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Volume 25. November 1882, Nr. 9

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue9.1883 (Public Domain)

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Als einer besonders glänzenden Episode in der Geschichte l 
unseres Schlosses während der Regierung König griebncfy’g I. ! 
mag hier des Besuches der Könige Friedrich IV. von Dänemark 
und Friedrich August von Polen Erwähnung geschehen. Beide 
Fürsten kamen auf Einladung König Friedrich's und hatten 
Potsdam zum Ort ihrer persönlichen Zusammenkunft gewählt. 
Am 2. Juli 1709 Nachmittags hielten die genannten Könige, deren 
Carosse die drei Markgrafen von Brandenburg voranritten, ihren 
Einzug über die Lange Brücke her, wurden vom Könige, der ihnen 
bis an den Wagen entgegen kam, feierlich unter dem unaufhör 
lichen Donner von 54 Geschützen empfangen und in ihre Zimmer 
geleitet. Der König von Dänemark bezog den damaligen rothen 
Saal an der Nordwest-Ecke des Pavillons am Lustgarten, der 
König von Polen das diesem entsprechende Zimmer im Nordost- 
Pavillon nach der Brücke zu. Fest reihte sich nun an Fest bis 
zum 9. Juli, an welchem Tage die Abreise der Souveraine von 
hier erfolgte. — Als ein besonders glückliches Friedenszeichen sah 
man es an, daß alle drei Könige den Namen Friedrich trugen, 
und für die Duldsamkeit in Glaubenssachen erschien es bedeutsam, 
daß jeder dieser Landesherren einer anderen Kirche angehörte und 
sie doch in so voller Harmonie mit einander lebten. 
Diesen festlichen Tagen folgten im Leben Friedrich's I. keine 
ähnlichen mehr, seine letzten Jahre wurden durch den, bald in 
Wahnsinn übergehenden Trübsinn seiner Gemahlin Luise Do 
rothea von Mecklenburg verdüstert und auch eigene Kränklichkeit 
mahnte immer ernster daran, daß die irdische Krone der ewigen 
weichen müsse. Am 25. Februar 1713 starb der König zu Berlin, 
und mit dem ganzen Preußenlande hat sich vor Allen Potsdam 
seiner dankbar zu erinnern. 
(Fortsetzung folgt.) 
Johann Julius Wilhrlm Spindler. 
(Hierzu das Portrait Seite 105.) 
Vor wenigen Wochen feierte das große Jndufirieetablifsement 
von W. Spindler in Berlin und Spindlersfeld bei Köpenick 
die Feier seines 50 jährigen Bestehens. Unser Blatt wird in 
einer der nächsten Nummern die Geschichte dieses weit über die 
Grenzen unseres Vaterlandes mit Achtung genannten Etablissements 
bringen, dessen Bedeutung die Zahl von 1500 gegenwärtig be 
schäftigten Beamten und Arbeitern am besten illustrirt, und giebt 
heute das Portrait und die Biographie des Begründers der 
Firma W. Spindler, des im Jahre 1873 verstorbenen Joh. Jul. 
Wilhelm Spindler. 
Derselbe war am 8. April 1810 in Berlin als der Sohn 
des Juweliers Martin Spindler geboren, welcher in der 
Friedrichstraße, nahe den Linden, ein Haus besaß, in dem sich 
später die bekannte Logier'sche Buchhandlung befand. Nach voll 
endetem Schulbesuch kam er zu dem Seidenfärber Chassang, 
welcher in der Breitenstraße sein Geschäft hatte, in die Lehre und 
wanderte nach beendeter Lehrzeit, wie ein noch erhaltenes Wander 
buch ausweist, vom Jahre 1828 ab durch Deutschland, Oestreich, 
die Schweiz, ja sogar nach Oberitalien, um sich in seinem Kunst- 
Handwerk in bester Weise zu vervollkommnen. 
Zu Anfang des Jahres 1832 kehrte er nach Berlin zurück, 
und legte am 1. Oktober 1832 in dem Hause Burgstraße 3 
eine bescheidene Färberei an. Der erst Zweiundzwanzigjährige ! 
hatte sich ordentlich in der Welt umgesehen, hatte Muth und 
Vertrauen zu sich gewonnen und benutzte zur Begründung seines 
Etablissements ein kleines, von seiner Großmutter stammendes ! 
Erbtheil. 
Der junge Färbermeister strebte vom ersten Augenblicke an 
mit aller Kraft und Energie seinem Ziele zu, seine Anstalt so be 
deutend wie möglich zu machen. Seine Färberei war nur klein, 
denn sie bestand nur aus einer Kellerlokalität, welche sich unter 
dem Vorderhause hinzog und sich in dem schmalen Hofgebäude 
fortsetzte. Hier hatten die wenigen Utensilien, die dem damaligen 
Standpunkt der Färberei entsprachen, die beiden großen ein 
gemauerten Kupferkessel, die Fässer und Kiepen, Klopf- und Ring 
hölzer Platz gesunden, während die zum Spülen der Färbstücke 
eigens erbaute Waschbank vor dem Hause in der Spree Auf 
stellung erhielt. 
Es war ein wunderbar idyllisches Fleckchen Erde, jenes nach 
den Mühlen zu führende Stückchen der Burgstraße, welches von 
der Kursürstenbrücke ab die ersten sieben Häuser umfaßte und jene 
noch heute existirende Sackgasse bildet, von welcher der Volkswitz 
sagt, daß „hier die Welt mit Brettern vernagelt sei." Die Spree 
hatte hier das klarste Wasser und das stärkste Gefälle, darum war 
hier das Eldorado der Färber. Und unter diesen wurde Wilhelm 
Spindler schon im Laufe des Jahrzehnts der bedeutendste und 
I angesehenste. 
Zu Anfang der vierziger Jahre erwarb er das Grundstück 
Wallstraße 12, in dem sich heute noch das Hauptkomtoir der 
Firma befindet, legte hier eine Dampffärberei an und vervoll- 
Räume zu klein für das sich immer mehr ausbreitende Unternehmen 
wurden, kaufte Wilhelm Spindler im Jahre 1871 ein mächtiges, 
am linken Spreeufer unterhalb Köpenick gelegenes Areal von mehr 
als 200 Morgen Ausdehnung und gab dem hier errichteten Eta- 
blisiement den Namen „Spindlersfeld". 
Mit dem Jahre 1873 war Alles soweit fertig, daß die 
Uebersiedelung beginnen konnte. Kaum aber hatte man die Ein 
weihung des neuen Etablissements gefeiert, da traf plötzlich — 
vier Tage nach der Feier — den rastlosen Begründer der Firma 
im Alter von 63 Jahren der Schlag, und der Tod entriß ihn 
den Seinen. 
Seine Söhne William und Karl führten das Unter 
nehmen weiter. 
Wilhelm Spindler hatte zweimal gehcirathet, einmal im 
Jahre 1833 und dann im Jahre 1841. Der jetzige Alleinbesitzer 
der Firma, Kommerzienrath Karl Spindler, stammt aus 
der zweiten Ehe des Vaters. — 
Äus Scrlins Vergangenheit. 
Erinnerungen von Fr. von Losievllaiilrn 
In dem alten Schlosse unserer Fürsten, das eine Reihe von 
Dachstuben enthält wie ein Bürgerhaus, lebte und starb vor eini 
gen Jahrzehnten eine sehr merkwürdige Dame, eine Reliquie aus 
Weimars Glanzepoche, Charlotte von Kalb, die einst als 
„Titanide" berühmt war und in Schillers Leben eine große 
Rolle spielte. 
Man hatte ihr diesen Beinamen gegeben, weil sie eine Feuer 
seele besaß und eine Himmelsstürmerin war. Alt, arm und blind wurde 
sie von ihrer ebenfalls schon bejahrten Tochter die zahllosen Stufen 
des Berliner Schlosses hinaufgeleitet, um in den übrigens sehr be 
quemen und geräumigen Dachstuben desselben, königliches Gnaden- 
brvd zu essen, welches ihr durch Vermittlung ihrer Tochter ge 
währt wurde. Letztere war Hofdame bei der Prinzessin Wilhelm 
von Preußen, einer geborenen Prinzessin von Homburg, die zu 
Napoleons Zeiten eine so edle patriotische und heroische Rolle 
spielte, später sich als Beschützerin und Verehrerin von Kunst und 
Wissenschaft auszeichnete. 
Bekanntlich gehörte auch Frau Paalzow, geborene Wach zu 
ihren Schützlingen. Das Erstlingswerk derselben, „Godwie-Castle", 
von den damaligen Berlinern „Gott wie köstlich" genannt, hatte
	        
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