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Volume 9. Dezember 1882, Nr. 11

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue9.1883 (Public Domain)

Erscheint wöchentlich am Sonnabend und ist durch alle Buchhandlungen, Zeitungsspeditionen und Postanstalten für 2 Mark 
Jahrgang. vierteljährlich zu beziehen. - Jm postzeitungs-Latalog eingetragen unter Nr. 2198. den S. Dezember 
ii. Herausgegeben von Emil Dominik. Verlag von Gebrüder Paetel in Berlin W. 1882. 
ÄUS alter Zeit. 
Eine Erzählung von Äcinritfi. ßusisu 
IV. 
Der Wagenzug der Cölner Kauflerite hatte die Reise bis 
»ach Lübbenau ohue allen Aufenthalt und Unfall fortgesetzt- 
Das Fräulein war während dieser Zeit gar lustig gewesen 
und hatte das gleisen ganz angenehm und voller Kurzweil ge 
fuitdcn. Ihre Stimme hatte 
sie im Walde wacker er 
schallen lassen, ihr Bruder 
hatte accompagniret und 
selbst Herr Emmerich hatte 
seiner Vaßstimiilc freien Lauf 
gelassen. Die Begleitungs- 
Mannen rühmten, daß sie 
noch keine so lustige Fahrt 
gemacht hätten, denn das 
Fräulein ließ sich sogar zu 
weilen mit Einem oder dem 
Andern in ein paar Worte 
ein, so daß sie ihre Leut 
seligkeit und Anmuth ilicht 
genug rühmen konnten, zu 
mal sie aus ihrer wohlver 
sorgten Rcisekaffe gewöhnlich 
ein Fäßlein Bier bezahlte und 
extra für die Alaunen auf 
legen ließ. 
Einst hatte sich in der 
Herberge zu Lübbcn auch ein 
Krämer eingefunden, der 
allerlei schöne Waaren, sei 
dene Bänder, goldgestickte 
Hauben, Schuhe u. dgl. 
Sachen dein Fräulein anbot. 
Da er ein artiger und gewandter Mensch war, der so etwas 
von welscher Art und Manier hatte, so hatte sic ihm aus 
Gefälligkeit einiges abgekauft. Dabei hatte er ihr gesagt, daß 
Nachdruck verboten. 
. Gesetz v. ii. VI. 70. 
(Fortsetzung.) 
er in Cottbus noch viel schönere Sachen, die er nicht mit führen 
könnte, in der Herberge zluu schwarzen Bär lagern hätte, imb 
dabei erkundet, wenn sie in Cottbus eintreffen wollten, auch 
um die Gunst gebeten, in ihrer Herberge daselbst wieder vor 
sprechen zu dürfen. Das Fräulein hatte ihm Red' und Antwort 
gegeben und war so unbe 
wußt zur Verrätherin des 
Reiseplaus geworden; denn 
der Krämer war einer von den 
Mannen des Wildsteincrs. 
Ein starker Nebel lag 
am andern Morgen auf der 
ganzen Gegend des Spree 
waldes, an dessen Rande 
nun die Reisenden dahin 
zogen. Das Wetter, welches 
bis jetzt schön und hell ge 
wesen war, schien sich ver 
ändern zu wollen. Die 
Herren zogen die Mäntel 
fester an sich. Das Fräulein 
war in ihren Wagen ge 
stiegen. Der Rottmeister mit 
seiner Schaar schritt schwei 
gend vorwärts. Da flüsterte 
ein alter ergrauter Kricgs- 
mann, dem quer über das 
Gesicht eine rothe !Narbe lief 
und der nur ein Auge hatte, 
dem Ersteren zu: 
Sehet da, Herr Rott- 
meister, das Häslcin mitten 
auf dem Wege, cs ist gar 
dreist und hat keine Furcht. Wollen's abwarten: läuft es rechts, 
dann geht cs heut gut, läuft es links, daun fällt, ehe wir 
Abend in Cottbus sind, noch etwas vor, das uns nicht lieb ist. 
Fürst von pteß, 
Oberst-Jägermeister und Militärinspekteur der freiwilligen Krankenpflege. 
(S. Seite 136.)
	        
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