Path:
Periodical volume 16. Juli 1881, Nr. 42

Full text: Der Bär Issue 7.1881

539 
Druckerei verdoppelt und die Zahl der Schriftkasten von 16 auf 
94 vermehrt hatte, ging die Concession zum Betriebe des Druckerei 
gewerbes und zur Herausgabe der Zeitungen auf seine Wittwe, 
eine geborne Thesendorf, über. Dieselbe heirathete 1685 einen 
Drucker Salefeld, der jedoch schon 1688 starb, und setzte, da ihr 
das ftühere Privilegium von Neuem bestätigt wurde, das Ge 
schäft auf eigene Rechnung fort, bis dasselbe am 28. August 1704 
mit allen Privilegien einschließlich des Zeitungsverlags von dem 
Buchdrucker Lorentz übernommen wurde. Als dieser 1721 wegen 
fortdauernder Conflikte mit den Censurbehörden seiner Concession 
verlustig ging, erhielt Johann Andreas Rüdiger, der schon 
früher den Versuch gemacht hatte, in Berlin ein italienisches 
Blatt herauszugeben, das Recht, das seit 66 Jahren bestehende 
Zeitungsunternehmen weiter fortzusetzen. — Eine quellenmäßige 
Geschichte dieses Unternehmens, das bis zur Mitte unseres Jahr 
hunderts den eigentlichen Mittelpunkt der Berliner Tagesliteratur 
bildete und heute noch als „Vossische Zeitung" fortbesteht, 
hoffe ich den Lesern in einer der nächsten Nummern vorführen zu 
können. 
Miscellen. 
Lehnin, Beiträge zur Geschichte von Kloster und Amt 
von G. Sello. Berlin, Verlag von F. & P. Lehmann 
1881. Die Vorarbeiten dieses dem deutschen Kronprinzen gewid 
meten Buches erschienen im 3. und 4. Jahrgang unseres Blattes. 
Der jetzt in Coblenz lebende Verfasser bemerkt in seiner Vorrede, 
in welcher er nicht unterlassen kann, den um die Brandenbur 
gische Geschichte so hochverdienten vr. Hcffter ein wenig an 
zurempeln, daß es sein Bestreben gewesen sei, ein „Bild des Lebens 
in unserem Kloster zu geben, indem er seine Gründungssagen, seine 
Baugeschichte, seine wirthschaftlichen Verhältnisse, seine Beziehungen 
zu den Landesfürsten und dem heimischen Adel in schlichtem serrno 
pedestes an der Hand der Urkunden entwickelte." Wir geben eine 
kleine Probe aus dem empfehlenswerthen Buche und zwar eine 
Ergänzung des von uns kürzlich über Kagelwit gebrachten. Der 
Verfasser schreibt: 
Dem Abte Dietrich von Hartsdorp (1317—1321) folgte 
ca. 1322 Nicolaus I. von Lietzow (heut Charlottenburg), unter 
welchem der dem Stendaler Geschlecht der Bismarcks, 
den Vorfahren des „eisernen Kanzlers", nahe ver 
wandte Dietrich v. Portitz*) (allgemeiner bekannt unter 
dem, wie Riedel meint, einer böhmischen Burg entnommen 
Zunamen Kagelwit) im Kloster lebte, der einzige Lehniner, 
deni es gelang, sich aus seinem bescheidenen Kreise zu einfluß 
reichster hochpolitischer Stellung emporzuarbeiten, und bestimmend 
in die Geschicke der Mark einzugreifen. Seine die letztere be 
treffende Thätigkeit ist von Riedel in der „Geschichte des schloß 
gesessenen adligen Geschlechts von Bismarck" (Märk. Forsch. 
XI. Band) eingehend geschildert worden; die Bedeutsamkeit seiner 
Persönlichkeit, und die Bande, welche ihn an Lehnin kilüpften, 
rechtfertigen es, wenn wir hier einen kurzen Abriß seines Lebens 
geben, dabei sein Verhältniß zu Kaiser und Reich mehr berücksich 
tigend, als Riedel es gethan hat. 
In Lehnin soll Dietrich das Amt des Cellerarius bekleidet 
haben, und es ihm als solchem gelungen sein, den in Mißlagc 
gerathenen Haushalt des Klosters in vorthcilhafter Weise zu ordnen; 
die hierzu von Krantz berichtete, und von Küster in Seidels „Icones, 
Marcliicae“ p. 13 nacherzählte Anekdote übergehen wir; wenn 
Entzelt erzählt, Kaiser Karl IV., welcher „oft nach Jerichow und 
*) Anm. der Red. Wir können unseren Lesern auch ein Portrait 
des Mannes nach einem sehr alten Stich mittheilen. 
Lehnin zog, um zu beten", habe ihn an letzterem Ort kennen gelernt, 
so ist das einfach unmöglich. 1329 verließ er das Kloster, um in 
den Dienst Bischof Ludwigs von Brandenburg zu treten, als dessen 
Official er in Angermünde gegen des Luciferanismus beschuldigte 
Personen die blutige Rolle eines Ketzcrrichters spielte, nach Gercken 
ca. 1336, und als Schiedsrichter in dem Proceß der Stadt Berlin 
wegen der Ermordung des Propstes von Bernau fungirte. Diese 
juristische Thätigkeit hinderte ihn aber nicht, seinen in Lehnin schon 
zu Tage getretenen landwirthschaftlichen Liebhabereien nachzuhängen. 
Er erwarb 1347 vom Brandenburger Domkapitel den wüsten Hof 
Mukede*), um denselben reaediücare, agros adculturam reducere, 
in omnibus quibus poterimus meliorare. Nachdem er bei einer 
Anwesenheit in Rom zum Bischof in partibns von Sarepta ernannt 
und vergeblich sich um das Bisthum Brandenburg beworben, wurde 
er 1353 Bischof von Minden. Ob er erst jetzt, oder schon ftüher 
in Beziehung zu Kaiser Karl IV. getreten, wissen wir nicht; jeden 
falls sagt die Magdeburger Schöffenchronik von ihm die für die 
Folgezeit durchaus zutreffenden Worte: er wurde dem koninge, 
keiser Karle, behegelik und leis, also dat ome de koning dat 
land bevole vortostande. Von 1355 bis 1361 scheint er sich 
ausschließlich am kaiserlichen Hofe aufgehalten zu haben, wie aus 
seinem Auftreten als Zeuge in dort ausgestellten Urkunden zu er 
sehen ist.**) Zuerst begegnen wir ihm am 5. April 1355 in Rom, 
im Mai in Siena, vom August bis October in Prag; 1356 Ja 
nuar in Nürnberg, April bis August in Prag; September in Do 
naustauf; 1357 März und April in Karlstein, in letzterem Monat 
auch in Prag und Donaustauf, Juni bis October wieder in Prag, 
November in Weißwasser; 1358 Januar bis Mai in Prag, August 
in Sulzbach, October in Prag, December d. I. bis 1359 Februar 
in Breslau, Mai und Juni in Prag, Juli in Karlstein, September 
d. I. bis 1360 Juni in Nürnberg, September in Eßlingen, Oc 
tober d. I. bis 1361 April abermals in Nürnberg, Juni und 
Juli in Prag. Während dieses langen Zusammenlebens mit dem 
Kaiser hatte er sich dessen Dienst auf das eifrigste gewidmet 
(maiestatern nostram ferventibus studiis honoravit, sagt der 
Kaiser selbst), und sich die hohe Gunst und das schrankenlose Ver 
trauen desselben erworben. Er blieb dafür nicht unbelohnt. Schon 
1355 war ihm das Recht verliehen, Notare zu ernennen und un 
eheliche Kinder zu legitimiren, er war Propst von Wisserad und 
oberster Kanzler von Böhmen geworden, sein Titel in kaiserlichen 
Briefen lautete: princeps et consiliarius noster („surfte und heim 
licher rath"); er war vom Kaiser an unser stat gesalzt, und volle 
macht und gwalt geben in allen unsern und des reichs landen, 
Steden und guten in deutschen landen zu setzen und zu ent 
setzen, und unser und des reichs recht, nutz und gewonheit 
zu suchen, zu fordern, einzunehmen und domit zu thun und zu 
lassen, wie es im alierpeste gevallen wirdet; er führte das re- 
gistrum rationum des Kaisers und stand administrationi et dis- 
pensationi rerum et pecuniarum desselben vor. Ihm wurde die 
Einziehung des kaiserlichen Judenzinses durch ganz Deutsck)land 
übertragen (1360), und als Feldherr des Kaisers focht er (1357) 
anfänglich sieglos, später von Erfolg gekrönt, gegen die Anhänger 
Herzog Albrechts von Baiern. Seine hohe Stellung war selbstver 
ständlich mit hohen Einnahmen verbunden, doch wissen wir wenig 
positives darüber; 1357 war er mit der Stadt Weida und dem 
Schloß Parkstein, 1360 mit dem Angefälle der seinem Verwandten 
Dietrich v. Portitz zu Lehn gehörigen Burgen Orlik und Hauen 
stein belehnt worden; der Kaiser selbst sagt, Dietriä) habe mit 
eigenem Gelde aus Liebe zum Lande Böhmen viele Burgen, Güter 
und Einkünfte deffelben eingelöst, wofür er ihm 1360 alle Ein- 
*) atmn. der Red. Mukede?? Muczouue ist Mötzow und Muselitz 
l ist Mützlitz. 
! **) Böhmer, regesta imperii. VIII. Bd. 1877.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.