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Volume 10. Februar 1883, Nr. 20

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue9.1883 (Public Domain)

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Chinesische von Heinitscheck in Gold erhaben gestickte Zierrathen, 
mit natürlich gearbeiteten Blumen durchflochten, schmückten die 
perlsarbne Atlastapcte, reich vergoldete Stückarbeit von Sartori 
die Decke; der Kamin wie die große Tischplatte waren aus einem 
Stück von Rosso Corallino. 
Ein dreifenstriges Cabinet bildete die Nordwest-Ecke dieses 
Schloßflügels. Pilaster von Cedernholz, mit Spiegeln ausgelegt 
und mit vergoldeten Kragsteinen verziert, woraus Vasen von Ber 
liner Porzellan standen. Die Füllungen waren mit weißem Tastet 
tapezirt, worauf Heinitscheck bunte Chinesische Figuren und 
Lusthäuser erhaben gestickt. Wasser, Luft und Hintergrund waren 
dazu gemalt, der Kamin war von weißem Marmor, ein Tisch vom 
älteren Calame, mit Schlesischem Chrysopras incrustirt; von der 
mit vergoldeter Stückarbeit verzierten Decke hing ein Kronleuchter 
von Berliner Porzellan herab. Außer den beschriebenen Räumen 
war in diesem Geschoß nur noch ein Schlafcabinet mit einem 
Fenster nach dem Markt; Tapeten von rothem Damast, Leisten 
und Schnitzwerk wie die Decke vergoldet, das Bett in Gestalt 
eines Schiffes, Gardinen und Bettdecken daran von rothem Damast, 
und ein Kamin von weißem Marmor bildeten die Ausschmückung. 
Die vier letzten Gemächer im Jahre 1752 und 1753 zu erbauen 
und einzurichten kostete 33,474 Thlr. 14 Sgr. 8 Pf/ Sie waren 
an die Stelle der ehemals unter Friedrich Wilhelm!, hier ge 
wesenen Französischen Kirche getreten. 
In sämmtlichen Zimmern dieses zweiten Geschosses waren die 
Fußböden mit wechselweise gelegten Rauten von Ccdern- und 
Weißbuchenholz getäfelt. Ausnahme davon machten allein die 
Zimmer Friedrich Wilhelm !., welche gewöhnliche Dielen be 
hielten. 
An die Räume der übrigen Geschosse hatte man weniger 
Sorgfalt gewendet. Hinsichtlich des dritten Geschosses im West 
flügel ist noch zu bemerken, daß 1752 über den Gemächern zu 
nächst der Fahnenkammer ein vorläufiges Schlaf- und Wohn 
zimmer für Maupertuis eingerichtet worden, leicht boisirt mit 
wenig Vergoldungen, einigen von Bork gemalten Blumen, Rohr 
stühlen re. Ebenso ward in demselben dritten Geschoß das Ende 
des Flügels gegen den Markt hin 1763 zu einer Wohnung des 
Prinzen von Preußen eingerichtet, decent, aber nicht eben prächtig 
und ohne besondere Merkwürdigkeiten. In dem östlichen Flügel 
war eine Wohnung für Voltaire eingerichtet. 
Die Schilderung des danialigen Stadtschlosses mit all seinen 
Appartenancen ist somit als geschlossen zu betrachten. 
Die dabei nach des Königs und v. Knobelsdorff's Ent- 
würsen beschäftigten Baumeister waren: Krüger, Dietrichs, 
Boumann und der Conductcur Berger. Die dafür nach und 
nach aufgewendeten Kosten betrugen (die besondern Prachtmeubles 
und Gemälde rc., worüber die Documente unvollständig, nicht mit 
gerechnet) 705,267 Thlr. 17 Sgr. 7 Pf., man darf im Ganzen 
annehmen, über eine Million Thaler. 
Den besten Einblick in die ununterbrochene Fürsorge des großen 
Königs für Potsdam erhalten wir, wenn wir chronologisch geordnet 
überschauen, was in jedem einzelnen Jahre hier an Bauten aus 
geführt worden ist, doch können in einer geschichtlichen Darstellung 
des Stadtschlosscs nur die auf dieses bezüglichen Bauten ausführ 
lichere Erwähnung finden. Im Jahre 1744 fand der Bau des 
Orangenhauscs im Lustgarten, die Reparatur des Schlosses so wie 
die Herstellung der steinernen Ufer-Einfassung und der Balustrade 
am Haveluser statt. Das folgende Jahr 1745 sah die beiden Co- 
lonnadcn entstehen und das Innere des Schlostes wesentlich ver 
schönern, woran sich 1746 die Erbauung der Marmortreppe, die 
Herstellung des Marstalles und der westlichen Gartenmauer, so wie 
die Erneuerung des Lustgartens reihte. 1747 wurde mit Erhöhung 
der Schloßflügel und Anlage der Risalite begonnen, dies im fol 
genden Jahre 1748 fortgesetzt und zugleich der Bau des Theaters 
ausgeführt; 1749 mit der äußeren Verzierung des Schlosses fort 
gefahren und der große Marmorsaal nach vollendetem Ausbau mit 
Gemälden versehen. Im Jahre 1750 wurde die Anbringung der 
Korinthischen Pilaster an den Außenseiten des Schlosses vollendet, 
die beiden Hauptwachen mit ihrer jetzigen Verzierung hergestellt 
und, neben dem Ausbau des westlichen Flügels, die Fahnentreppe 
an demselben erbaut. Das Jahr 1751 sah den Ausbau des ganzen 
Schlosses im Wesentlichen vollendet und außerdem fand die Bele 
gung des Schloßhofes mit Rasen und die Pflasterung deö übrigen 
Theiles mit Klinkern statt. 1752 und 1753 wurden an Stelle 
der ehemaligen Französischen Hofcapclle im westlichen Flügel 
Zimmer eingerichtet, im darauf folgenden Jahre 1754 ebenda der 
große Speisesaal verziert und die ehemalige Fahnenkammer boisirt, 
1755 das Eckcabinet an dcr Ostscite zum Schreibzimmer des Königs 
hergerichtet und im zweiten Geschoß des Westflügels die Zimmer 
für Maupertuis, 1756 aber für den Fürstbischof von Breslau, 
Grafen Schaffgotsch, die später vom Prinzen Heinrich be 
wohnten Zimmer ausgebaut. Nur während des Krieges in den 
sieben Jahren von 1757—1763 ruhten die Bauten, nachdem aber 
am 15. Februar des letzteren Jahres der Friede zu Hubertsburg 
geschlossen war, steckte bereits am 14. Mai der König persönlich 
den Platz ab, wo das Neue Palais erbaut wurde, und in allen 
nun noch folgenden Jahren seiner glorreichen Regierung, ja selbst 
noch im Todesjahre 1786, wurden Bauten in Potsdam, Sans 
souci und am Neuen Palais ausgeführt. Während seiner ganzen 
Regierungszeit hatte der große König, außer den Schlosser», Belve- 
dere's und Baulichkeiten in den König!. Gärten, folgende Bauten 
in der Stadt ausführen lassen: Die Französische Kirche, Portal, 
Arkaden und Thurm der Stadtkirche, 4 Predigerhäuser, 5 Waisen- 
und Armenhäuser, 4 Stadtthore nebst Mauern, das Rathhaus 
nebst Atlas und den Seitenflügeln des Gebäudes, 119 Kasernen, 
Ställe, Lazarethe und Wachthäuser, die Mvntirungskammer am 
Langen Stall und den Giebel des letzteren nach der Garnison 
kirche zu, 671 Bürger- und Fabrikgebäude, die sämmtlichen Bau 
lichkeiten der Gewehrsabrik, mehre Obelisken, Uferbekleidungen, eine 
Balustrade um den Wilhelmsplatz, bestehend in steinernen Pfeilern 
und eisernen Stangen. Außerhalb der Stadt waren die Kirchen 
in Nowaweß und Eiche so wie 396 Colonistenhäuser in Nowaweß 
und der Teltower Vorstadt erbaut worden, auf diese Bauten aber 
eine Summe von 10,272,079 Thlr. 1 Sgr. 5 Pf. verwendet 
Worden, welche den hier wohnenden Bauhandwerkern und Gewerb- 
trcibenden fast ausschließlech zu Gute kamen. Bei seinem Re 
gierungs-Antritte zählte die Stadt 1154 Bürgerhäuser und 
11,708 Civil-Einwohner, bei seinem Tode 1575 bürgerliche Vorder 
häuser und 18,503 Civil-Einwohner. Wie Friedrich der Einzige 
seinen Staat eingereiht hatte in die Zahl der Großmächte, sein 
Volk geführt hatte zu hoher geistiger Bildung, so hatte er auch 
sein Potsdam zur glänzenden König!. Residenz umgeschaffen, 
würdig eines Königs, dessen Ruhmesglanz den Erdball umstrahlte 
und bei dessen Tode in fernen Gegenden die Frage laut wurde: 
wer wird nun die Welt regieren? 
Unser Stadtschloß hatte nunmehr diejenige Gestalt erhalten, 
welche es im Wesentlichen noch heute hat und seine Beschreibung 
hat damit der Hauptsache nach den Schluß erreicht, da die er 
lauchten Nachfolger des großen Königs keine irgend wie erheb 
lichen und umgestaltenden Aenderungen an demselben vornehmen 
ließen, namentlich das Aeußere des Schlostes fast ganz unverändert 
blieb. König Friedrich Wilhelm II. (1786—1797) pflegte, 
wenn er nach Potsdam kam, wie schon Friedrich I. im Winter 
den westlichen, im Sommer, jedoch seltener, den östlichen Theil 
des Hauptgebäudes zu bewohnen, weshalb man der letzteren Seite 
damals auch den Namen des Sommerflügels beilegte. In dem 
Schlafgcmach Friedrich !l. ward das Bett mit einem anderen 
vertauscht, aus dem Schreibzimmer der zur Luftheizung bestimmte
	        
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