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Volume 20. Januar 1883, Nr. 17

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue9.1883 (Public Domain)

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Die Kirche ist zweischiffig; die Umfassungsmauern bestehen bis 
am 6 Fuß Höhe ausGranitmauerwerk, darüber Backsteinbau. 
Der Granitunterbau ist der älteste und stammt aller Wahr 
scheinlichkeit nach aus dem Jahre 949, für jeden Fall aber aus 
dem 12. Jahrhundert. Die Seitenwände stammen wahrscheinlich 
aus der Bauthätigkeit des Bischofs Friedrich in den Jahren 
1311—15, das Gewölbe nach allgemeiner Annahme aus dem An 
sang des 16. Jahrhunderts. 
Dieses Gewölbe ist sehr kunstvoll gearbeitet, wie man es im 
nördlichen Deutschland nur selten, z. B. in Bernau, Jüterbog und 
Marienburg findet. Es besteht aus lauter unregelmäßig neben 
einanderstehenden größeren und kleineren Spitzgewölben, die zu 
sammen das Bild vieler nebeneinander umgekehrt gesteckter Papier- 
duten geben. Jetzt ist das Gewölbe schon so schadhaft, daß es 
nicht mehr betreten werden kann. 
In der Kirche selbst ist noch höchst beachtenswerth ein aus 
gebrannten Thonplatten zusammengesetzter Grabstein. Derselbe 
zeigt in trefflich maßvoller Reliefbehandlung die in der Tracht der 
bei St. Peter bestehenden geistlichen Brüderschaft gekleidete Witt 
frau Elisabeth Winkelmaß. — 
In einem Berliner Blatte wurde kürzlich darauf aufmerksam 
gemacht, wie diese älteste brandenburgische Kirche, deren Funda 
mente noch aus voranhaltinischer Zeit, aus der Zeit der 
brandenburgischen Wendenfürsten, stamme, ihrem Verfalle entgegen 
ginge, weil nichts für die Erhaltung der Kirche geschähe. 
Darauf hat der Brandenburger Domdechant erwidert, daß seitens 
des Domkapitels „für die Erhaltung der Kirche gehörig gesorgt 
werde"; und das Blatt wiederum hat geantwortet, „daß sich am 
29. September 82 wenige nicht zerbrochene Fensterscheiben an der 
Kirche befunden hätten und daß man darnach in Brandenburg 
ziemlich anspruchslos in Betreff des Zustandes eines Kirchenge 
bäudes sein müsse." 
Ich bin seit langem nicht mehr in Brandenburg gewesen und 
kann darum nicht selbst urtheilen. 
Weil es sich um eine historisch überaus wichtige Kirche han 
delt, möchte ich unseren Konservator,Herrn vonDehn-Rotfelser 
bitten, sich einmal selbst von dem Zustande der Kapelle zu über 
zeugen und dafür zu sorgen, daß alles zur Erhaltung Nöthige 
wirklich geschieht. — D. 
Zur Erhaltung Märkischer Sau-Ältcrthümer. 
Die Giebel des Rath Hauses zu Königsberg in der Neu 
mark — schreibt das Wochenblatt für Architekten und Ingenieure 
— von denen, wie bekannt, der südliche wegen seiner edlen Ver 
hältnisse und seiner reichen architektonischen Ausstattung zu den 
schönsten Profanbauten der gothischen Backstein-Architektur in der 
Provinz Brandenburg zu zählen ist, während der Nordgiebel, 
welcher einer späteren Kunswpoche angehört, immerhin als ein 
wichtiges und schönes Beispiel der letzteren zu bezeichnen ist, haben 
unter der Einwirkung der Zeit sehr erheblich gelitten, da die Stadt 
gemeinde, welcher die Unterhaltung des Rathhauses obliegt, nicht 
in der Lage war, die nothwendigen Ergänzungen verwitterter oder 
zerstörter Architektur-Theile vorzunehmen. 
Nicht allein aber der Zahn der Zeit, sondern auch der Mangel 
an Verständniß, mit welchem man vor einer Reihe von Jahren 
aus Rücksichten für die Benutzbarkeit des Gebäudes Veränderungen 
der Fenster an beiden Giebeln vornahm, haben die architektonische 
Wirkung der letzteren in bedauerlicher Weise beeinträchtigt. Die 
bereits vor ca. 20 Jahren eingeleiteten Bestrebungen, eine stilge 
mäße Restauration der Giebel herbeizuführen, hatten den ge 
wünschten Erfolg nicht. Zwar wurde zu den damals auf 7,200 Ni. 
veranschlagten Restaurationskosten ein Staatszuschuß von 3,600 Ai. 
bewilligt, daran jedoch die Bedingung geknüpft, daß die Stadt 
gemeinde die übrigen Kosten übernehme, auch sich verpflichte, in 
Verbindung mit der Restauration der Giebel diejenige der beiden 
Langfronten zur Ausführung zu bringen. Die Stadtgemeinde nahm, 
da sie meinte, daß ihre finanziellen Verhältnisse ein so erhebliches 
Opfer nicht gestatteten, von der Ausführung der Restauration Ab 
stand, und somit gerieth die Angelegenheit in's Stocken. Der immer 
weiter um sich greifende Verfall der Ornamente beider Giebel und 
die Gefahr, bei längerer Vernachlässigung dieses ehrwürdige Mo 
nument mittelalterlicher Baukunst dem gänzlichen Ruine auszu 
setzen und einen unersetzlichen Verlust herbeizuführen, gab neuer 
dings den Staatsaufsichts-Behörden Veranlassung, die Frage wegen 
der Wiederherstellung der schadhaften Bautheile des Gebäudes in 
Anregung zu bringen und dieselbe den städtischen Behörden auf 
das Dringendste an das Herz zu legen. Letztere ließen durch den 
Herrn Kreis-Bauinspector Rutkowski ein neues Project und einen 
Kostenzuschlag bezüglich der Restauration beider Giebel aufstellen, 
nach welchem die letztere nunmehr 13,300 M. in Anspruch nehmen 
wird. Eine so große Summe glaubte die Stadtgemeinde für diesen 
Zweck nicht zur Disposition stellen zu können, ein so lebhaftes 
Interesse sie auch an der stilgemäßen Wiederherstellung und der 
Erhaltung des schönen Bauwerkes nehme. — Dank der Förderung, 
welche diese so wichtige Angelegenheit von Seiten der königlichen 
Staats- sowie der Provinzialverwaltung erfahren hat, ist für die 
Bauausführung die Zuwendung eines Gnadengeschenkes aus Aller 
höchstem Dispositions-Fonds im Betrage von 6,900 M. erwirkt 
worden, und die Gewährung einer Beihülfe aus Provinzial-Fonds 
von 2,000 M. durch den brandenburgischen Provinzial-Ausschuß 
erfolgt, so daß nunmehr, nachdem die städtischen Behörden von 
Königsberg in der Neumark sich bereit erklärt haben, den Rest der 
Kosten aus städtischen Mitteln herzugeben und den Restaurations 
bau ausführen zu laffen, der letztere und damit die Erhaltung 
dieses schönen Bauwerkes als gesichert angesehen werden kann. — 
Auch in einigen anderen Fällen, in welchen wichtige Bau 
werke dem Verfalle entgegengingen, ist im Laufe der letzten Jahre 
in der Provinz Brandenburg durch ein erfreuliches Zusammenwirken 
der Provinzialverwaltung und der zur Unterhaltung der Bauwerke 
verpflichteten Corporationen die Schaltung dieser Bauwerke ermög 
licht worden. So ist die kleine in gothischem Backsteinbau ausgeführte, 
sehr originelle St. Georgskapelle bei Eberswalde, deren 
Dach bereits vielfache Lücken hatte, so daß die Gewölbe den Un 
bilden der Witterung Preis gegeben waren, und deren Gesimse, 
Thür- und Fenster-Einfassungen und sonstige Details der Zer 
störung entgegengingen, auf gemeinschaftliche Kosten des Provinzial- 
Verbandes und der Hospital-Verwaltung derart wieder hergestellt 
worden, daß weiterer Zerstörung vorgebeugt ist. — 
Für die Restauration des äußeren architektonischen Schmuckes 
an der Marienkirche zu Prenzlau, welche die Kirchenverwaltung 
in sehr umfassender und höchst anerkennenswerther Weise seit einigen 
Jahren sich angelegen sein läßt, ist seitens des brandenburgischen 
Provinzial-Ausschuffes gleichfalls eine erhebliche Beihilfe aus Pro 
vinzial-Fonds zugesichert worden; und es darf angenommen werden, 
daß dieser Restaurationsbau, nachdem in den Vorjahren die nörd 
liche Frontwand — namentlich hinsichtlich der Dach-Galerie — 
und im gegenwärtigen Baujahre die südliche Front in gleicher 
Weise restaurirt worden ist, auch in Bezug auf die Ergänzung 
der reichen Flächen-Decoration und der sonstigen Architektur-Theile 
des östlichen Prachtgiebels in den nächsten beiden Jahren seiner 
Vollendung entgegen gehen wird. 
Auch für die Restauration der sehr baufälligen, an die Süd- 
ftont der Marienkirche zu Prenzlau sich anlehnenden sogen. Mar 
garethenkapelle, deren Kosten auf 8,500 M. veranschlagt sind, 
hat der Provinzial-Ausschuß eine erhebliche Beihilfe bewilligt. 
Leider scheint die Kirchenverwaltung an der Wiederherstellung dieses
	        
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