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Volume 20. Januar 1883, Nr. 17

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue9.1883 (Public Domain)

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mutigen zuerst z. B. in Freiburg im Breisgau, in Hameln an der 
Weser und als man ihren Nutzen erkannte, griff auch der Staat 
hülfreich ein. 
Mit eine der segensreichsten und großartigsten Privatanstalten 
ist diejenige des Herrn Rittergutsbesitzers Max von dem 
Borne zu Berneuchen an der Küstrin-Soldiner Straße in der 
Neumark. Mit den tüchtigsten wissenschaftlichen, für sein Fach 
nothwendigen Kenntnissen betreibt dieses thätigste Mitglied des 
deutschen Fischereivereins sein gemeinnütziges Unternehmen. Herr 
v. d. Borne hat selbstständig verschiedene zur Fischzucht nöthige 
Apparate erfunden oder andere verbessert; seine gediegenen Auffätze 
füllen die Spalten der sehr lesenswerthen Cirkulare des Fischerei 
vereins, er hat mit dem schönsten Erfolge nicht allein die einhei 
mischen, sondern auch amerikanische Fische gezüchtet und giebt, was 
nicht hoch genug anzuschlagen, ausgebrütete Fische unentgeltlich 
an den Staat zur Wiederbevölkerung fischarmer Gewäffer ab. 
Seinem gemeinnützigen, an und für sich hochinteressanten Unter 
nehmen fehlt daher auch die nöthige Anerkennung nicht und 
selbst der chinesische Gesandte kam aus Berlin, um die berühmte 
Berneuchener Fischzucht zu besehen. Bei Gelegenheit der General 
versammlung des deutschen Fischereivereins zu Berlin stellte Herr 
v. d. Borne seine Fischbrutapparate auch im kronprinzlichen 
Palais auf, wo zur großen Freude des Kronprinzen und seiner 
Kinder die kleinen Fische ausschlüpften. 
Mitten in dem wundervollen Parke zu Berneuchen steht das 
Fisch- oder Bruthaus, durchflossen von dem Flüßchen Mietzel, 
welches im Parke selbst zu einem künstlichen Gebirgsbache das 
Wasser liefert, der von jungen Forellen bevölkert ist, die dem 
Alter nach geordnet sind; die jüngsten, die eben ihren Dotter 
sack abgelegt haben, werden in den Anfängen des Baches, in 
der sogenannten Kinderstube herangezogen, um allmählich 
ihrem eulinarischen Berufe entgegen zu reifen. Zu beiden Seiten 
der Mietzel liegen Teiche, die besonders bewirthschaftet werden und 
schöne Karpfen, Goldfische und andere Teichfische in großer Zahl 
bergen. Als die rechte Hand des Herrn v. d. Borne waltet hier 
der thätige Fischmeister Herrguth in unermüdlicher Thätigkeit, 
mit derselben Passion wie sein Herr für die Wasserbewohner er 
füllt. Er ist der geschworene Feind aller Fischräuber und deren 
Zahl ist keine geringe. An den Flüssen, Teichen und Seen von 
Berneuchen wurden von 1871 bis 1878 nicht weniger als 62 Fisch 
ottern, 323 Reiher, 334 Eisvögel, 81 Fischäare und Gabelweihen, 
42 Taucher, 42 Möven, 186 Enten und 1 Schildkröte als Fisch 
räuber erlegt. Auch die Möven, Füchse und Iltisse gehören in 
diese Kategorie. Die Fischottern fressen Fische selbst aus Sport 
und sind so gefährlich, daß sie von 400 Karpfen in einem Teiche 
dem Herrn v. d. Borne nur 48 übrig ließen. Wohl ebenso ge 
fährlich ist der Fischreiher; unser Fischzüchter fand bei einem, der 
sich in einem Tellereisen am Schnabel gefangen hatte, zwölf hand 
lange Karpfen im Magen und Kropf. Der schöne Eisvogel, der 
stoßend seine Fischbeute aus dem Waffer holt und namentlich die 
Brutteiche besucht, ist auch sehr gefährlich und vermag die Bemü 
hungen des Fischzüchters völlig zu vereiteln, wenn er nicht wegge 
fangen wird. Ihm gleich thut es die Wasserratte, die einmal 
1875 in zwei bis drei Nächten einen mit mehreren tausend Fo 
rellen besetzten Teich völlig leer fischte. 
Der Gang der Fischzucht ist einfach folgender: Zunächst wer 
den die Eier befruchtet, dann handelt es sich um deren Ausbrü- 
tung, endlich um die Pflege der ausgekrochenen Fischchen. Ueber- 
all hier ist die Natur Lehrmeisterin, und der Mensch ahmt sie nur 
nach und hält von der erzielten jungen Fischbrut alle üblen Einflüsse 
und Feinde ab, damit sie sich ungehindert entwickeln und in den 
Flüssen, in welche sie ausgesetzt wird, fröhlich weiter gedeihen könne. 
Die Fische werden zur Laichzeit genommen und die Weibchen 
durch sanftes Drücken am Bauche von den Eiern entleert, die in 
einem flachen mit Wasser gefüllten Gesäße dann mit der Milch 
der Männchen vermischt werden. Die so befruchteten Eier wer 
den dann in Brutapparate gebracht, welche Nachahmungen der 
Laichplätze sind und durch Bretter und Gitter gegen Feinde abge 
schlossen werden. Statt dieser einfachsten Art hat man auch ver 
schiedene Brutkisten konstruirt. 
Hoffen wir, daß die künstliche Fischzucht, die heute noch in 
ihrer Jugend steht, weiter segensreich wirke, und daß unsere ent 
völkerten Flüsse wieder mit reichem Fischstand besetzt werden. — 
Die Petri-Lapelle in Brandenburg a. H. 
(Hierzu die Illustration Seite 213.) 
Am 1. Oktober 949 unterzeichnete König Otto zu Magde 
burg eine Urkunde, welche noch gegenwärtig im Archiv des Bran 
denburger Domkapitels aufbewahrt wird, und mit der ein zweites 
havelländisches Bisthum, das von Brandenburg, in's Leben ge 
rufen wurde. 
Wir haben an anderer Stelle, in der Lebensbeschreibung des 
Markgrafen Gero, die Urkunde auszüglich gebracht und verweisen 
darauf. Dieselbe ist noch vortrefflich erhalten, die Schrift klar 
und schön und mit Otto's eigenhändiger Unterschrift versehen. Be 
glaubigt ist die Urkunde vom Kanzler Brun mit den Worten: „Ich 
Brun, Kanzler, habe sie an Stelle des Archieapellanus 
Friedrich beglaubigt." 
Die Errichtung eines Bisthums setzt auch den Bau einer 
Domkirche voraus, welche denn auch auf der Stelle der kleinen 
Petrikirche gestanden hat (siehe unsere heutige Illustration), 
deren erster Bau in dem späteren großen Wendenaufstande wieder 
zerstört wurde. 
Schauen wir uns die Schicksale dieser allerältesten Kirche 
in der Mark etwas näher an, und folgen wir darin dem vor 
trefflichen Buche von Otto Jork. 
Ueber die Zeit der Erbauung — schreibt derselbe — steht ur 
kundlich nichts fest, doch muß sie im Jahre 1160 schon vorhanden 
gewesen sein, weil in diesem Jahre Bischof Wipper darin be 
graben wird (in capella in Castro Brandenburgensi) heißt es in 
der Urkunde. 
Nach Heffter und Adler wäre sie als ein provisorischer Noth 
bau zu betrachten und hätte nur interimistisch als Stiftskirche ge 
dient, bis der Bau des Domes vollendet gewesen. Winter da 
gegen hält die Petrikapelle für das älteste von Pribislav 
aufgeführte Gotteshaus, das dem Wendenfürsten gleichsam als 
Hauskapelle gedient habe. Schillmann endlich sieht darin die erste 
Stadtkirche, die vom Bischof nur so lange mitbenutzt ist, bis der 
Dom, zu dem am 10. Oktober 1165 der Grundstein gelegt, 
soweit vollendet war, daß darin Gottesdienst abgehalten werden 
konnte. 
Im Laufe der Jahrhunderte ist die kleine Kirche verschiedent 
lich aus- und umgebaut worden, so von 1312 bis 1318. Die 
Rudera einer Inschrift außen am nordöstlichen Pfeiler lauten: 
„Anno Domini.... CCCXVIIII ist die Kirche gbut Christi un 
sers Seligmachers." Es handelt sich hierbei natürlich nur um 
einen Ausbau. Im Jahre 1409 wird die Kapelle Mittelpunkt 
einer kirchlichen Brüderschaft, gestiftet von den Geburen (Bauern 
auf den beiden Kiezen und auf dem Woltitz vor der Burg). In 
der Urkunde, die sich noch in der Lade des Schulzen auf dem 
Dom befindet, geschieht auch eines Priesters der Brüderschaft Er 
wähnung. 
Lange stand die Kapelle unbenutzt. Kurze Zeit, bis zum 
Jahre 1848, hielt darin die römisch-katholische Gemeinde inter 
imistisch ihren Gottesdienst, mußte dieselbe aber wegen Baufällig 
keit, die auch die Abtragung des kleinen Thurmes zur Folge hatte, 
verlassen.
	        
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