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Volume 9. Dezember 1882, Nr. 11

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue9.1883 (Public Domain)

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nicht dauerhafte Tragbarkeit zu. Ueber dem Hauptsims hatte der 
Bildhauer B entert sechs Gruppen von Gips gebildet und ver 
goldet. Die Ecken der Wände verzierten vier Paar Hermen von 
weißem priborner Marmor aus Schlesien, deren obern menschlichen 
Theil die Bildhauer Petzold, Benkert und Heymüller ge 
arbeitet. 
Die Schaftgesimse und Capitale dazu hatte Habermann 
aus in Feuer vergoldetem Metall geformt, aus solchem waren auch 
die sechs vom Goldschmied Kelly verfertigten Trophäen zwischen 
den Pilastern. Giese heftete an den Sims sechs Basreliefs von 
vergoldetem Stuck: Thaten des Herkules auf Barockschilden dargestellt. 
Des ganzen Raumes halbkugelartig gewölbte Decke aber hatte 
Antoine Pesne mit dem Gemälde einer Minerva geziert, die 
mit ihrem Schild Neid und Zwietracht zu Boden schlägt, während 
die Friedensgöttin mit ihrem Gefolge einzieht. Ein energischer Ge 
danke für den Stufenaufgang zu einem solchen Könige! Augen 
scheinlich liebte es der große König, in seinem Potsdamer Schlosse 
sich überall an sein neues Besitzthum 
Schlesien zu erinnern, sich dessen zu er 
freuen, denn außer dem unmittelbar im 
Eingänge überall, sowie in der Galerie 
und dem Marmorsaal selbst angebrachten 
schlesischen Marmor, welchem der siüher 
dort vorhandene fremde weichen mußte, 
ließ der König auch über den Fenstern 
seiner Wohnzimmer im Eckrisalit des Ost 
flügels nach dem Lustgarten zu, den schle 
sischen Adler anbringen, obgleich er den 
selben in das preußische Wappen nicht auf 
genommen hatte, da er denselben, aber 
ohne Krone, für das Herzogthum Crossen 
bereits führte. So waren denn an der 
Gartenseite des Schlosses an dem Mittel 
risalit der preußische, rechts von diesem 
der brandenburgische und links der schle 
sische Adler angebracht, jedenfalls eine 
besondere Vorliebe des Königs für Schle 
sien documentirend. Diese Adler finden 
sich noch heute in derselben Art an den 
genannten Stellen. 
Von dem obern Plateau der Treppe 
trat man in die Marmorgalerie, die südlich 
mit einer Thür in den großen Marmor- 
Hardcrschc Iahrrsuhr mit Rotationsprndrl. 
Aus „Die Erfindungen der neuesten Zeit, Leipzig und Berlin, 
Verlag von Otto Spanier." 
saal führte, östlich init einer zweiten in das Marschallstafelzimmcr, 
westlich mit einer dritten in den großen Königlichen Spcisesaal. 
Am Fußboden dieser Galerie wechselte mit weißem schlesischen 
Marmor, grauer. Die Wände waren von weißem Stuckmarmor, 
aber jonische Eckpilaster von grünein schlesischen Marmor trugen 
mit Eapitälen und Schäften von vergoldetem Metall das Sims 
von grauen: schlesischen Marmor, aus welchem man auch die 
Plinthen gebildet. 
Außerdem sah man neben dem Saaleingang wie neben dem 
mittleren Treppeneingang Nischen von weißem schlesischen Marmor. 
Die Deckenzierrathen hatte Sartori von Stuck gearbeitet und 
vergoldet. Von hier trat man also, wie gesagt, in den großen 
Hauptsaal. Wände und Fußboden desselben bedeckte jetzt ebenfalls 
aus Schlesien geholter grauer Marmor, die Kamine weißer; von 
rothbunten aus demselben eroberten Lande, stiegen auf gleichem 
Grunde die korinthischen Pilaster empor, doch ihre Capitäle und 
Schaftgesimse waren vergoldetes Erz, vergoldetes Erz auch die 
Kriegstrophäen dazwischen, wie die Verzierungen über den Thüren 
(Allegorien auf die Thaten des großen Kurfürsten), die Kinder 
genien und übrigen Verzierungen des Simses. Schlüter's erste 
Arbeit von 1694 hatte man in Ehren und unberührt gelassen. 
die Decke aber nahm nun, von Vanlvo in Oel gemalt, die Apo 
theose des großen Kurfürsten ein. Herab hingen vier Kronleuchter 
von vergoldeter Bronze. Die Wände schmückten noch aus der Zeit 
des Kurfürsten van Tuldens beide, die Geburt Friedrich I. 
und den St. Germainschen Frieden feiernde, große Prunkgemäldc, 
auch Leigebe's Triumph des großen Kurfürsten wie Jakob 
Vaillants Bild, welches die Eroberung Rügens durch denselben 
Helden darstellt, beide auf Friedrich I. Befehl mächtig groß in 
Oel gemalt. Hierzu stimmte nunmehr Vanloo's auf Friedrich II. 
Befehl ausgeführtes Deckenstück. 
Aus dem Marmorsaal, der südlich den Ausblick über die 
neue Rampe, das Bassin des Lustgartens und die Havel gewährte, 
trat man, östlich nach den Gemächern Friedrich II. gehend, in 
den Marschallstafelsaal. Dort hatte man die weiße Decke mit zwei 
durchgezogenen Balken, gebrochenen eckigen Tafeln, Perlenschnürcn 
und altem Laubwerk aus denZeiten des großen Kurfürsten und Fried 
rich I. gelasien, und nur die Wände mit blauem Grunde und ver 
goldeten Zierrathen neu getäfelt. Ein 
von Schwitzer modern gearbeiteter Ka 
min von gelbbraunem Marmor, zwei 
antike Tische, eine Krystallkrone und rohr 
geflochtene Stühle mit grünledernen Kissen 
bildeten das Mobiliar. Zwei Fenster 
gingen nach dem Schloßhof, zwei nach 
dem Lustgarten. 
Weiter östlich trat man in das neue 
Königliche Speisezimmer, das nördlich mit 
einer auf einen: Viertelkreisbogen hin 
laufenden Holzwand geschlossen war, süd 
lich zwei Fenster nach dem Lustgarten 
hatte, eine Thür nach Osten und eine nach 
Westen. Es war boisirt mit blaßgrünen 
Tafeln auf violetgrauem Grunde. Ueber 
den großen Tafeln erschienen ovale kleinere 
mit Palinen und Lorbeerzweigen von ver 
silberter Bildhauerarbeit, unter dem 
Wandspiegel eine Kommode mit einer von 
den Brüdern Calame in Potsdam ge 
fertigten Platte von schlesischem Amethyst. 
Auf dieser ein Dejeuneraufsatz von Por 
zellan, eine Probearbeit der auf Fried 
rich II. Befehl in Berlin errichteten Ma- 
nufactur. Auch auf dem Kamin von gelb 
braunem Marmor standen mit andern ausgewählten Tassen zwei 
Bouillon-Tassen von berliner Porzellan, auf dessen Fabricirung 
der König als auf einen neuen Industriezweig großen Werth legte. 
Das Geheimniß der Porzellan-Masse hatte der patriotische Kauf 
mann Gotzkowsky für ihn von dem Bildhauer Reichard aus 
Gera erkauft. 
Die Vorhänge waren apfelgrüner Atlas. 
Von der Decke herab hing ein Kronleuchter von Bergkrystall, 
an den Wänden zwei Thierstücke von Dubois, zwei Gesellschafts 
stücke von Pesne, vier Conversationsstückc von Lancret, zwei 
von Watteau, und von Pesne das Bildniß der von Friedrich II. 
ihrer Anmuth und Bildung halber so hochgeschätzten Tänzerin 
Barbarina, welche 1744 nach Berlin gekommen. Hinter der 
nördlichen Holzwand des Speisezimmers war ein Raum für des 
Königs Garderobe, auch wurden dort die Fahnen, Standarten und 
silbernen Pauken der Gardes du Corps bewahrt. Noch weiter 
nach dem Hofe war ein Gang gelassen, der sich östlich dem allge 
meinen Corridvr verband. Gang, Garderobe und Speisezimmer 
waren aus dem früheren Assemblce-Zimmer abgetheilt worden. 
Auf das Speisezimmer folgte das Concertzimmer, an den vier 
Ecken abgerundet, war es von Nahl deevrirt, hatte zwei Fenster
	        
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