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Periodical volume 13. November 1880, Nr. 7

Full text: Der Bär Issue 7.1881

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auf Nobel; wer will mit ihm 2 gegen 1 setzen? Aber auch unter 
den Spielern werden noch kleine Geschäfte abgewickelt; dieser hat 
jetzt den Muth für Humbug verloren, jener sieht schon den sicheren 
Sieg der Ophelia vor sich und beide sind nicht abgeneigt, jetzt 
ihre Chancen wieder zu verkaufen und feilschen nur noch um den 
Proportionssatz. Inzwischen haben die Renner auch in dein 
zweiten Rundlauf die Hälfte der Bahn durchmessen. Ophelia hat 
sich immer hart an den vorstürmenden Nobel gehalten; jetzt plötz 
lich überholt sie ihn an der Biegung; er freilich wendet auch alle 
seine Kräfte auf, um den von ihr genommenen Vorsprung wieder 
einzuholen, aber — vergeblich — 100 Meter vor dem Ziel nimmt 
Ophelia ein noch stärkeres Tempg^an, jetzt erst setzt sie ihre Re 
servekräfte ein, und unter donnerndem Jubel stürmt sic an der 
Richterloge als Sieger vorüber — Nobel zwar bald hinter ihr — 
Humbug dagegen braucht noch eine ganze Weile, um als später 
Nachzügler heranzukommen. Jetzt erst ist der Humbug als Humbug 
erkannt und gebührender Maßen verachtet. 
Mit einer kleinen Schaar Glücklicher hat Einer von den Wet 
tenden vollauf Ursache, zu triumphiren und er wird jetzt auch 
in seinen Freundeskreisen nicht allein als Orakel und Prophet, 
sondern als kenntnißreicher Mann in allen Pferdesachen laut ge 
priesen. Das ist der Mann, der „Mumm auf Ophelia" hatte. 
Er heimst ein beträchtliches Goldsümmchen ein und singt daheim 
im Familienkreise laut dem Totalisator sein Loblied. 
Während die Fanfaren die siegreiche Ophelia begrüßen, stürmt 
zum Totalisator wieder hin, wer da etwas zu holen hat. Hier 
hatten gesetzt: an der 50 Markstelle: 50 Personen aus „Humbug", 
50 auf Pfeil, 15 auf Salamander, 10 auf Nobel, 5 auf Ophelia; 
an der 20 Markstelle setzten: 75 auf Humbug, 35 auf Pfeil, 75 
auf Salamander, 40 auf Nobel, 25 auf Ophelia; an der 10 Mark 
stelle: 70 auf Humbug, 180 auf Pfeil, 140 auf Salamander, 60 
auf Nobel, 50 auf Ophelia; an der 5 Markstelle: 220 auf Hum 
bug, 80 auf Pfeil, 90 auf Salamander, 160 auf Nobel, 100 auf 
Ophelia; endlich an der 3 Markstelle: 300 auf Humbug, 135 auf 
Pfeil, 110 auf Salamander, 180 auf Nobel und 125 auf Ophelia. 
Dem Totalisator ist also folgendes Rechenexempel zur Lösung ge 
geben : 
850 mal ä 3 
Mark 
- 2550 
650 - - 5 
- 
— 3250 
500 - - 10 
- 
— 5000 
250 - - 20 
- 
— 5000 
130 - - 50 
- 
— 6500 
22300 Mark. 
Von diesem Totaleinsatz zieht sich nun die Kasse des Totali 
sators zunächst 6 Prozent, also 1338 Mark für sich ab, so daß 
für die Berechnung des Gewinn-Airtheils nur noch 20,962 übrig 
bleiben. Da der Favorit der Menge schmählich unterlegen ist, die 
nur mit 2125 besetzte Ophelia aber den Sieg davon getragen hat, 
so participiren diese 2125 Mark gleichmäßig an der Totalsumme 
von 20,962 Mark; die Odd's, d. h. die Verhältnisse stellen sich also 
auf 9,86, d. h. für 3 Mark giebt es 29 Mark, für 5 Mark 
49 Mark, für 10 Mark 98 Mark, für 20 Mark 197 Mark, für 
50 Mark 483 Mark. In diesem Verhältniß wird jetzt an den 
Schaltern der Rückseite des Totalisators den glücklichen Gewinnern 
ihr Antheil ausgezahlt, nachdem der Kontrollbcamte denselben auf 
der vorgewiesenen Karte mit Blaustift bezeichnet hat. Einzelne 
Gewinner beeilen sich damit nicht; sie sehen erst am nächsten Tage 
die Zeitungsberichte nach und erheben ihre Gewinne in den Bureaux 
der Stadt. 
Der Umsatz beläuft sich Wohl an einen, Renntage auf 100,000 
Mark Einsätzen. Dabei sind die nicht unerheblichen Geschäfte der 
Bookmaker noch gar nicht in Betracht gezogen. Mancher spielt 
bei ihm und an den Totalisator zugleich; mancher Spieler wettet 
große Summen, denn wenn auch die Summe von 50 Mark die 
Grenze des Hazards bezeichnen soll, so hindert ihn doch nichts, so 
viel Mal Karten ü 50 Mark zu lösen, als er eben Lust hat. Wie 
Viele ziehen mit leeren Taschen heim? Wer aber auf diesem 
Wege sein Glück versuchen will, der möge damit nicht zu lange 
zögern, denn vielleicht — wer kann cs wissen? — sind die Tage 
des Totalisators schon gezählt. — 
Der Mitnzfund von Mahlow. 
Münzen aus der älteren Zeit, namentlich auch aus dem Mittel 
alter, werden nicht eben selten in der Mark Brandenburg ausgc- 
graben, wenngleich die Literatur nicht gerade zahlreiche Beschrei 
bungen derselben aufzuweisen hat*), ja sogar römische Münzen werden 
bisweilen bei uns gefunden**), dennoch aber wird es gestattet sein, 
die Leser dieser Blätter, von denen übrigens wohl nur wenige 
jemals Gelegenheit genoinmen haben mögen, einem Gegenstände 
dieser Art näher zu treten, von einem unlängst entdeckten Schatze 
zu unterhalten, welcher um deshalb eine gewisse Bedeutung zu 
beanspruchen hat, weil er in der Nähe unserer Stadt, beim Dorfe 
Mahlow unweit Zossen, gemacht sein soll. Und !vie das, was in 
unserer nächsten Umgebung sich zuträgt, selbstredend unser Interesse 
in höherm Maße herausfordert, als Begebenheiten aus der Fremde, 
so darf wohl dieser fast vor den Thoren Berlins zu Tage geför 
derte Schatz verlangen, daß wir ihn nicht der Vergessenheit an 
heimfallen lassen, der er soeben erst entrissen ist, obschon der Münz- 
kenncr durch ihn etwas Neues kaum erfährt, denn alle in ihm be 
griffenen Münzen gehören zu den bereits bekannten. Es sind aber 
ämmtliche 418 Stück, welche er nebst 28 Hälften geliefert hat, 
Brandenburger Gepräge, alle der Zeit um 1300, also dein aska- 
nischen Hause angehörig, das mit Albrecht dem Bären (1134) in 
die Mark kain und mit Heinrich dein jüngeren 1320 ausstarb, 
worauf dann, nach Beendigung der Kämpfe unter den Prätendenten, 
das Haus Baiern zur Regierung gelangte. 
Unsere Münzen sind von Silber, dem damaligen alleinigen 
Münzmetall, sie sind ohne Ausnahine zweiseitig, und zwar größtcn- 
theils ganze Denare oder Pfennige, nur 7 sind Halbdenarc oder 
Obole, während die ged. 28 halbirten nicht etiva zufällig in diesen 
Zustand gerathen, sondern absichtlich durchschnitten sind, um sie als 
Scheidemünzen zu benutzen, da die spärlich ausgeprägten Halb 
denare dem Bedürfnisse nicht genügen mochten. Der Gehalt dieser 
Denare ist etwa 14 löthig und es gehen ihrer ungefähr 22 auf 
das Loth, so daß wir den Werth des Denars nach heutigem 
Gelde zu 8 bis 9 Pfennige R. W. setzen können. Man faßte 12 
solcher Denare zu der Rechnungsmünze des Schillings (so>icku8) 
zusammen und rechnete 20 Schillinge, also 240 Denare auf das 
Zählpfund. Münzen von größerem Werthe wurden damals in 
der Mark nicht geschlagen, erst die Hohcnzollern führten um die 
Mitte des XV. Jahrhunderts Groschen ein, während Kurfürst 
Joachim die ersten Thaler und Goldmünzen prägen ließ. 
Dies vorausgeschickt gehe ich zur Beschreibung der einzelnen 
Fundstückc über, von denen 8 wegen schlechter Erhaltung unkenntlich 
sind. Die beigefügten Citate beziehen sich auf Wcidhas: Bran 
denburger Denare, Groschen und kleine Münzen (Berlin 1855), 
ein Buch, dessen Text in jeder Hinsicht verwerflich ist, während 
die beigefügten 17 Tafeln mit Abbildungen ihm allein Werth ver 
leihen. 
*) s. z. B. Köhne's Zeitschr. f. Münzkunde. Bd. II. S. 60, Ad. II. 
S. 123, Berl. Blätter (. Münzkunde, Bd. III. S. 220, Bd. VI. S. 197, 
v. Sallet unmisinat. Zeitschrift, Bd. IV. S. 21. 
**) Sv bei Potsdam, bei Werder, bei Lehnin und bei Nauen, s. 
Berl. Bl. s. Münzkunde, Bd. V. S. 325.
        
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