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Periodical volume 16. Dezember 1882, Nr. 12

Full text: Der Bär Issue 9.1883

Ü*ii 
deutet. Der Deutsche machte sich den slavischen Ausdruck mundge 
recht, lehnte, wie der Volksmund es gerne thut, an geläufigen 
Namensklang an und so kam der Teufel zu Landbesitz. Sicher 
waren zur Zeit, als die Wälder noch sich selbst überlassen blieben, 
solche sumpfigen Stellen mit undurchdringlichem Dickicht bestanden 
und ihre ungünstige Bodenbeschaffenheit, die Sicherheit, die sie den 
wilden Thieren boten, mag manchem Holzschläger und Jäger die 
Gerechtigkeit slavischer und 
deutscher Namensgebung be 
wiesen haben. Ueberall in 
der Welt sucht man das 
Dunkel zu lichten, aber den 
noch bleibt das Böse: mögen 
sich unsere harmlosen Teu- 
fclsseen somit trösten. 
7. Kesselbruch. Ganz 
ähnlich steht es mit den ver 
schiedenen Keffeln in der Mark. 
Bei Kessclbruch und -gründ 
im Ost - Havellande, Kessel 
pfuhl bei Dalldorf im Bar 
nim und Kessellanke bei Char 
lottenburg könnte man an 
kesselähnliche Vertiefungen den 
ken, und einige mögen davon 
auch ihren modernen Namen 
tragen; was aber soll man 
zu Kesselbergen sagen, die 
nicht min 
der häufig 
in der Mark 
z. B. bei 
Werderund 
Petzow 
westlich 
Potsdam 
und das 
grade Ge 
gentheil 
ihres Na 
mens sind? 
Es liegt 
hier das 
altslavische 
Adjektiv 
Kysel, 
seucht,sauer 
zu Grunde. 
Es sind 
feuchte "Nie 
derungen 
und Berge, 
die sich aus 
solchen er 
heben. So heißen denn auch Heidestrecken bei Spandow Vorder-, 
Mittel- und Hinterkissel, die vor dem allmähligen und allge- 
ineinen Schwinden der feuchten Niederungen gewiß ihre Namen 
mit Recht führten. Wir glauben, daß auch Cöslin in Pommern, 
entsprechend dem russischen Ortsnamen Kyslyn, den gleichen Namens 
ursprung habe. 
R. Lutter. 
Iagdbilder aus der Mark. 4. Von L. Beckmann. 
Neues liticr den Tod Friedrich Wilhelm III. 
Soeben hat ein Buch die Presse verlassen, welches von Vielen 
im deutschen Lesepublikum mit Spannung erwartet wurde und 
welches sicherlich allseitig mit Interesse aufgenommen werden wird, 
„Erinnerungen von I. D. H. Temme" betitelt es sich, und Stephan 
Born, der Freund des Verstorbenen, hat Pietät- und liebevoll die 
Herausgabe der für die Ge 
schichte der letzten Decennien 
nicht unwichtigen Memoiren 
besorgt. Besondere Beachtung 
haben in den Auszeichnungen 
die politischen Stürme des 
Jahres 1848 gefunden, aber 
auch auf die Zeit vor und 
nach diesem Jahre werfen die 
Temme'schen Erinnerungen in 
teressante Schlaglichter. Wir 
behalten uns vor, gelegentlich 
auf das Buch noch zurückzu 
kommen, und beschränken uns 
heute darauf, nachstehenden 
Abschnitt, der mancherlei Neues 
über die Vorgänge beim Tode 
Friedrich Wilhelm III. ent 
hält, aus dem Kapitel „König 
Friedrich Wilhelm IV. und 
Kaiser Nikolaus I" zu ver 
öffentlichen. 
Temme 
erzählt die 
Episode 
folgender 
maßen: 
Am 7. 
Juni 1840, 
gegen 4Uhr 
Nachmit 
tags, starb 
KönigFrie- 
drich Wil 
helm III. 
von Preu 
ßen. Der 
König war 
allein in sei 
nem Ster 
begemach 
mit seinem 
Leibarzte, 
dem Ge 
heimrath 
Schönlein. 
Die König 
liche Familie war in einem Nebenzimmer versammelt, um, 
wenn der König Abschied nehmen wolle, sofort bei ihm zu 
sein. Gegen halb vier Uhr wurde der Königlichen Familie ge 
meldet, daß soeben der Kaiser von Rußland im Königlichen 
Schlosse angelangt sei. Der Kronprinz erschrak bei der Nachricht. 
Friedrich Wilhelm IV. hatte eine instinktive Abneigung gegen seinen 
Kaiserlichen Schwager Nikolaus I. von Rußland. Friedrich Wil 
helm III. kannte die Abneigung, die Furcht und den Haß seines 
Sohnes, und sein sehnlichster Wunsch auf seinem Krankenlager 
war, dem Sohne und Schwiegersöhne das feierliche Versprechen
        
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