der sogenannte Typsen-Deich 
bey Lentzen-Wirche durch. Deffen Waffer bekamen wir alles aber 
erstlich den 4. Mart, an einem Bußtag Abends um 5 Uhr. 
Nun ward alles überschwemmt. Das Wasser ging über die Brücke 
hinweg und drang in die meisten Häuser. Die Ställe der Pfarre 
waren alle voll Wasser. Da die Brücken, welche auf dem Damm 
nach Eldenburg sind, sämmtlich weggetrieben waren, so konnte sich 
keiner auch zu Wagen mehr retten, es floß aber auch das Wasser 
über unsern Damm an einigen Orten wohl 2 Fuß hoch. Meine 
Kühe mußte ich gegen Abend in die Stube und die Schafe auf 
den Boden bringen. Wir hatten unsern Gottesdienst. Ich predigte 
Jehrem. 3, 37—42. Den 5. und 6. Mort, war der Sturm am 
Heftigsten und die Gefahr am Größten, da die Fundamente der 
Häuser unterspült wurden. Das gesammte Gartcn-Gehäge wurde 
weggetrieben. Den 8. Mart, war gantz stilles Wetter, das Waffer 
fing 3 Zoll an zu fallen. Es war während der Fluth 8 Fuß 
Rheinländisch höher denn gewöhnlich (im Frühjahr) gewesen. 
Zwischen Magdeburg und Hamburg hatte die Elbe 30 Durchbrüche. 
Brcez liegt höher, da war nur der Krug voll Wasser. Fast unsere 
ganze Wintersaat versoff und was wir noch behielten, war doch 
nur schlecht in Aehren und Stroh. Ende des Jahres bekamen 
die Menschen einen starken Ausschlag, der eine Aehnlichkeit mit 
der Krätze hatte. Die gantze Gegend von Cumlosen bis Dolmitz 
war überschwemmt, doch versoff nur in Moedlich ein Knecht. 
Anno 1770 und 1771. 
Anno 1769 wenig Tage vor Weynachten stieg das Waffer 
in der Elbe ungewöhnlich, so daß wir bis nach Ostern 1770 be 
ständig am Lentzener Wasser Maaß Nr. 28 hatte», und ohngeachtct 
kein Durchbruch erfolgte, so hatten wir doch fast beständig so 
hohes Wasser als beym Durchbruch 1761 und zwar wegen der
        
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