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Volume 16. Juli 1881, Nr. 42

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue7.1881 (Public Domain)

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fünfte dieses Reiches, besonders die ckevolutiones bonorum, die 
Erträgnisse der Bergwerke, die Gerichtsgefälle und die Abgaben aus 
den Wäldern verpfändete. Wie uneigennützig er auch von seinem 
schnell erworbenen Reichthum zum Besten seiner Adoptivheimath 
Gebrauch machte, Neid und Verleumdung blieben doch nicht aus. 
Das Nonnenkloster „all Misericorckiam Dei‘' in Prag batte ihm in 
der Altstadt Prag, gegenüber der Deutschordenskirche S. Benediet 
einen Hos aus Lebenszeit zum Wohnsitz eingeräumt, aus dem er 
surnptuosa aedificia et notabiles structuras errichtet hatte. Nun 
fürchtete das Kloster, dieselben mochten nach seinem Tode, als aus 
öffentlichen Geldern errichtet, vom Fiseus in Anspruch genommen 
werden, und wurde deswegen vorstellig. Da stellte der Kaiser 
seinem Liebling am 8. Juni 1360 das ehrenvolle Zeugniß aus, 
derselbe habe ihm und den Ständen befriedigendste Rechnung 
gelegt, und die betreffenden Baulichkeiten non äs nostra aerario, 
sed de pecuniis propriae personae suae intuitu tarn a nostra 
liberalitate innumeris pro suis obsequiis quam aliunde de 
susceptis a nobis ac per nos ei collatis redditibus acquisitis 
erbaut; dieselben seien also sein rechtmäßiger Besitz, und würden 
unweigerlich später in das Eigenthum des Klosters fallen. 
Die wohlwollende, doch zugleich den eigenen Gewinn nicht aus 
dem Auge lassende Fürsorge des Kaisers ging noch weiter. Am 
30. April 1361 starb Erzbischof Otto von Magdeburg; sogleich 
sandte Karl den Scholastieus Nieolaus, seinen „heimlichen und 
Boten", an Pabst Jnnoeenz VI., um für Dietrich das Pallium zu 
erhalten?) Noch am 8. Juni antwortete der Pabst hinhaltend, 
aber am 20. d. M. schrieb er, daß dem kaiserlichen Wunsche ge- 
willfahrtet sei. DaS Domkapitel hatte einen andern Erzbischof 
wählen wollen, und fügte sich ungern; auch die Stadt scheint 
Schwierigkeiten gemacht zu haben, denn am 20. Oetober mußte 
der Kaiser dieselbe ermahnen, Dietrich, dem er die Regalien ver 
liehen habe, als Herrn anzuerkennen; erst am 17. November hielt 
derselbe seinen feierlichen Einzug. Den Jahrbüchern Johannes 
von Guben zufolge müßte er auch in diesem ersten Jahre seines 
Erzbisthums in Zittau einen höchst merkwürdigen Proeeß geführt 
haben. Der Chronist nennt ihn zwar im Text nicht mit Namen, 
wohl aber in eigenhändiger Randnote „Kogelwyd", und die ganze 
Darstellung paßt sehr Wohl auf ihn, insbesondere die Einleitung: der 
bischop von Meydeburg, der do gewaldig was an keyser 
Karls stat. Allein die Chronologie stimmt nicht, was der 
Herausgeber Haupt gänzlich übersehen hat. Nach den Jahrbüchern 
soll Dietrich als Erzbischof schon am 23. Januar 1361 nach 
Zittau gekommen sein, während sein Vorgänger erst drei Monate 
später starb.*) **) 
Zu Anfang 1362 befand er sich wieder beim Kaiser in Nürn 
berg, Rothenburg tmd Lausen, fungirte als Schiedsrichter in dem 
Streit zwischen Rath und Abt von Kempten, begab sich dann 
aber zu dauerndem, nur ab und an kurz unterbrochenem Aufenthalte 
naä) Magdeburg, um dort mit altbewährtem Eifer die Absichten 
deö Kaisers bezüglich der Erwerbung der Mark Brandenburg zu 
fördern. Es gelang ihm denn auch schon am 10. Dezember 1362 
durch Vertrag mit den bairischen Markgrafen die Mitregierung des 
Landes eingeräumt zu erhalten, tmd am 15. d. M. schloß er in dieser 
*) Riedel befindet sich in großem Irrthum, wenn er auf die Mag 
deburger Schöffenchronik gestützt meint, als Grund der Entfernung Diet 
richs auS der Umgebung des Kaisers fei damals erzählt worden, er habe 
sich durch seine Finanzwirthschaft so viele Feinde geschaffen, daß er selbst 
gewünscht habe, Böhmen §u verlassen. In der betreffenden Stelle heißt 
es ganz einfach: „und schaffede dem koninge groten vroraen an gude, 
dat he om ut dem lande loch. Darumme vorwarf be manniges 
mannes hat etc.“, d. h. er schaffte dem Könige großen Gewinn an Ein 
künften, die er für ihn dem Lande abgewann re. 
**) Die Annahme von Marienjahren würde auch hier aus der Ver 
legenheit helfe». 
Stellung mit den Bischöfen von Brandenburg und Havelberg, den 
Herzögen von Sachsen und Meklenburg und den Grafen von 
Lindow einen Landsiieden. Im folgenden Jahre war er mit dem 
Kaiser und einem „kräftigen Heere" in der Mark, in Frankfurt a./O. 
und Berlin, mit welchem Ort er 1364 wegen der Aufsehen erre 
genden Hinrichtung des Magdeburger Klerikers Conrad Schütze in 
Streit gerieth; von dort aus drohte er den altmärkischen Städten, 
auch seiner Vaterstadt, er werde sie an Leib und Gut zu verderben 
trachten, wenn sie sich nicht zur Eventualhuldigung auf Grund der 
zwischen dem Kaiser und den Markgrafen abgeschlossenen Erbver 
träge einsinden Würden. Also brochten se de huldinge mit 
grawe und mit guden worden to. 
Die Magdeburger Bürgerschaft wollte sich noch immer nicht 
recht fügen, ihre Opposition wurde einmal so stark, daß der keiser 
tornde und sprak: her bischop, ik wil mit hereskraft ju helpen 
soken de van Magdeburch, und daß sie ein Vierteljahr im Banne 
lag. Doch Dietrich überwand allen Widerstand ohne besondere 
Gewaltmaßregeln, und seine Regierung, beider ihm sein Oheim, 
der Stiftshauptmann Claus von Bismarck, und der Jude 
Schmul, sein „Heimlicher", bestens unterstützten, gereichte dem 
Lande zur Wohlfahrt und Ehre. Die von ihm in Böhmen er 
probten Wirthschaftsprineipien bewährten sich auch hier; dat gelt 
leip om over, wente he et mit klokheit ut dem lande toch; es 
gelang ihm so, zahlreiche, dem Stift seit lange durch Verpfändung 
entsiemdete Güter wieder einzulösen, er streckte den bairischen Mark 
grafen bedeutende Summen vor, und empfing dafür u. A. 1364 
den Schoß zu Cöln als Pfand, und seine des Krieges nicht un 
gewohnte Hand bändigte den raub- und fehdelustigen Adel des 
Landes, Daneben wußte er an rechter Stelle die seiner Würde 
geziemende Pracht zu entfalten, wie bei der Einweihung des Mag 
deburger Domes im Oetober 1363, von der die Schöffenchronik 
erzählt: hir weren vele greven, vrie heren und eddele lüde, 
vruwen und man, de wertlike hoveringe dreven, aver de 
geistlike hoverie edder hogene was erst unde erlik. 
— Scholde men alle hoveringe und hoveren sehrieven, de do 
to Magdeborch was wol veir dage, et were to lang; men ma- 
kede dar allein wol ein buk van. Zum Schluß ruft der Chronist 
bewundernd aus: bi anderthalf hundert jaren was nu bischop 
to Magdeborch, die den dom wien dorste, wowol etlike grote 
vorstenkindere weren; wente se vrochten, dat se der kost nicht 
dragen mochten; disse bischop von slichter bord bracht et so 
to, — dat he de kost herliken dede. 
Zuletzt aber verließ ihn das Glück, welches ihn durch sein 
ganzes bisheriges Leben so wunderbar begleitet hatte. Mit mehre 
ren benachbarten Fürsten hatte er ein Bündniß geschlossen, um 
den Bischof von Hildesheim mit Gewalt, da Unterhandlungen 
nichts fruchteten, zur Abstellung des Räuberunwesens in seinem 
Sprengel zu zwingen. Ein Heer von 1100 Mann sammelte 
sich und zog brennend und plündernd in das feindliche Gebiet, 
wurde aber am 3. September 1367 während eines fürchter 
lichen Unwetters auf dem „Streitacker", nicht weit von Hildes 
heim, von dem an Zahl weit schwächeren Gegner gänzlich besiegt; 
Herzog Magnus von Braunschweig, Bischof Albert von Halber 
stadt, die erzbischöflichen Hauptleute Claus von Bismarck und 
Meineke von Schierstädt fielen in die Gewalt des Feindes, Graf 
Waldemar von Anhalt stürzte auf der Flucht und wurde zertreten. 
Der Erzbischof war krank und deswegen nicht zugegen; hedde he 
gewesen in dem here, he hedde lichte den groten schaden be- 
waret, wente he sere sorchveldich und vorsichtig was up alle dink. 
Als er die böse Nachricht erhielt, klagte er sehr und sprach: wenne 
ik betrachte mine leven man, de gevangen und erslagen sind, 
so kan ik nicht gerauwen; wenn ik ok see de bösen wichte, 
de so bosliken gevloen hebben, so bann mi neine arstedie tu 
gucke werden. Dies Wort wurde Wahrheit; die Aufregung der
	        
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