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Periodical volume 3. Februar 1883, Nr. 19

Full text: Der Bär Issue 9.1883

Er erkrankte an einem akuten Lungenleiden und starb am 
28. Januar 1850. 
Das ganze Auftreten Schadow's erinnert vielfach an die Meister 
des 15. und 16. Jahrhunderts. Er war ein Peter Bischer in’8 
märkische berlinische übersetzt und hielt noch aufs Handwerk, immer 
davon ausgehend, daß es besser sei, das Handwerk zur Kunst, als 
die Kunst zum Handwerk zu machen. Bon Bürgersinn und Bürger 
trotz war ihm ein gerüttelt und geschüttelt Maß geworden und 
gegenüber modernen Künstlcrprätensionen hielt er's ganz mit der 
alten Schule, die sich mehr um's Sein als um's Scheinen kümmerte. 
Durch das ganze Schaffen des Alten ging, wie schon ange 
deutet, ein vaterländischer, ein preußisch-brandenburgischer Zug. 
Ties zeigte sich nicht blos aus dem Gebiete der Historie, sondern 
auch aus dem der Landschaft. 
Er freute sich jedesmal, wenn es einem oder dem andern 
geglückt war, etwas Hübsches aus den 
Gegenden der Havel und Spree darzu 
stellen und eiferte dann halb scherzhaft, 
halb ernsthaft gegen das ewige „Italien- 
malen". 
„Ick bin nich so sehr vor Italien" 
— hieß es dann wohl — „un die Böme 
gefallen mir nu schon jar nich. Immer 
diese Pinien un diese Pappeln, un was 
is es denn am Ende damit? De eenen 
sehen aus wie uffgeklappte Regenschirme 
un de andern wie zugeklappte." 
Oft hat man Schadow mit Rauch 
verglichen und den Einen auf Kosten des 
Andern gelobt oder getadelt. Beide Heroen 
der Plastik werden am besten zu ihrem 
Rechte kommen, wenn man den Streit 
ruhen läßt im Sinne jener treffenden 
Aeußerung Göthe's über sich selbst und 
Schiller: „Nun streitet sich das Publikum 
seit 20 Jahre», wer größer sei — und 
sie sollten sich freuen, daß überhaupt zwei 
Kerle da sind, worüber sie streiten 
können." — Dominik. 
Frühere Vcrmählungs- und Einsugsseicrlichlreiten am 
Preußischen Fürstenhafe. 
Von AI. JBeijrrpng. (Schluß.) 
Die Königin gab scheinbar nach; der stolzen Königstochter von 
England aber wollte der vermögenslose, unbedeutende Schwieger 
sohn nicht genügen, und trotz der mannhaften ehrlichen Unterredung, 
die derselbe noch den gleichen Abend mit ihr hatte, blieb er lange 
Jahre das Ziel ihrer grausamsten Spöttereien. Auch Wilhelmine 
mußte, ob ihrer dürftigen Vermögensverhältnisse, von Mutter und 
Schwester, gelegentlich vom Vater sogar, manche bittere Kränkung | 
schweigend hinnehmen. Sie hatte vor der Hochzeit, wie jede preußische 
Prinzeß, auf alle Thron- und Erbansprüche verzichten, ihre „re- 
iionciatiori allodial“ unterzeichnen müssen, und als Abfindungs 
summe für jedes dereinstige mütterliche Erbe waren ihr 60,000 Thlr. 
zugesagt. Die tröstlichen Versprechungen zu erfüllen, die ihr der 
Vater gemacht, ließ seine Sparsamkeit nicht zu. So war sie oft 
in pekuniärer Verlegenheit. Vom österreichischen Hofe sogar erbat 
der Kronprinz und vermittelte der verhaßte Grumkow klingende > 
Beihilfen für „die arme Erbprinzeß von Baircuth". 
Ein einfacher Ball schloß das traurige Verlobungsfest, von 
dem Wilhelmine selbst wenig anderes zu erzählen weiß, als: „Der 
König ließ uns die Ringe tvechseln. Ich that es zitternd. Die 
Thränen rollten mir über die Wangen —". Am 20. November 
sollte die Hochzeit stattfinden. Die herzoglichen Familien von 
Bevern, von Meiningen und Ansbach lvaren die geladenen Gäste. 
Auch selbst bei ihrem Eintreffen fehlte es an Demüthigungen für 
die Prinzeß Wilhelmine nicht. 
Ihre jüngere Schwester Eharlvtte, dem Herzoge von Bevern 
nun bestimmt, wurde vom Könige, der in diesen Tagen besonders 
gnädig sich ihr zeigte, nach dem Abendessen selbst in ihr Schlaf 
gemach geleitet, das unter dem gleichen Dache neben dem der 
Schwester lag. Ihre Frauen waren noch nicht zur Hand, und 
mit dem Finger auf Wilhelmine deutend, sagte er: „Die mag Dir 
heute als Kammerfrau dienen. Das paßt jetzt für sie". 
Die Königin lebte immer noch der Hoffnung, daß man von 
England aus energischere Schritte thun lvcrde, noch jetzt auf der 
geplanten Heirath Wilhelminens mit dem Prinzen von Wales zu 
bestehen. So gab sie der eignen Tochter 
den Rath, ihrem Verlobten keinerlei Ver 
traulichkeiten zu gestatten, sondern nur 
als Bruder und Schwester zu verkehren, 
damit die Lösung des Bündnisses auf kei 
nerlei Hinderniß treffe. Ja, als sie nack- 
alter Sitte selber kam, der Tochter Haar 
zur Traufeicrlichkeit zu ordnen, wußte sie 
es stundenlang eher zu verwirren, i» der 
Hoffnung, daß der ersehnte Courier noch 
Zeit gewinne zum rechtzeitigen Eintreffen. 
Sie ahnte nicht, daß derselbe schon am 
-Morgen eingetroffen war, und die De 
peschen sich in Grumkows Händen be 
fanden, der erst, als die Trauung vor 
über, sie dem Könige übergab. Die nach 
trägliche Verstimmung des Königs war 
verzeihlich und auch die Ilnruhe der Kö 
nigin während der Toilette ihrer Tochter 
begreiflich. 
„Durch die absichtliche Ungeschicklich 
keit der Königin," erzählt Prinzeß Wil- 
helinine, „glich meine Frisur der eines 
kleinen Jungen. Die Haare fielen mir 
alle ins Gesicht. Man hatte mir, auf Befehl der Königin, 
24 Locken angesteckt von Armes Dicke; und mit der König!. 
tragen. — -Mein Kleid war von Silberstoff und meine Schleppe 
zwölf Ellen lang. Ich glaubte unter diesem „aecoütrement“ 
sterben zu müssen." Noch erzählt sie' dann, daß unter den 
vier schlepptragenden Damen, auf ausdrücklichen Befehl des 
Königs, auch Frl. Grumkow, die Nichte ihres Verfolgers, sich be 
funden, und giebt mit verzeihlichem Stolz dann eine detaillirte Be 
schreibung der festlichen Räume. 
„Als der Segen gesprochen ward, ertönte eine dreimalige 
Kanonensalve. Alle Gesandten, außer dem englischen, waren an 
wesend, auch der Markgraf von Schwedt hatte auf expreffe Ordre 
des Königs sich einfinden müssen. Nachdem alle Anwesenden uns 
ihre Glückwünsche dargebracht, mußte ich unter dem Thronhimmel 
neben der Königin mich auf einen Sessel setzen; und mein Gemahl, 
der Erbprinz, begann den Ball mit meiner Schwester von Ansbach." 
Das traurige Geschick, das auch dieser Schwester Friederike Louise 
an der Seite des tollen Markgrafen Wilhelm Friedrich von Ansbach 
geworden, ist bekannt. — Nach einer Stunde ging man zu Tische. 
Der König hatte, wie er es liebte, um die Plätze losen lassen, ba 
nnt unter den 34 meist fremden Fürstlichkeiten keine Rangstrcitig- 
keiten entständen. 
„Am andern Ende der Tafel waren für mich und meinen 
Ons Ornkmat des Grafen von der Mark. 
In der Berliner Dorotheenstädtischen Kirche. 
(Nach Schadow.) S. Seite 235.
        
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