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Periodical volume 10. September 1881, Nr. 50

Full text: Der Bär Issue 7.1881

VII. Jahrgang. 
Nr. 50. 
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Die Jllustrirte Berliner Wochenschrift „Der Bär" erscheint wöchentlich regelmäßig am Sonnabend, kostet vierteljährlich 
2 Mark und ist durch alle Buchhandlungen, Zeitungsspeditionen urrd Postämter, sowie durch die Expedition, Berlin W., Lützowstraße 7, » v 
zu beziehen. — Literarische Beiträge sind an die Redaction der Jllustrirten Berliner Wochenschrift „Der Bär", Berlin W., >> den 10.September 
Lützowstraße 7, zu senden. — Inserate, pro 3gesp. Norrpareillezeile 40 Pfg., werden von allen Annoncenexpeditionen sowie ^ 1881. 
voll der Verlags-Buchhandlung entgegengenommen.■ 
Der grüne Domino. 
Novelle von T. £. KI. 
7. 
So vergingen drei Tage zu Lebin, alle in derselben Art, 
wie der erste. Es tvnrde gejagt und geschmaust, getanzt und 
getrunken, geritten und gefochten; die übermüthigen Cavaliere 
überboten sich in Lust und Laune und wetteiferten uni den 
Preis in jeder ritterlichen Ge 
schicklichkeit. In Gesellschaft 
der Damen übten sie sich, diesen 
zu gefallen, ihnen ihre Huldi 
gungen zu bezeigen und Be 
wunderung einzuflößen, und 
dies geschah gewiß am besten 
in diesem Kreise nicht etwa 
durch sanfte, feine Sitte und 
gewählte Rede, sondern durch 
muthwilligen Scherz und kecke 
Worte, durch ihre kräftigen, 
jugendlichen Gestalten und durch 
ihre prächtigen Kleider und Uni 
formen. Es waren meist statt 
liche Herren, rasch zu jeder 
That, wohlbekannt mit den 
Gebräuchen der damaligen vor 
nehmen Gesellschaft, von stolzen 
Namen und stolzen Ansprüchen. 
Der Adel in diesen alten Grenz 
marken hatte viele herrliche 
Gesichter und Gestalten aufzu 
weisen, von riesigem Bau, lichtem 
Haar und feurig blauen Augen, 
an denen man noch die Nach 
kommen der Sachsenritter erkennen konnte, die in Jahr 
hunderte langen Kämpfen das tapfere Wendenvolk besiegten 
und vernichteten. Aber die meisten dieser Gesichter hatten 
wenig oder nichts von geistiger Veredelung einer neueren 
Zeit an sich. Sie waren noch immer die Herren und Ge- 
(Fortsetzung.) 
bieter, gleichsam die alleinigen Menschen, die verachtend und 
gefühllos auf den gemeinen Haufen hcrunterschauten, und dies 
drückte sich in ihren übermüthigen Mienen und hoffärtigen 
Blicken genugsam aus. Manche sahen wohl freundlich auf 
den jungen Bürger, den der Zufall und die Marotten des 
Majors in ihre Gesellschaft ge 
bracht, aber sie thaten es aus 
gnädiger Herablasiung, weil 
auch die Kinder des Freiherrn 
sich herabließen, und weil's der 
Sohn eines Feldwebels war, 
also ein Soldatenkind, so zu 
sagen vom Handwerk. 
Und Niemand konnte sa 
gen, daß dieser Bursche, der sich 
manierlich benahm, diese Nach 
sicht nicht verdiente. Denn er 
zeigte sich nirgend vorlaut oder 
anmaßend, weit eher schüch 
tern und in sich gekehrt. War 
tete, bis er angeredet wurde, 
war höflich und gefällig, und 
wo etwa Fräulein Renate einen 
kleinen Dienst verlangte, etwas 
bestellt oder geholt haben 
wollte, da ließ er sich vortreff 
lich gebrauchen, und sie wandte 
sich auch oft an ihn, sprach 
mit ihm und zeigte sich gütig. 
Das fiel Keinem auf, denn 
zum Bedienten paßte er am 
besten, und um sein bescheidenes Wesen vergaben ihm wohl 
die Stolzesten seine Gegenwart. Nur Einer schien keinerlei 
Wohlwollen für ihn zu empfinden, das war der Baron von 
Quast. 
Der große Mann mit dem gebräunten, kühnen Gesichte 
Graf von Schleinitz, 
Staatsminister und Minister des Königl. Hauses.
        
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