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Periodical volume 25. November 1882, Nr. 9

Full text: Der Bär Issue 9.1883

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in dieser oder einer anderen Form zur Ausführung gelangen wird 
und weil alsdann auch die jetzt noch stehenden Mühlengebäude, 
welche unsere Illustration zeigt, fallen werden, bringen wir noch 
etwas über die Geschichte dieser Mühlen. 
Dieselben gehören zu den ältesten Anlagen Berlins, die ur 
sprünglich der Landesherrschaft zustanden, im 14. Jahrhundert 
aber vom Rathe zu Berlin erworben wurden, dem sie dann wieder 
Kurfürst Friedrich II. zur Strafe für die Widersetzlichkeit gegen 
seine Anordnungen im Jahre 1448 abnahm. 
Zur Verwaltung der Mühlen und ihrer Gefälle wurden Woh 
nungen eingerichtet, woraus der „Mühlenhof" entstand, — den 
jetzt die Polizeipräsidialgebäude umschließen — auf dem für den 
Hof das nöthige Bier gebraut, die Viehmast, Schlächterei und 
Bäckerei betrieben wurde. Die Mühlenhauptleute übten eine 
gewisse Jurisdiktion über das zum Mühlenhof gehörige Territorium, 
über die Mühlenbeamten und die Oberspree, und später über aus 
wärtige, dem Mühlenhofe verliehene Besitzungen, woraus sich 
endlich das „Justiz- und Rentamt Mühlenhof" bildete, das 
sich ursprünglich in der Hand eines einzigen Beamten, des mark 
gräflichen Küchenmeisters befand. 
Urkundlich sind die „Mühlen" im Jahre 1285 zum ersten 
Mal erwähnt; später werden sie als „Berliner," „Klipp-," „Mittel-" 
und „Cöllnische" Mühlen bezeichnet. Die jetzt stehenden, burgähn 
lich mit Wachtthürmen und fast ganz aus Stein und Eisen ge 
bauten Mühlengebäude sind vom Baumeister Dannenberg auf 
geführt. — 
Hrußkand, Tand und Deute, unter Mitwirkung vieler 
deutscher und slavischer Gelehrten und Schriftsteller herausgegeben 
von Dr. Hermann Roskoschny. Mit 400 Abbildungen und 
zahlreichen Kunstbeilagen, Verlag von Greßner & Schramm 
in Leipzig. 40 Lieferungen zum Preise von 1 Mark für jede 
Lieferung. 
Rußland, unser großer Nachbarstaat, mit dem wir durch 
tausend Bande eng verknüpft sind, dessen politische, sociale und 
kommerzielle Verhältnisse wir mit dem größten Interesse und reg 
ster Aufmerksämkeit verfolgen, soll durch dieses Werk dem deutschen 
Publikum zum ersten Male in umfasiender Schilderung in Wort 
und Bild vorgeführt werden. Bisher ist die erste Lieferung er 
schienen, die eine Einleitung von Friedrich Boden st edt bringt 
und dann Moskau zu schildern beginnt. Eine Reihe hervorra 
gender Illustrationen — wir nennen nur „Kirche Wassili Bla- 
schenny in Moskau," „Russische Volksthpen," „der Kreml," 
„Moskau," „Saal im Terem des Kreml" — schmücken das Werk 
und machen dasielbe für Alle die, welche Rußland kennen oder 
kennen lernen wollen, ganz besonders für unsere Architekten und 
Officiere, recht empfehlenswerth. Wenn mehrere Lieferungen er 
schienen, kommen wir noch öfter auf dies hervorragende Prachtwerk 
zurück. — 
Die Kunstakademie. Bezüglich der Lage eines neuen Ge 
bäudes für die Kunstakademie enthusiasmirt man sich in Künstler 
kreisen — schreibt die Magd. Ztg. — noch immer für den Lützow- 
Platz, indem man diesen Enthusiasmus mit dem günstigen Licht 
und dem Hinweis motivirt, daß jene Gegend das sogenannte 
Künstler-Viertel von Berlin bildet. Da der Lützow-Platz auf 
Grund des Bebauungsplanes nicht bebaut werden soll, so dürfte 
sich jener Wunsch schwerlich realisiren. Aber auch für die Akademie 
ist ein Neubau dringend erforderlich, da unter den jetzigen Ver 
hältnissen besonders die Meister-Ateliers schwer zu leiden haben. 
Wer sich von den Zuständen, tvie sie in nothwendiger Consequenz 
des Raummangels seit Jahren in der Kunstakademie herrschen. 
! überzeugen will, der möge die Bibliothek besuchen. Dieselbe liegt 
im — Dachgeschoß und ist nur auf schmalen Treppen zugänglich; 
das Lesezimmer besteht aus einem kleinen, mangelhaft beleuchteten 
Raum, in dem mit Mühe und Noth drei lange Tische Platz ge 
funden haben, von denen übrigens der eine Tisch im Winter nur 
zur Hälfte zu benutzen ist, da die andere Hälfte in Folge der 
Hitze, welche der benachbarte eiserne Ofen ausstrahlt, permanent 
angeglüht ist. Vor der Thür des Lesezimmers liegen mehrere 
Klafter gespaltenes Holz, während an den Wänden des Corridors 
zahlreiche völlig verstaubte und halb zerbrochene Ghpsreliefs hän- 
gen. Das Ganze macht eher den Eindruck einer Dorfschule wie 
den der Bibliothek der Königlichen Akademie der Künste und 
Wissenschaften. Schnelle Abhilfe thut hier entschieden noth. 
Köthe's Werke, mit mehr als 800 Illustrationen erster 
deutscher Künstler, Deutsche Verlagsanstalt in Stuttgart, 
Lieferung 7—12. Die neue Prachtausgabe von Göthe's Werken, 
welche als Pendant zu der im gleichen Verlage erscheinenden 
Schillerausgabe in diesem Jahre ausgegeben ist, ist bis zu 
Lieferung 12 gediehen. Die Illustrationen von Wittig, Plockhorst 
und Wiesniesky stellen sich dem Besten an die Seite, was auf 
diesem Gebiete bisher erschienen ist. — 
Jung Mieze, Bilder aus einem Kinderleben von F. Werk 
meister. Mit Reimen von Viktor Blüthgen. Verlag der 
Photographischen Gesellschaft in Berlin. Das ist ein 
prächtiges Kinderbuch, das ich allen Müttern, die ihre kleinen 
Mädchen zum Christfest beschenken wollen, auf das wärmste 
empfehle. Der durch seine geistvollen Radirungen: „Ein Stückchen 
Eden" und „Die Kinderwelt" rühmlichst bekannte F. Werkmeister 
giebt uns diesmal in einer Reihe anmuthiger Bilder die Ent 
wickelung einer Kinderseele von den ersten Regungen des Geistes 
bis zu den Pforten der Schule. Mit ihm belauschen wir „Jung 
Mieze" in ihrem süßen Schlummer und ihrem ftohen Erwachen, 
bei ihren häuslichen Beschäftigungen und ihren Wanderungen 
durch Feld und Au. Wir sehen sie in den Armen der glücklichen 
Mutter in ihrem Bettchen mit den dicken Beinen lustig strampeln, 
an dem kleinen Daumen saugen, des Abends die müden Aeuglein 
schließen und des Morgens sich und ihre Puppe sauber waschen; 
dann unter Aufsicht der lieben Mama ihre ersten Studien und 
Gesangsübungen beginnen, endlich als angehenden Backfisch sich 
im Haus und Garten nützlich machen. Das Alles ist so wahr, 
natürlich und darum auch so poetisch dargestellt, von Viktor 
Blüthgen durch allerliebste Verse erklärt und von der Verlags 
handlung so geschmackvoll ausgestattet, daß gewiß alle Eltern mit 
Vergnügen das reizende Büchlein betrachten und auch kaufen werden. 
Weil die Bilder farbig sind, kann ich leider keine Jllustra- 
tionsprobe mittheilen, ich will darum wenigstens einen Probevers 
hier abdrucken: 
„Und wenn die Mieze spielen will, dann kommen sie herbei: 
Die eine ist die Jlsebill, die andre die Marei. 
Marie, Marei, Marluke, die kommt in einer Kucke; 
Die Jlsebill, das Täubchen, die kommt in einem Häubchen; 
Die Mieze trägt ein Mützchen süß und drauf ein rothes Bändchen: 
Da reden sie das, da reden sie dies, da schnattern sie wie drei Entchen." 
Inhalt. 
Meine erste Reife in Schlesiens Berge, Novelle von A. von Seilten 
(Fortsetzung); Aus alt-r Zeit, eine Erzählung von Heinrich Busch; 
Das Königl. Stadtschlvß in Potsdam (Fortsetzung) mit Illustration 
„Zimmer Friedrichs des Großen" von G. Theuer kauf; Wilhelm Spindler 
(mit Portrait); Aus Berlins Vergangenheit von Fr. von Hohenhausen; 
Friedrich Eberhard von Rochow; Die Königl. Mühlen (mit Illustration); 
Rußland; Die Kunstakademie; Waarenbörse; Canaria. Inserate. — 
Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Emil Dominik in Berlin W. — Verlag von Gebrüder Paetel in Berlin W. 
Druck: W. Mörser Hosbuchdruckerei in Berlin 8. — Nachdruck ohne eingeholte Erlaubniß ist untersagt.
        
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