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Volume 25. November 1882, Nr. 9

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue9.1883 (Public Domain)

mächtige Gardinen von blauem Sammet, die Decken waren von 
rothem Atlas mit goldenen und silbernen Franzen verziert, oben 
auf waren über 4 großen Sammetknöpfen Panachen von Straußen 
federn angebracht, an den Füßen befand sich eine Rolle von rothem 
Atlas mit rother Double-Leinwand überzogen. Außerdem lagen 
in dem Bette 2 wohlriechende Kiffen mit rothem Seidendamast 
überzogen, 2 weiß parchentne Matratzen und ein eben solcher runder 
Pfühl, alles mit weißem Atlas überzogen. Die übrige Einrichtung 
des Zimmers war diesem Bette ganz entsprechend: 4 Armlehn- 
stühle mit blauem Sammet und goldenen und silbernen Franzen, 
4 eben solche einfache Lehnstühle, 4 eben solche Tabourets und 
4 dergleichen Tischdecken, ein Betschemel mit carmoisinrothem Plüsch 
nebst Jnterims-Ueberzügen von blau moirirtem Sammet und eben 
solchen Kissen dazu, ein mit gleichem Stoff überzogenes Fußbänkchen 
und ein Kammerstuhl mit blauem Sammetbezuge. Ferner stand 
dort ein Englisches Büreau mit Nußbaum-Fournieren und messingenen 
Handgriffen, in den Thüren des Aufsatzes 2 Spiegel, die Schreib 
platte mit grünem Sammet beschlagen; ein sogenanntes Cabinet 
mit Fournieren von Schildpatt und Elfenbein, woran 4 ovale 
Schilder, in jedem eine Chiffre mit dem Kurhut; ein viereckiger 
Schreibtisch, schwarz lackirt mit Gold, oben mit carmoisinrothem 
Sammet beschlagen, 13 Schub 
fächer enthaltend; ein kleiner vier 
eckiger Nachttisch, roth und gold 
lackirt auf einem Fuß von Schild 
patt und Elfenbein; auf gleichem 
Fuß ein Theetisch, schwarz und 
golden lackirt mit Blumen und 
Figuren; eine Englische Repctir- 
uhr, das Gehäuse reich mit Elfen 
bein ausgelegt, mit geschnitztem 
braunen Aufsatz, auf dem sich 
vier vergoldete Kugeln befanden; 
ein Wetterglas auf Nußbaum 
gestell mit 4 messingenen Füßen. 
Außerdem waren in diesem Schlaf 
zimmer noch folgende Kleidungs 
stücke: ein Paar grüne Pantoffeln, 
ein Kammbürstchen, ein weißes 
Atlas-Camisol, eine Nachtjacke 
von Marseiller Seide, ein Schlaf 
rock von grün-weißer Seide mit Silberstreisen, Kragen und Auf 
schläge mit rother und Seladon-grüner Seide doublirt, ein Schlaf 
rock von weißem Cachcmir mit goldenen und rothen Blumen 
durchwirkt und mit rothgeblümtem Atlas doublirt, ein Kammfutter 
Von grünem rnoiree mit goldenen Spitzen rundum, dazu ein Spiegel, 
eine Puderschachtel, eine Kleiderbürste, eine weiße Atlas-Nachtmütze, 
ein Toilettenspiegel in Schildpatt-Rahmen. 
Dieser kostbaren Einrichtung des Schlafzimmers entsprechend 
war die aller übrigen Gemächer und Säle. Es würde zu weit führen, 
diese alle in gleicher Ausführlichkeit zu beschreiben, wie es hier ge 
schehen ist, um einen Blick in den luxuriösen Geschmack der dama 
ligen Zeit zu thun und auf die Ausstattung anderer Zimmer schließen 
zu können. Vorausgreifend mag hier die Bemerkung Platz finden, 
daß König Friedrich Wilhelm I. bei Umgestaltung der inneren 
Einrichtung des Schlosses nach seinem Geschmack das ganze Ameuble 
ment des eben beschriebenen Schlafzimmers entfernte und größesten 
Theils verschenkte, die meisten Stücke an seine Generale, die oben 
erwähnte kostbare Uhr an das Lazarclh in Glineke. — 
Kehren wir »ach dieser kurzen Abschweifung zu dem Bau des 
Schlosses zurück. Der Um- und Ausbau des Hauptgebäudes war voll 
endet und, nachdem Grünberg gestorben war, erhielt nunmehr de 
Bodt, der Vollender des Berliner Zeughauses, den Auftrag, den Hof 
nach Norden hin durch einen, zwar im Sinne des großen Kurfürsten 
gehaltenen, aber viel ausspruchsvolleren Portalbau zu schließen. 
Der Einfahrt zu beiden Seiten sollten die Wachtstuben und über 
diesen kleine Wohnungen mit den dazu gehörigen Treppen ange 
legt werden, de Bodt führte alles Untere im alla rustica Styl 
aus; um das Thor prächtiger zu machen, thürmte er über das 
flache Kreuzgewölbe der Durchfahrt eine auf 4 jonischen Säulen 
ruhende Kuppel und unterstützte diese zum Tragen zu schwache 
Säulen durch 4 außen angefügte Bündel jonischer Pilaster, deren 
Zweck, Hülfe zu leisten, nur zu deutlich wird, obwohl der Architekt 
von ihren Häuptern, gleichwie von den herausspringenden Ecken 
ihrer Basis Trophäen tragen ließ, welche, wie die nach dem Hofe 
hingekehrten der Dachbalustrade, von dem Bildhauer Charpentier, 
dem Zeitgenossen Schlüters, herrühren. Die zwischen jene 
4 Pfeilermassen geklemmte und sichtlich nicht getragene, sondern nur 
gehaltene Kuppel des Portals empfing in ihrem Dache eine Uhr, 
die später nach dem Waisenhause gekommen ist; als Aufsatz aber 
jenen wunderlich umgestülpten Blumenkelch, welcher auf der Spitze 
des nach oben gekehrten Stieles eine Kugel trägt, worauf die 
Glücksgöttin sich nach dem Winde dreht, wie wir dies Alles noch 
heute sehen. 
Die Glücksgöttin scheint übrigens nicht ohne Bezug zum 
Schmuck des Schloßportales ge 
wählt worden zu sein; fiel doch 
der Bau in eine Zeit, wo sie sich 
dem Kurfürsten besonders günstig 
zeigte, denn eben waren alle Hin 
dernisse beseitigt, welche der Er 
füllung seines stolzen und folgen 
reichen Planes sich entgegengestellt 
hatten. Nachdem er sich und seine 
Gemahlin am 18. Januar 1701 
mit der Königskrone geschmückt 
hatte, kehrte er als erster Preußen- 
könig in feierlichem Zuge nach 
Berlin zurück, dann aber, im 
März desselben Jahres, eben als 
sich der Bau des Schloßporlales 
vollendete, zog er über Span 
dau und Nedlitz in Potsdam 
ein. Nunmehr erhielt das Por 
tal folgende Inschriften unter 
halb der Glücksgöttin, nämlich nach der Schloßseite: 
Fridericus Rex Boruss. Opt. Max. quum Reg. Dignitate 
domum Aug. Primus Deo Ausp. illustrasset 
hoc Palat. in Augustiorem formam erigi jussit 
MDCCI. 
und nach der anderen Seite: 
Fridericus Rex Boruss. P. P. Aug. inter alias substruct. 
Magnif. Prätorium a Divo P. an extruct. 
nova Porta aniplificavit An. Nov. Sec. et Regn. Pruss. I. 
Auch dem Lustgarten wandte der neue König große Sorgfalt 
zu und gab ihm zuerst die Ausdehnung, die er noch heute hat, 
indem er nach Südwesten hin mehrere, nach dem Kiez hingehörige. 
Wiesen ankaufte und verschiedene Einbuchtungen der Havel zn- 
schüttcn ließ, außerdem aber 39 wüste Bürgerstellen in denselben 
hineinzog, deren Besitzer indeffen durch Aecker nahe der Pirschhcide 
entschädigte. Im Osten gewann er ein bedeutendes Terrain der 
Havel ab, indem er in der Fluchtlinie der östlichen Seite des 
Schlosses einen Pfahldamm in den Strom führen ließ und so einen 
Hafen für seine Lustschifse, das jetzige Neptuns-Bassin, bildete. 
Den so erweiterten Lustgarten ließ der König durch Blumenpar- 
guetts und schattige Laubgänge, sowie reichen Schmuck von Statuen 
verschönern, auch dafür sorgen, daß die Wasserkünste seines erlauchten 
Vaters erhalten und auf die neuen Partien ausgedehnt wurden. 
Dir Königlichen Mühlrn. (S. Seite 115.)
	        
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