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Volume 2. Dezember 1882, Nr. 10

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue9.1883 (Public Domain)

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können; es überdauerte ihn und wird ihn weit überdauern. Da 
für bürgt der würdige Pflegevater, den das Werk gefunden hat, 
Herr Professor William Pierson. Unter der Hand dieses be 
deutenden Geschichtsschreibers hat es eine Vervollkommnung er 
fahren, welche uns die bestimmte Erwartung auszusprechen ge 
stattet, daß es in noch viel bedeutenderem Umfange als vorher 
ein Lieblings- und Andachtsbuch des deutschen Volkes werde. 
Ja, ein Andachtsbuch! Auch in Betreff der Geschichte unseres 
Volkes gilt das biblische Wort: „Zeuch die Schuhe aus, denn der 
Ort, da du aufstehest, ist heilig." — Das Buch steht auf der 
Höhe geschichtlicher Wissenschaft; seine Grundlage ist eine streng 
wissenschaftliche; die Form der Darstellung eine im edelsten und besten 
Sinne des Wortes populäre. Der Geist deffelben ist der Geist 
der Wahrheit und — der deutsche Geist. Das Buch belehrt, unter 
hält, erhebt, erbaut. Die deutschen Lehrer sollten sich ein Verdienst 
daraus machen, das Werk in recht viele Familien zu bringen. 
Der Berichterstatter hat die Kritik mehr zurücktreten lasten; er 
darf aber die Ueberzeugung aussprechen, daß das vorliegende Werk 
die strengste Kritik nicht zu scheuen hat." — 
Beide Bücher sind so geschrieben, daß sic die Fassungskraft 
der Jugend nicht übersteigen und doch auch von Männern mit 
Interesse gelesen werden, sie verbinden echte Wissenschaftlichkeit mit 
volksthümlicher Darstellung. 
Wir bemerken ausdrücklich noch, daß die Preisermäßigung 
ausschließlich für unsere Abonnenten gilt, und zwar nur bis zum 
20. Dezember dieses Jahres. — 
Misccllen. 
Ueber Mau Inkchri/ten. In Amerika — schreibt das Wochen 
blatt für Archit. u. Ingen. — legt man keinen Grundstein, sondern 
einen Eckstein (corner stone) und zwar in Gesichtshöhe (4—5' 
über dem Trottoir), auf welchem der Name des Baumeisters und 
event, noch anderer um den Bau verdienter Männer eingehauen 
ist. Bei der augenblicklich im Bau begriffenen Productenbörse zu 
New-Aork ist dies z. B. ein Granitquader, der in der Ansicht 
sauber polirt ist und die cingehauenen Namen in Vergoldung zeigt. 
Es liegt meines Erachtens kein Grund vor, weshalb diese 
amerikanische Sitte nicht auch in Deutschland eingeführt werden 
sollte. Wenn die Baumeister an Stelle des bisherigen Grund 
steins den entsprechend' vorgerichteten Eckstein zur feierlichen Legung 
bringen, so wird seitens der übrigen Betheiligten dagegen schwerlich 
ein Einwand erhoben werden. L. 
Die elektrische Mahn in Westend dürste, nachdem der ein 
fache Leitungsdraht durch eine Röhre ersetzt worden, in welcher der 
Eontactwagen läuft, demnächst wieder in Betrieb gesetzt werden. 
Dies System, wodurch dem Entgleisen und Herabfallen des Con- 
tactwagens vorgebeugt wird, hat sich in Paris vorzüglich bewährt 
und es steht zu hoffen, daß dies auch in Berlin der Fall sein 
werde. 
Die montanen Merhäktnisse der Mark. Aus Driesen 
schreibt man der „Landsb. Ztg." Die Herren Geheimrath 
Cramer und Bergrath Gellhorn, welche in ministeriellem 
Auftrage behufs Feststellung der ehemaligen sowohl als auch zeitigen 
montanen Verhältnisse die Mark bereisen, conferirten im 
Magistralsbureau mit Bürgermeister Neckling und Beigeordneten 
Modro zwecks derartiger Erhebungen, bei welcher Gelegenheit auch 
des Umstandes Erwähnung geschah, daß Kurfürst Joachim 
Friedrich im Jahre 1599 die sich an der Netze hinziehenden 
Höhenzüge von Carbe bis Vordamm durch Joachimthal'sche 
Bergleute, einen Steiger und 2 Gesellen, mit der „Wünschelruthe" 
(sie!) auf ihren Erzgehalt untersuchen ließ, welche sich denn auch 
an verschiedenen Stellen mehr oder weniger „neigete" und so das 
Vorhandensein von Roth-Gülden-Erz an drei, von Wciß-Silber- 
Erz dagegen an vielen Stellen andeutete, welche werthvollen Schätze 
bis auf den heutigen Tag leider noch ungehoben geblieben. Nach 
Hammer, dem ehemaligen Eisenwerke, 7—8 Klm. von hier, be 
gaben die Herren sich ebenfalls. — 
Geschichte der modernen Kunst, von der französischen Revo 
lution bis auf die Gegenwart, 1789—1882, von Adolf Rosen 
berg. Verlag von Fr. Wilh. Grunow in Leipzig. In Liefe 
rungen zu 2 Mark. Soeben ist die zweite Lieferung des auf etwa 
10 Lieferungen berechneten Werkes erschienen. Der Verfasser hat 
sich die Ausgabe gestellt, den Kampf der verschiedenen Richtungen 
innerhalb der modernen Kunst, wie er sich in den ersten Jahr 
zehnten unseres Jahrhunderts abgespielt hat, in charakteristischen 
Zügen auf historischem Hintergründe zu schildern, um dann in der 
Geschichte von 1880 ab bis auf die Gegenwart ein detaillirtes 
Bild von der Kunstentwicklung in Frankreich, Deutschland, Oestreich, 
Belgien und England, als den Hauptstätten derselben zu entwerfen. 
Neben der Malerei soll der Plastik und der Architektur ein 
gehende Aufmerksamkeit gewidmet werden. — 
ßin neues nalurgefchichttiches Mrachtwerk. Die Bruck- 
mann'iche Verlagshandlung in München versendet soeben die 
erste Lieferung eines neuen naturgeschichtlichen Prachtwcrkes „Die 
Säugcthiere in Wort und Bild" von Prof. Carl Vogt in Genf 
und Maler Friedrich Specht in Stuttgart. Das Werk erscheint 
in Folioformat und soll nach dem Prospekt in 25 Lieferungen 
a r/s Mark bis Weihnachten 1883 vollständig vorliegen. 
Der Text zeigt alle die Vorzüge, welche die Arbeiten des als 
scharfsinnigen Gelehrten wie als geistreichen Essayisten gleichge- 
schätzten Genfer Zoologen auszeichnen. Gleichweit entfernt von 
pedantischer Gelehrsamkeit wie von oberflächlichen Gemeinplätzen 
erfreut uns die volle, markige Ausdrucksweise des Autors durch 
das Vogt eigenthümliche Geschick, die Resultate ernster wissenschaft 
licher Forschung in einer leicht faßlichen und gefälligen, oft von 
einem feinen Humor durchwehten Form zu bieten. 
Ein gleiches Lob verdient der bildliche Theil, in welchem der 
bedeutendste naturwissenschaftliche Maler der Gegenwart — denn 
das ist Friedrich Specht — mit voller Wahrheit und leben 
diger Frische uns die Thiere, sie mit bewunderungswürdiger 
Charakteristik individualisirend, in ihrem Gemüth- und Familien 
leben vorführt, so wie sie sich im freien Zustande zwanglos be 
wegen, in Freud und Leid, in Haß und Liebe, und wie es der 
Künstler in emsigem jahrzehntelangen Studium dem Leben selbst 
abgelauscht hat. In kurzen Worten präcisirt geht unser Urtheil 
dahin, daß naturwissenschaftliche Illustrationen von so eminent 
künstlerischer Vollendung bis heute nicht existiren. 
Wir können jeder Familie, in der Sinn für Naturkunde 
herrscht, nur anrathen, die erste Lieferung von der nächstgelegenen 
Buchhandlung sich vorlegen zu lassen; die trefflichen Illustrationen 
werden auch auf den flüchtigen Beschauer bleibenden Eindruck 
machen, den bei größerer Aufmerksamkeit der geistvolle Text Carl 
Vogts nur zu erhöhen vermag. 
Inhalt. 
Meine erste Reise in Schlesiens Berge, Novell« von A. von Senken 
(Schluß); Die Roßfurt in Tangermündc, Zeichnung von Herm. Dietrichs; 
Aus alter Zeit, eine Erzählung von Heinrich Busch (Fortsetzung); 
Die Abreise König Wilhelms von Berlin am 31. Juli 1870, Zeichnung 
von Adolf Menzel; Das Königl. Stadtschloß in Potsdam (Fortsetzung); 
Wurst! Wurst! — wieder Wurst! (mit zwei Illustrationen); Unsere 
Wcihnachtsprämien; Ueber Bauinschriften; Die elektrische Bahn in 
Westend; Die montanen Verhältnisse in der Mark; Ein neues natur 
wissenschaftliches Prachtwerk; Für Kunst- und wissenschaftliche Zwecke 
Berlins; Von der Stadtbahn ic. Inserate. — 
Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Emil Dominik in Berlin W. — Verlag von Gebrüder Paetel in Berlin W. 
Druck: W. Moeser Hofbuchdruckerei in Berlin 8. — Nachdruck ohne eingeholte Erlaubniß ist untersagt.
	        
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