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Periodical volume 20. November 1880, Nr. 8

Full text: Der Bär Issue 7.1881

vii. Jahrgang. 
Nr. 8. 
Unter Mitwirkung von: C. Aitieri, £. ürunotd, Pros. Dr. ©rorj üiichmann. Pros. Dr. p. Lasset, Stadtarchivar Fiditin, Theodor Fontane, 
ssudovica HeseKiek, Dr. L. Horn, Dr. Hermann Hletkc, Ferd. LUeacr, Dr. Ferd. Pflug, Dr. H. proisir, u. Lchiitmann, Direktor 
Wilhelm Lchwartz in Posen, Archidiakonus Schwebet in Cüstrin, Stadtrath Xtiolf Sircriifufi, Heinrich wagener in Potsdam ec. 
herausgegeben von Ernst Friedet und Euiil Dominik. 
Berlin, 
de» 20. November 
: 1880. 
Die Zeitschrift erscheint wöchentlich regelmäßig am «onnabend, kostet vierteljährlich 2 Mark, und ist durch alle Buchhandlungen, Zeitungsspcdittonen und Postämter, sowie durch 
die Expedition, Berlin W., Liitzowstraße 7, zu beziehen. — Literarisch- Beiträge sind an di- Redaction des „Bär", Berlin \V., Liiyowftraße 7, zu senden. — Inserate, pro 
2 gejp. Petitzeile 40 Pfg., «erden von allen Annoncenexpeditionen sowie von der Verlags-Buchhandlung entgegengenommen. 
L'ottchcn Lindholj. 
Eine Berlinische Geschichte aus dem 17. Jahrhundert von Luilomm Leset,iel. (Fortsetzung.) 
Das ununterbrochene Feuer schwieg einige Augenblicke, 
da zeigte sich am anderen Ende des Lagers plötzlich eine Be 
wegung. Derfflinger wurde aufmerksam und sandte einen 
Offizier ab, um zu sehen, was es gäbe. Aber auf halbem 
Wege kehrte er um, begleitet von einem Reiter-Offizier im 
blauen Rock, hohen Stulpstiefeln, den mit einer Borte um 
säumten Fcderhut etwas 
schief auf der Perrücke. 
„Was giebts, Ritt 
meister Lindholz," ries der. 
Feldmarschall dem An 
kommenden entgegen. 
„Der Feind versucht 
einen Ausfall, Excellenz," 
meldete Andreas Lind 
holz. 
„Cavallerie oderJn- 
fanterie?" 
„Beides, Excellenz!" 
„Holla, da muß ich 
dabei sein," rief Derff 
linger, in beinahe jugend 
lichem Feuer aufwallend. 
Das ganze Lager 
kam in Bewegung, Com- 
mandorufe flogen hin und her, die Ausfallenden trafen auf einen 
unerwarteten Widerstand. Der Rittmeister Lindholz hatte die 
verdächtige Bewegung zuerst bemerkt und Derfflinger, bei dem 
er ohnehin in hohen Gnaden stand, schüttelte ihm dankbar die 
Hand. Die Cavallerie kam übrigens bei dem Ausfall nicht 
recht zur Verwendung, sie mußte bald der Infanterie den Platz 
räumen, die denn auch beinahe ins Handgemenge mit den 
Ausfallenden gerieth. Unter den brandenburgischen Kriegern 
zeichnete sich besonders Einer durch Kaltblütigkeit und Uner 
schrockenheit aus, welche sogar den alten Derfflinger, der 
sonst kein Freund des Fußvolks war, zu lautem Beifall 
hinriß. 
Er war ein junger Mann im braunen Tuchrock der Pi 
keniere, der ihm bis zum Knie ging. Darüber trug er einen 
ledernen ärmellosen Koller, der mit blauer Litze besetzt war. 
Die hoch hinaufgehenden Stri'nnpfe waren durch Schnallen 
und Nesteln mit dem 
weiten Beinkleid verbun 
den, die Füße steckten 
obenein in hohen Schu 
hen, die mit Schleifen 
verziert waren. Auf dem 
Kopfe trug er das eiserne 
Kaskett, unter dem lan 
ges blondes Haar in 
dichten Locken auf die 
Schultern fiel. Ueber 
den Ringkragen fiel das 
weiße Halstuch mit kurzen 
Zipfeln; in der Hand 
trug der junge Gesell die 
fünfzehn Fuß lange Pike, 
dies letzte Stück mittel 
alterlicher Bewaffnung, 
das vor Jahr und Tag 
die Oestereicher ganz abgeschafft hatten. Es ging die Sage, 
auch der Kurfürst Friedrich Wilhelm denke daran, die Pike 
niere durch eine andere Waffe zu ersetzen, wollte der junge 
Gesell seinem Kriegsherrn zeigen, daß die Pike auch 
jetzt noch in der Hand eines Brandenburgers eine rechte 
Waffe sein könne! Der Kurfürst beobachtete von einer 
erhöhten Stellung das Gefechtsfeld dlirch sein holländisches 
Fernrohr, der junge Pikenier entging ihm nicht. Als der 
Siegesruf seiner Leute an sein Obr schlug, als er die Schweden 
mit Zurücklaffung von Todten, Bertvundeten und Gefangenen 
Dir Grrtraudrnkirchr (Spitteikirchc). 
Originalzeichnung nach einem Bilde aus dem Jahre 1690.
        
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