Path:
Periodical volume 20. August 1881, Nr. 47

Full text: Der Bär Issue 7.1881

!i Die Jllustrirte Berliner Wvchenschrist „Der Biir" erscheint wöchentlich regelmäßig am Sonnabend, kostet vierteljährlich -Uerkiil 
VII. ÄaKraana. )! 2 Mark und ist durch alle Buchhandlungen, Zcilungsjpeditionen und PoMmter, sowie durch die Expedition, Berlin >V., Lützowstraße 7, =•" ■> 
m , t! ” « zu beziehen, — Literarische Beiträge sind an die Redaction der Jllustrirlen Berliner Wochenschrift „Der Bär", Berlin vv., > den /O. IlUgUjt 
Nr. 47. Lützowsiraßc 7, zu senden. — Inserate, pro zgesp. Nonpareillezeiie 40 Pjg., werden von alle» Annoncenexpeditionen sowie « 1881. 
)) von der Verlags-Buchhandlung entgegengenommen. )) 
Conrad durchwachte eine schreckliche Nacht, in welcher 
es ihm mehr als einmal schien, als dürfe er den Morgen 
hier nicht erwarten, sondern müsse, gleichviel wohin, in die 
weite Welt hinaus, dem Kalbfell folgen, wie sein Vater ihm 
die Wahl gestellt, oder zu 
Der grüne Domino. 
Novelle von ff. £. Kt. (Fortsetzung.) 
So beruhigte er sich endlich mehr und mehr mit trösten 
den Hoffnungen und mit neuem Glück, uud als der Morgen 
kam, war er fest eiltschlossen, jedem Sturme die Stirne zu 
bieten und sich nicht vor Liesbeth zu fürchten. Sie sollte 
nicht denken, daß sie ihn in ihrer Hand habe, er wollte nicht 
demüthig noch ängstlich sein, 
ihr, zu seiner „Angebeteten". 
Aber wo war diese, wo sollte 
er sie suchen und finden? 
Immer wieder fiel ihm ein, 
was Liesbeth in ihrem 
harten Stolze gesagt: Heut 
will ich deines Vaters graue 
Haare vor Schande bewah 
ren, morgen laufe, wenn 
du willst, dem frechen Weibs 
bilde nach, das ihr Spiel 
mit dir getrieben! Und 
immer wieder empörte sich 
die Stimme in seinem Herzen 
dagegen, und sein Wider 
wille gegen die kalte, höh 
nende Moralistin erwärmte 
sich daran. Warum war 
sie ihm uachgelaufen in 
solcher unschicklichen Weise, 
um sich wie das Unglück an 
seine Fersen zu heften? Ver 
kleidet, verrätherisch, betrü 
gerisch ihn verfolgend, ein 
Dornbusch, der sich an ihn krallte, um die süße Rose, die 
der Gott der Liebe ihm gesandt, von ihm abzureißen. Aber 
er wollte ihr trotzen, wollte der ganzen Welt Trotz bieten. 
Hatte die geliebte Unbekannte nicht schon den Weg zu ihm 
gefunden? Sie würde ihn wieder finden, sie würde ihm Nach 
richt geben, und keine irdische Macht sollte ihn dann halten. 
Graf Hatzftldt. (S. Seite 601.) 
sich nicht etwa ihr Schweigen 
mit elender, heuchlerischer 
Verstellung erkaufen. Das 
hartherzige, fühllose Geschöpf 
sollte seine Feindin sein, 
jeder Gedanke an seine 
Besserung und Unterwerfung 
sollte ihr vergehen, und 
niemals um keinen Preis 
wollte er ihr den Glauben 
lassen, daß er im Stande 
sei, sie jn heirathen. 
Als er herunterkam, 
schlug ihm aber doch das 
Herz, und er stand einige 
Minuten vor der Thür still, 
ehe er sich entschloß, das 
Wohnzimmer zu öffnen. 
Sein Vater saß schon an 
dem Tische beim Kaffee, 
die Morgenpfeife rauchend, 
in der Hand, weit von sich 
ausgestreckt, ein Zeitungs 
blatt, in welchem er las. 
An der anderen Seite stand Liesbeth mit glattem Haar, 
sauber wie immer, die weiße Schürze umgebunden, die Kaffee 
kanne in der Hand. 
Conrad warf einen raschen Blick auf Beide, als er mit 
seinem guten Morgen hereintrat, und fühlte sich sogleich be 
ruhigter. Sein Vater sah ungemein lustig aus und schmiß
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.