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Periodical volume 18. November 1882, Nr. 8

Full text: Der Bär Issue 9.1883

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Per Maine Merlin. Außer der Haupt- und Residenzstadt 
Berlin giebt es gleichen Namens: 
Berlin im Kreise Neustadt (Westpreußen), Berlin im Kreise 
Schleswig, Berlin im Kreise Seegeberg (Schleswig-Holstein), Berlin 
zur Stadt Kreis Sternberg, Berlin, Neu, Kreis Jnowraclaw, Ber- 
linchen im Kreise Ostpriegnitz, Berlinchen im Kreise Schwetz, Ber- 
linchen im Kreise Soldin. Ferner ein Berlinchenfeld im Kreise 
Soldin, ein Berlinerau im Kreise Segeberg, ein Im Berlinerhof 
im Kreise Mettmann und endlich ein Berlinersoll im Kreise Nau- 
gard. 8. D. 
Zur Erklärung des Artikels Zeitungsente diene Fol 
gendes : Die holländischen Schiffer brachten von ihren Nordlands 
fahrten die Erzählung mit, daß es im Norden Vögel gebe, die 
man Stockenten nenne und, über welche es in Egede's Beschrei 
bung von Grönland heißt: „Sie werden nicht durch eine Begat 
tung zwischen Männchen und Weibchen erzeugt, sondern sie ent 
stehen auf eine gar seltsame Art, aus einer schleimigen Materie 
auf dem Meere, welche sich an alte Stücke Holz, die seit langer 
Zeit auf dem Wasser herumtreiben, ansetzt. Auf selbigem erzeugt 
sich zuerst eine Art von Muschel oder Schale und nachher ein kleiner 
Wurm, welcher mit der Zeit die Gestalt eines Vogels annimmt." 
In Sebastian Münster's Kosmographie ist aus dem Stück Holz 
bereits ein Baum geworden, der an den Küsten wächst und Früchte 
trägt, welche, eingehüllt in die Blätter, „zur richtigen Zeit in's 
Meer fallen, da dann die Entchen auskriechen", was ein beigegebener 
Holzschnitt veranschaulicht. Der Uebersetzer Egede's führt in einer 
Anmerkung eine Abhandlung über diese Entenmuscheln (Conchae 
anatiferae) an, sucht aber, wie schon der Jesuit Kircher in seiner 
„Unterirdischen Welt", eine natürliche Erklärung der wunderbaren 
Thatsache, die von „sehr vielen zuverlässigen Schriftstellern" berich- 
. tet, von „einigen scharffinnigen Personen als eine fabelhafte Er 
zählung oder ein Märlein" angesehen wird. Wieviel die Welt 
in den verflossenen Jahrhunderten sich mit dieser Ente beschäftigt 
hat, die Vielen gleichbedeutend war mit Lüge, hat Max Müller 
in Oxford nachgewiesen. Er verfolgt die sogenannten Bernakel- 
gänse, aus Muscheln auf angetriebenen Baumstämmen entstanden, 
bis in das dreizehnte Jahrhundert zurück. Die Küsten Irlands, 
Schottlands und Englands sind die Schauplätze, von denen die 
ältesten Berichte lauten, welche dann nach Holland und Deutschland 
kamen. 8—n. 
Mrinz Wilhelm arbeitet jetzt mit dem Ober-Präsidenten der 
Provinz Brandenburg, Staatsminister Dr. Achenbach, und zwar 
täglich des Vormittags von 9—11 oder auch des Nachmittags, 
je nachdem die Geschäftszeit des Oberpräsidenten nicht anderwärts 
in Anspruch genommen ist. Es sind, so schreibt die „Post", nicht 
etwa akademische Vorlesungen, welcher diese hohe Beamte dem 
Prinzen als Fortsetzung seiner Rechtsstudien hält, sondern der Zweck 
dieser Vorträge ist der, dem Prinzen an der Hand der Praxis eine 
eingehende Uebersicht über die verschiedenen Zweige der Staats 
verwaltung, über ihre Bedeutung, ihre Abgrenzung und ihre Ziele 
zu verschaffen, in der Art, daß sich unter den Sachen, die dem 
obersten Beamten der Provinz zur Entscheidung vorliegen, an die 
Erörterung des concreten Falles eine systematische Entwickelung der 
einschlägigen Verhältnisse ihres Werdens in der Vergangenheit, wie 
ihres Bestehens in der Gegenwart anreiht, um so den Prinzen in 
die Staats-, Provinz-, Bezirks- und Gemeindeverhältnisse einzu 
führen. Namentlich werden ihm dabei die Selbstverwaltung, die 
Steuer- und Wirthschaftsmaterien näher gebracht werden. Diese 
receptive Thätigkeit soll sich zur productiven erhöhen in der Weise, 
daß der Prinz selbstthätig formulirt, später in einer Sitzung einen 
Vortrag und in einem höheren Verwaltungskörper zur Entscheidung 
den Vorsitz übernimmt. Diese Thätigkeit wird den ganzen Winter 
ausfüllen und ist in ihr auch der Grund der Verlängerung des 
Commandos beim Garde-Husaren-Regiment zu suchen. Da während 
des Winters der Dienst innerhalb der Escadron für den Chef 
weniger von Belang ist, als während des übrigen Halbjahrs, so 
wird Prinz Wilhelm in den Wintermonaten nur an den Officier- 
Reitstunden des Garde-Husaren-Regiments theilnehmen. — 
Möse Sieben ist ein vielgebrauchter Ausdruck für ein böses 
Weib; die Wenigsten, die ihn anwenden, wissen aber, woher er 
rührt. Sein Ursprung ist dieser: Die Sterndeuter theilten das 
ganze Himmelsgewölbe, soweit es in der Geburtsstunde sichtbar 
war, in zwölf Abtheilungen, die sogenannten Häuser, deren jedes 
eine besondere Bedeutung hatte. So hieß die erste Abtheilung das 
Haus des Lebens, die zweite das Haus des Reichthums u. s. f. 
Die siebente Abtheilung war das Haus der Ehe; führt nun 
Jemand eine unglückliche Ehe, so ist er mit einer „bösen Sieben" 
behaftet. 
Zu „Kaiser Karolus sein beket Meerd". Wir sangen in 
der Mark als Kinder: 
„Kaiser Karolus hat einen Hund, 
Der war kunterbunt; 
(oder auch) hat ihn genannt mit seinem Mund 
Wie hieß der Hund! 
Auch hier in Schlesien singen die Kinder es. 
C. B. 
§. Keymons: Kduard von Kartmann. Erinnerungen aus 
den Jahren 1868 bis 1881. Mit Ed. v. Hartmann's Portrait. 
4 Bogen. Preis 1 Mark. 
C. Heymons hat in diesen Aufzeichnungen „Erinnerungen an 
eine langjährige Freundschaft und an eine gemeinsame Thätigkeit" 
Mittheilungen über sein Leben, seine Krankheit, seine erste und 
zweite Frau gemacht, welche gewiß allen Freunden des geistvollen 
Denkers willkommen sein werden. Auch sämmtliche von Hartmann 
verfaßten Werke werden hier verzeichnet und deren buchhändlerische 
Erfolge konstatirt; so erfahren wir, daß die „Philosophie des Un 
bewußten" acht Auslagen erlebte, die erste von 1000, die zweite 
von 1250, die dritte, vierte, fünfte, sechste von je 1500 Exemplaren, 
die siebente von 1750, die achte von 1250, und zwar. in dem 
Jahrzehnt von 1868—78: ein in der philosophischen Literatur 
seltener, wohl einziger Erfolg. Das Schriftchen ist zwar inspirirt 
von freundschaftlicher Zuneigung zu dem Philosophen, aber doch 
ohne Ueberschwänglichkeit abgefaßt. 
Sricf- und Frageknstru. 
Frage: Woher stammt die Redensart „Er kommt wie Seebach um 
die Klöße!" 
C. B. Wegen des Gedichtes empfingen wir aus unserm Leserkreise 
keine Auskunft. Abzählverse und Alles, was darüber bekannt, brachte 
„Bär" 1881 Seite 395 und 520. 
C. T. Friedrich Wilhelm II. ist in Prenzlau geboren, wie 
man uns schreibt. Nach Ihren Mittheilungen ist ferner Joachim Fried 
rich in Berlin geboren, cs. Hendriich, derer die Mark zu Brandenburg 
betreffenden Sachen. Berlin 1681 Theil II. Buchstabe 6. Joachim I. 
und Johann Georg in Berlin und Joachim II. wahrscheinlich in 
Stendal oder Frankfurt a/O. cf. Haftiz, Renschel und Angelus. 
Inhalt. 
Meine erste Reise in Schlesiens Berge, Novelle von A. von Senten 
(Fortsetzung); Heinrich von Kleist (mit 2 Illustrationen, Portrait und 
Grabstätte am Wannsee) von E. D.; Märkische Ortsnamenforschungen I. 
von R. Lutter; Das Königl. Stadtschloß in Potsdam von Polizei 
präsident von Cngclcken (Fortsetzung); Momentphotographie der Leipziger- 
straße in Berlin; Der Name „Berlin"; Zeitungsente; Prinz Wilhelm; 
Böse Sieben; Kaiser Karolus hat einen Hund; Königl. Schauspielhaus re. 
Brief- und Fragekasten. Inserate. 
Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Emil Dominik in Berlin W. — Verlag von Gebrüder Paetel in Berlin W. 
Druck: W. Moeser Hofbuchdruckerei in Berlin 8. — Nachdruck ohne eingeholte Erlaubniß ist untersagt.
        
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