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Periodical volume 1. Januar 1883, Nr. 14

Full text: Der Bär Issue 9.1883

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ist hier dazu berufen, ihre umfangreichen Kenntnisse in den schwie 
rigeren Gebieten des praktischen Dienstes zu verwerthen und nament 
lich während des Kriegsspiels und der Wintervorträge Interesse 
für kriegswistenschaftliche Studien in den Kreisen der Osfiziercorps 
der Armeen heimisch zu machen und zu verbreiten, eine Aufgabe, 
die wesentlich dazu beiträgt, die wissenschaftliche Bildung der 
deutschen Ossiziercorps auf der hohen Stufe zu erhalten, die ihnen 
bei uns wie im Auslande zu der geachteten Stellung, die sie ein 
nehmen, hauptsächlich verholfen und die auf den Schlachtfeldern in 
Böhmen und Frankreich so reiche Früchte getragen. 
Prinzeß Mlhclm und ihr Erstgeborener, des Kaisers 
Urenkel. 
(Hierzu die Portraits Seite 173.) 
Prinzessin Auguste Victoria ist am 22. Oktober 1858 auf 
Schloß Dölzig bei Sommerfeld als ältestes Kind des Herzogs 
Friedrich Christian August von Schleswig-Holstein-Sonderburg- 
Augustenburg und dessen Gemahlin, der Herzogin Adelheid Victoria 
Amalie Luise Marie Constanze, geborenen Prinzessin von Hohenlohe- 
Langcnburg, geboren. Am 30. November empfing die Prinzessin 
die heilige Taufe und in derselben die Namen Auguste Victoria 
Friederike Luise Feodora Jenny. Der erste Name erinnert 
an ihre hohe Tauspathin, die Königin Augusta, der zweite an die 
Pathenschast der Frau Kronprinzessin. Die Taufpathen der jungen 
Prinzessin waren nämlich: 
Se. königliche Hoheit der Prinz-Regent von Preußen, 
Ihre königliche Hoheit die Frau Prinzessin von Preußen, 
Se. königliche Hoheit der Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen, 
Ihre königliche Hoheit die Frau Prinzessin Friedrich Wilhelm 
von Preußen, 
Ihre Hoheit die Herzogin Luise Sophie zu Schleswig-Holstein, 
Ihre Durchlaucht die Fürstin zu Hohenlohe-Langenburg, 
Ihre Erlaucht die Gräfin Erbach-Schönburg, geb. Prinzessin 
von Hohenlohe-Langenburg. 
Als am 1l. März 1869 der Großvater der Prinzessin, Herzog 
Christian August, gestorben war, siedelte ihr Vater mit seiner 
Familie nach Schloß Primkenau über, da er die dortige Herr 
schaft als Erbe angetreten hatte. Die Wintermonate aber, von 
Weihnachten ab, verlebte die Familie mehrfach in Gotha, wo der 
Herzog ebenfalls ein Schloß besaß. Außerdem verbrachten die 
beiden ältesten Prinzessinnen zwei Winter in Pau im südlichen 
Frankreich bei ihrer Tante, der Prinzessin Amalie von Schleswig- 
Holstein, welche daselbst seit vielen Jahren in jedem Winter 
Aufenthalt nimmt. 
Die erste Bonne der Prinzessin war eine Dame aus der 
stanzösischen Schweiz, dann folgte als Gouvernante eine Englän 
derin, Miß Walker, welche sich durch vorzügliche Examina als 
zum Lehrfach besonders geignet erwiesen hatte. Zur Zeit leitet 
Miß Walker ein großes Erziehungsinstitut in London, dessen Pro 
tektorat Prinzeß Christian von Schleswig-Holstein führt. Ihre 
früheren Zöglinge — Miß Walker leitete auch die Erziehung 
der zweiten Schwester, der Prinzeß Karoline Mathilde — 
stehen mit ihr noch immer in freundschaftlichstem Verkehr. Der 
Gouvernante stand später noch ein Kandidat als Lehrer zur Seite, 
zugleich für den Bruder, den Prinzen Ernst Günther; derselbe 
leitete auch den späteren Religionsunterricht der herzoglichen 
Kinder. Eine Französin für die Konversation trat noch auf einige 
Zeit hinzu, so daß die Prinzessinnen englisch und französich ganz 
ebenso geläufig, wie ihre Muttersprache handhaben. Nebenbei 
lernten sie sich auch noch dänisch ausdrücken, indem sie zum Gar 
derobenmädchen eine Dänin hatten. Behufs ihrer Vervollkommnung 
im Zeichnen und Malen wurden von Zeit zu Zeit Künstler nach 
Primkenau berufen, unter deren Leitung die Prinzessinnen die 
Oelmalerei, Porträtiren k. erlernten. Musik wurde fleißig ge 
trieben, und die Frau Prinzessin spielt die klassischen Meister mit 
Verständniß und technischer Vollendung. Auch als die technische 
Lernzeit vorüber war, beschäftigte sie sich in Gemeinschaft mit ihrer 
Schwester eifrig mit den Wissenschaften. 
Der 22. Mai des Jahres 1875 war der Tag, an welchem 
beide Prinzessinnen durch die Konfirmation in die Gemeinschaft 
der Erwachsenen aufgenommen wurden. Pastor Meißner in 
Primkenau konfirmirte sie in der dortigen Kirche vor einer hoch 
ansehnlichen Festversammlung, nachdem er die Prinzessinnen in den 
Jahren vorher in der Religion unterwiesen hatte. Die jungen 
Mädchen erbauten durch ihre Antworten die ganze Versamm 
lung, denn Jedermann fühlte es, daß das reiche Maß von Wissen 
in den christlichen Heilslehren zugleich ein lebendiger Schatz ihres 
Herzens geworden war. Durch die Versammlung flüsterte man 
sich zu: „Sie standen wie ein Paar Engel vor dem Altar!" Der 
Vater segnete seine Kinder mit Wort und Hand, als der Geistliche 
sie in die Gemeinschaft der Erwachsenen durch den altehrwürdigen 
Segensspruch: „Der Herr segne Dich und behüte Dich!" aufge 
nommen hatte. Und in der That das Wort: „Des Vaters Segen 
bauet den Kindern Häuser!" hat sich auch hier bewahrheitet. 
Der Tod riß die erste herbe Lücke in das traute Familien 
leben, als er am 14. Januar 1880 das Haupt der Familie, den 
Herzog Friedrich Christian abrief. Am 20. Januar geleitete 
man den Herzog zur letzten Ruhestätte. An seinem Sarge sprach 
Konsistorialrath Dr. Dibelius, an der Gruft Pastor Müh len - 
Hardt aus Schönkirchen in Schleswig-Holstein, der Geburtsstätte 
des Dahingeschiedenen. Die verwittwete Herzogin Adelheid aber 
suchte ihren Trost nach alter, deutscher Fürstensitte in der Aus 
übung von Werken der Barmherzigkeit, und die jungen Fürstinnen 
traten ihrer Mutter dabei eifrig zur Seite, seitdem sie ihre Apa 
nage selbstständig verwalteten. 
Die Prinzessin ist eine echt deutsche Frauengestalt, schlank ge 
wachsen, hellblond von Haar und mit blauen Augen. Die Frau 
Kronprinzessin ist die rechte Cousine der Herzogin-Mutter, denn 
beider Mütter sind Halbschwestern, und der einzige Bruder der 
Herzogin-Mutter, Prinz Christian von Schleswig-Holstein ist mit 
einer Schwester unserer Kronprinzessin, der Prinzessin Helene, 
vermählt. 
Am 27. Februar 1881 erfolgte die Vermählung der Prinzeß 
mit dem künftigen Preußischen und Deutschen Thronerben, dessen 
Portrait als Husar unser Blatt kürzlich brachte, und am 6. Mai 
des vergangenen Jahres wurde dem Paare im Marmorpalais ein 
Stammhalter geboren, der in der Taufe die Namen Friedrich 
Wilhelm Viktor August Ernst empfing und der dereinst 
berufen ist, den Preußenthron zu besteigen. 
Wir knüpfen daran noch einige Notizen über die Geburtsstätten 
der Brandenburgisch-Preußischen Fürsten und ihrer Thronerben. 
Der GroßeKursürst wurde am 6.Februar 1620 im Schlosse 
zu Cöln a./Spree geboren; sein Sohn Friedrich I. wurde am 
11. Juli 1657 in Königsberg i. Pr. geboren; dessen Sohn 
Friedrich Wilhelm I. am 4. August 1685 im Berliner Schloß; 
dessen Sohn Friedrich II. ebendaselbst am 24. Januar 1712. 
Friedrich Wilhelm II. ist am 25. September 1744 in Prcnzlau 
geboren; sein Sohn, König Friedrich Wilhelm III. am 
3. August 1770 im Cabinetshause in Potsdam, gegenüber dem 
Königlichen Schlosse; Wilhelm 1. am 22. März 1797 im Kron- 
prinzlichen Palais zu Benin; Kronprinz Friedrich Wil 
helm am 18. Oktober 1831 im Neuen Palais bei Potsdam; 
Prinz Wilhelm am 27. Januar 1859 im Kronprinzlichcn 
Palais in Berlin und endlich Prinz Friedrich Wilhelm am 
6. Mai 1882 im Marmorpalais bei Potsdam.
        
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