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Periodical volume 10. September 1881, Nr. 50

Full text: Der Bär Issue 7.1881

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ries er- Vorwärts, Conrad! weiter im Text. Himmlische rosige 
Freundin! was sagst du dazu? Es ist kostbar! Rosige Freundin! 
Angebetetes Zauberbild! Freundin, gieb Antwort. 
Lallt lachcild lief das Frälilein auf den wildeil Baron 
zll und warf sich in seine Arme. Wie ist es möglich, daß 
Sie böse sein können, sagte sie- Llidolf hat Recht, es ist der 
köstlichste Spaß, den man sich denken kann. Die rosige 
Frelidiil bebaust sich, Herr Funk, für diese lustige Scene, und 
bedmiert, sie nicht weiter fortsetzcil zu können. Adieu! Adieu! 
Gebe» Sie ihren Arm, Baron. Was das spöttisch klingt! 
Ihr Gelächter brach von Steuern los. 
Der Baron gab nach und führte sie in den Saal, wäh 
rend Llidolf seines Schützlings sich bemächtigte- In meinem 
Leben ivill ich es liicht vergesseil, schrie er- Verfluchter Ge 
danke! Hiininlische rosige Freundin! soll meine nächste Liebes 
erklärung anfailgen- Herein mit dir in den Saal, Conrad, 
du mlißt noch einigen andern zu Füßen fallen. Roch eine 
Flasche, Hollah! Kracht! hierher, laß ihn nicht echappircn! — 
Der Herr von Kracht machte so eben die Thüre auf und 
sagte eilig: Schweig stille imb komm herein, dein Vater ist 
so eben aufgestanden und will eine Rede halten. 
Conrad wurde von Beide» fortgezogen und indem sic 
mit ihm in dein Saale erschienen, erblickten sie die Gäste um 
die Tafel stehend, in der Mitte derselben den Baroil und 
Fräulein Renate, am oberen Ende aber den alten Freiherrn, 
lvelcher so eben begann: Ihr Herren unb ihr edlen Damen, 
nehmt die Gläser in die Hand und stoßt sie mit mir an auf 
das hochgeborene Brautpaar. Alis den edlen Herrn Baron, 
Dietrich Quast, unb auf meine Tochter Renate, daß es eine 
fröhliche Hochzeit geben soll- Vivat hoch! 
Da widerhallten Decken und Wände von dem Vivat 
und Gläserklingen und Schreien und es wollte kein Ende 
nehmen. Sie drängten sich alle um die schöne Bralit und 
den stolzen Bräutigam, und es war ein Jubiliren, alle Ge 
sichter voll Lust und Wonne um das glückselige Fräulein, 
das so herrlich darciuschaute. 
Conrad Funk alleül konnte nicht lachen- Er stahl sich 
an die Thür unb wollte hinaus, von dort her aber trat ihm 
eiil Mann entgegen, in Rciterstiefcln, eine orange Feldbindc 
um den Leib, eben solchen Kragen an seinem Rock. 
Als ihn die Nächsten sahen, riefen sic: Ein Courier! 
Ein Courier! 
Der Mann hielt ein großes Schreiben in seiner Hand. 
An den Herrn Baron von Quast! sagte er. 
Der Baron nahm es hin und brach es auf; dann ließ 
er es auf den Tisch fallen. Ordre vom General! rief er. 
In drei Tagen marschiren wir- Morgen müssen wir beim 
Regiment sein! 
(Fortsetzung folgt.) 
vorhistorischer Wasscrlans in der Berliner Gegend. 
Von Prof. Dr. ffi. fifrenit. 
(Hierzu Karte Seite 645.) 
Der nordwestliche Theil der weiteren Umgegend Berlins wird 
in seiner ganzen Ausdehnung in WNWlicher Richtung durchzogen 
von einem uralten, jedenfalls schon in der Diluvialzeit durch eine 
gewisse Einsenkung vorgebildeten breiten Thalc, welches Girard 
das große Verdienst hat, als das alte, über Müllrose und Berlin 
in gerader Richtung nach Havelberg und zur unteren Elbe ver 
laufende Oderthal nachgewiesen zu haben. Aber ich sehe mich 
genöthigt, hier noch von einem zweiten, ebenso alten und bisher 
als gleichwcrthig stets unbeachtet gebliebenen, großen Thale zu 
sprechen und somit zunächst den ältesten Lauf der Gemäßer über 
haupt im norddeutschen Flachlande zu erörtern. Nur in möglichster 
Kürze und in großen Umrißen gehe ich hier auf ein so allgemeines 
Thema ein. 
Es gab, wie ebenfalls Girard ganz richtig schon an einer 
Stelle andeutet, eine Zeit, etwa mit Schluß der Diluvialperiodc, 
wo die gesummten Waßer der großen sarmatischen Centralsenke 
zwischen dem malisch - baltischen und dem malisch - karpathischcn 
Höhenzugc nach Westen mitten durch das norddeutsche Flachland 
und zwar zwischen den beiden äußersten Ausläufern dieser beiden 
Haupthöhcnzüge, also Mecklenburgischer Seenplatte resp. Holsteini 
schem Landrücken einerseits und Lüneburger Haide andererseits, 
zur Nordsee abflößen. Das hierbei sich einschneidende und schließlich 
zurückgebliebene Flußsystcm war ein vollkommen einheitliches, noch 
heute bei einiger Aufmerksamkeit deutlich erkennbares. Ich sage 
bei einiger Aufmerksamkeit, denn die noch vor Beginn der histo 
rischen Zeit aus demselben entstandenen drei gesonderten Flußsysteme 
der Weichsel, Oder und Elbe sind bei ihrer gänzlich abweichenden 
Richtung in hohem Grade geeignet, das Urbild völlig zu verdecken. 
Es inuß daher als ein namhafter Schritt vorwärts zur Erkennt 
niß der ursprünglichen Verhältnisse betrachtet werden, daß man 
jetzt ziemlich allgemein die Thatsache anerkennt, daß die ehemalige 
Stromrichtung in Norddcutschland eine mehr westliche gewesen und 
die Weichsel durch das untere Odcrthal, die Oder durch das untere 
Elbthal einstmals ihren Lauf genommen. Aber man ist damit 
noch auf halbem Wege stehen geblieben. In der That waren 
dies nur Uebergangsmomcnte zwischen deni ursprünglichen und dem 
jetzigen Flußlaufe, denen man eine kürzere oder längere Dauer zu 
schreiben kann. Ursprünglich jedoch — ich wiederhole es — 
bildeten alle drei Ströme ein einziges Flußsystcm. 
Es stoßen zu jener Zeit — lange bevor sie den preuhisch- 
pommcrschcn Höhcnzug durchbrachen und in eine SN-Richtung 
verfielen — die sämmtlichen Wasser der heutigen Weichsel und 
Oder, sowie der Nebenflüße beider, der Hauptsache nach in zwei 
regelrecht ausgebildeten breiten Thälern in westlicher resp. west- 
nordwestlicher Züchtung und vereinigten sich, unter Aufnahme der 
Havel, des Rhin und der Doßc einerseits und der in einem gleich 
falls noch heute erkennbaren, westlich verlaufenden Thale zu einem 
Strome vereinigten Spree-, Nuthc-, Plane-Gewäßer andererseits, 
in den großen Sand-, Wiesen- und Moor-Niederungen des heuti 
gen Rhin- und Havclluchcs zu einem einzigen mächtigen Strome 
zusammen, der jetzigen unteren Elbe von Havclberg abwärts 
bis zur Nordsee. 
Eine so scheinbar aller heutigen Hydrographie hohnsprechende 
Behauptung ohne nähere und überzeugende Begründung muß 
paradox klingen und doch kann es an dieser Stelle nicht meine 
Aufgabe sein, den gesammten ursprünglichen Waßerlauf Nord- 
deutschlands in seinen einzig völlig überzeugenden Details, klar 
zu legen. Nur über die beiden Hauptthäler sei mir ein Wort 
des Weiteren hier gestattet, weil ihre Hauptvcreinigung in den 
Bereich des vorliegenden Kartencomplexcs fällt. (S. die Karte.) 
Das eine jener Thäler, das bereits oben erwähnte alte Oder 
thal Girard's über Müllrose, Berlin, Spandow darf ich als be 
kannt voraussetzen, das andere, das Thal der Weichsel, fand, wie 
ebenfalls Girard schon erwähnt und ich durch geognostische Auf 
nahmen in Westpreußcn und dem angrenzenden Posenschen seiner 
Zeit specieller zu beweisen Gelegenheit hatte, seine ursprüngliche 
Fortsetzung vor Ausbildung des schmalen nördlichen Durchbruches 
bei Fordon in dem großen weiten Thalc über Bromberg, Nackel, 
Küstrin bis in's jetzige Oderbruch, deßen breite Auswaschung der
        
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