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Volume 10. März 1883, Nr. 24

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue9.1883 (Public Domain)

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wie Miene. — Dieselbe Kulör in Jrün.*) — Mir is allens piepe 
oder schnuppe oder Pomade oder Wurscht (gleichgültig). Die Ecke 
der Jäger- und Oberwallstraße heißt daher „die gleichgültige Ecke," 
weil bei Treu und Nuglisch Alles „Pomade," bei Niquet Alles 
„Wurscht" und bei Landsberger Alles „Jacke wie Hose" ist. 
Zeit. — 'Ne geschlagene halbe Stunde. — Alle Nase lang 
(jeden Augenblick). — In eens weg (ohne Unterbrechung). — Alle 
Jubeljahr 'mal (sehr selten). — Nachtschlafende Zeit (sehr spät 
Abends oder sehr früh Morgens). — Det dauert ja 'ne halbe 
Ewigkeit. — Ewig un drei Dage. — Dabei kann Een'n Zeit un 
Weile lang wer'n. — Festtage. Man muß de Feste feiern, wie 
se fallen (d. h. Alles mitmachen). — Blauer Montag; blau machen 
(nicht arbeiten). Engl. 8aint Monday, wozu ein Irländer be 
merkte: This saint’s anniversary happens every week. (Der 
Jahres - Tag dieses Heiligen fällt wöchentlich). In Nordeng 
land heißt dieser Tag: Oobdler's Monday (Flickschuster - Montag). 
Noch Einiges. — Wenn Jemand nicht Lust hat, eine ihm 
lästige Auskunft zu geben, dann sagt er: „So fragt man'n Bauer 
aus." Engl, bedeutet to pump: ausholen oder ausforschen. Da 
her dann die Entgegnung: tb« pump is dry, auf Berlinisch: De 
Plumpe jibt keen Wasser d. h. Wollen Se mir ausfragen? Da 
wer'n Se keen Jlück mit haben. — Verschwinden: — Ver 
duften; engl, to evaporate. Sich verkrümeln oder dinne machen. 
— Ernste Mahnung: — Vater (sehr gerührt beim Abschied vom 
Sohne, der aus die Wanderschaft geht): Willemken, sei jut, sei 
brav — un allens! — Schreib Dir det hinter de Ohren (merke es 
Dir)! Engl, put tdat in your pipe and smoke it, d. h. laß Dir 
das eine Warnung sein. 
Doch wir müssen schließen, — „wenn schon, denn schon!" — 
Und wir begrüßen den Schluß als etwas lange Erwartetes mit: 
„Hurrah, de Enten!" 
Der Leser aber soll doch das allerletzte Wort haben: „Sie 
haben ja so Recht!" Engl, right you areI „Der Mann hat Recht 
— schmeißt'» raus!" 
Miscelien. 
Zum Martinsfest. Verspätet fand ich Ihren Wunsch — 
so schreibt man uns — über die Feier des Martinssestes in 
deutschen Städten etwas Näheres zu erfahren. Ich glaube in 
ganz Thüringen wird der 10. November gefeiert, ganz besonders 
aber in Erfurt, der Stadt, wo Luther einen so wichtigen Theil 
seines Lebens zubrachte. 
Sobald es dunkel wird, entfaltet sich dort ein reges, eigen 
artiges Schauspiel, die Fenster werden illuminirt mit von innen 
erleuchteten Kürbissen, in deren Oberschale allerhand Gesichter und 
Namenszüge eingeschnitten find, Lichtchen und bunte Lampen. 
Es füllen sich die Straßen alsbald mit frohen Kinderschaaren, 
denen die Erwachsenen sich zugesellen, auch diese tragen bunte 
Papierlampen und Kürbisse. Sie durchziehen die Stadt, uralte, 
dort gebräuchliche Lieder singend, von denen aus der Erinnerung 
einige Proben hierbei folgen: 
Martin, Martin, Martin war ein braver Mann, 
Zündet 1000 Lichter an, daß er oben sehen kann, 
Was er unten hat gethan. 
Nach derselben Melodie ein anderer Text lautet: 
Kinkak, Kinkak, für 'nen Dreier Schnupftabak, 
Schneidt' der Gans das Bein ab, 
*) Beruht auf der Anekdote von dem Juden, der mit einem blauen 
Lappen in einen Laden kommt und fragt: Haben Sie nicht dieselbe 
Kulör in Grün? 
Schneidt's ihr nicht so rein ab. 
Lasset noch ein Stümpfchen dran, 
Daß sie noch gewatschten kann. 
Desgleichen: 
Kinkak Martine 
Schlacht mein Vater Schwiene, 
Kommt der Metzcher angestochen, 
Mit 'nem ollen Schwieneknochen. 
Weniger anständig noch als die vorigen ist das: 
Kinkak, Kinkak, 
Für 'nen Dreier Schnupftabak, 
Für die alten Weiber, 
Für die alten Donnerkatzen. 
Als ich noch klein war, war das Martinsfest ein Kinderfest 
und völlig konfessionslos, denn die katholischen Kinder nqen, 
immer nach derselben Melodie, dafielbe wie die evangelischen z)er 
Zusammenhang jener Liedchen mit dem Tage ist leicht verständlich. 
Ter Schluß war zumeist ein feierlicher: auf dem „Grad(n", 
dem großen Platze vor dem Dom, welcher dem großen Braiide 
bei der Belagerung seinen Ursprung verdankt, schaarten sich die 
Seminaristen und noch viele andere Menschen, warfen die bunten 
Lampen zu einem großen Freudenfeuer zusammen und sangen beim 
flackernden Scheine desselben, daß es weithin durch die dunkle Nacht 
scholl, das: 
Eine feste Burg ist unser Gott, 
des großen Reformators Schlacht- und Trostlied. 
Johannes von Dewall. 
Johann Aattilka de Saka. Zu Anfang des siebenzehnten 
Jahrhunderts war Johann Battista de Sala nach Nicolai's 
Angabe ein vielbeschäftigter Baumeister in Berlin, nach dessen Tode 
(1621) für die kurfürstlichen Bauten geeignete Architekten nicht 
mehr zu finden waren. Ueber seine Herkunft ist nichts Zuverlässi 
ges bekannt, weshalb eine Notiz des Prager Conservators Baum 
nicht ohne Interesse ist, die sehr wahrscheinlich einen Bruder des 
Berliner Baumeisters betrifft. In den „Beiträgen zur Biographie 
einiger, ehemals in Prag thätig gewesener Baumeister u. s. w. 
(enthalten in den Mittheilungen des Architekten- und Jngenieurver- 
eins für Böhmen 1882) erwähnt Baum ein Aktenstück vom 2. Mai 
1591, Worin Franciscus Anostali de Sala den Herrn Bürger 
meister und die Herren (von Prag) um die Ertheilung des Bür 
gerrechtes bittet. Wegen der weiten Entfernung seines Geburts 
ortes konnte derselbe nicht die nöthigen Dokumente beibringen und 
stellte deshalb drei Bürgen, darunter den Herrn Meister Ulrich 
Anostali de Sala, Sr. kaiserl. Majestät Baumeister auf dem Prager 
Schlosse. Die Zeugen sagen aus, daß Antonio de Sala zu seiner 
ehelichen Hausfrau Magdalena de Sala genommen habe, daß 
dieselben in Sonoza getraut und in ihrer Ehe außer dem Bür 
gerrechtsbewerber Franz noch andere Kinder gezeugt haben. 
Wir haben es hier also anscheinend mit einer ausgedehnten ita 
lienischen Architektenfamilie zu thun, deren eines Mitglied, Johann 
Battista um 1590 nach Berlin gekommen ist. 
Unverlangte Manuskript« werden niedt zurückgesandt. An 
fragen re. ist stet» da« Porto In Marken für die Antwort beizufügen. 
Inhalt. 
Meine erste Reise in Schlesiens Berge, Novelle von A. von Senken 
(Fortsetzung); Das königliche Stadtschloß in Potsdam, von seiner Entste 
hung bis auf die neueste Zeit vom Polizeipräsident von Engelcken 
(Fortsetzung); Tangermünde, Zeichnung von H. Dietrichs; Voltaire's 
Gedenktafel von einem Provinzialen; Baurath James Hobrecht (mit 
Portrait) von P. Walle; Die Berliner Sprache, mit Seitenblicken auf 
die englische Volkssprache, von einem Berliner, dritter Artikel; Jagdbilder 
aus der Mark 3. von L. Beckmann; Zum Martinsfest von Johannes 
von Dewall; Johann Battista de Sala; Rcichstagsbau; Berliner Mu 
seumsbauten; Silberne Hochzeit; Die Denkmäler der Gebrüder Humboldt. 
Inserate. — 
Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Emil Dominik in Berlin W. — Verlag von Gebrüder Paetel in Berlin W. — 
Druck: W. Moeser Hofbuchdruckerei in Berlin 8. — Nachdruck ohne eingeholte Erlaubniß ist untersagt.
	        
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