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Volume 16. Juli 1881, Nr. 42 Abbildung: Das Gebäude der Deutschen Reichsbank in Berlin. Zeichnung von G. Theuerkauf

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue7.1881 (Public Domain)

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gewährung seiner Concession und erhielt durch die Kurfürstliche 
Verordnung vom 23. Januar 1632 „von Neuem" den Druck 
und Verlag der Staatszeitungen, jedoch unter der ausdrücklichen 
Bedingung, daß Nichts von pasquillen, si seien auch wieder wen 
si wollen, oder sonst etwas, so einen oder den andern zumal 
Standespersonen anzüglich, darinnen sein soll." Wie lange die 
wiedererstandene Zeitung Bestand hatte, ist bisher mit Sicherheit 
nicht ermittelt, doch läßt sich annehmen, daß sie ihr Ende fand, 
als in Folge der durchgreifenden Reorganisation des Postwesens, 
welche die Kurfürstlichen Botenanstalten in Staatsposten um 
wandelte und dieselben (1652) der einheitlichen Leitung des Ober- 
üchnung von G. Theuerkaus. (Siehe Seite 541.) 
Postdirektors (späteren Generalpostmeisters) Freiherr von Schwerin 
unterstellte, die Stellung des Kurfürstlichen Botenmeisters auf 
gehoben wurde. 
Neben den Ueberrcsten dieses Zeitungsunternehmens findet sich 
nun in der Berliner Königlichen Bibliothek noch eine Reihe ein 
zelner Blätter aus dem Jahre 1626, welche ohne Titel und 
Nummerfolge, nur auf einer Seite mit Handschriftlettern bedruckt, 
gleichfalls nach Art der damaligen Avisen politische Mittheilungen 
enthalten, von der oben besprochenen Zeitung sich aber wesentlich 
unterscheiden. Während die letztere aus fast allen Hauptstädten 
Europas Correspondenzartikel bringt, über die Verhältnisse der 
Mark und insbesondere Berlins aber vollständig schweigt, ent 
halten die mit Handschriftlettern gedruckten Blätter lediglich Mit 
theilungen aus Berlin und dessen Umgebung. Man hat die ver 
schiedensten Versuche gemacht, die eigenartige Form dieser Blätter 
zu erklären, ohne jedoch zu einem befriedigenden Resultat zu ge 
langen. Der Grund liegt, wie ich glaube, darin, das; man sich 
von dem Gedanken nicht frei machen konnte, daß man es mit einer 
wirklichen Zeitung zu thun habe. Nach meiner Ueberzeugung handelt 
es sich um eine solche nicht; die in Rede stehende Sammlung ist 
vielmehr ein als Manuskript gedruckter, für den Gebrauch aus 
wärtiger Zeitungsrcdaktionen hergestellter periodischer Bericht über 
Berliner Ereignisse, — eine „Zeitungscorrespondcnz", wie 
solche noch heute in allen Centren des politischen Lebens gedruckt 
oder polygraphirt erscheinen. 
Das Bedürfnis; nach solchen „Correspondenzen" mußte da 
mals noch erheblich größer sein als heute, weil man in den öffent 
lichen Blättern gerade über die Verhältnisse desjenigen Orts, wo 
dieselben erschienen, gar keine Mittheilung fand. Nicht allein die 
oben besprochene Berliner Zeitung*), sondern alle Avisen jener Zeit 
entbehren vollständig der Lokalnachrichten. Der Grund mochte 
darin liegen, daß eine Besprechung heimischer politischer Angelegen 
heiten überhaupt ausgeschlossen war, und die Mittheilung un 
politischer lokaler Ereignisse von allgemeinerem Interesse bei der 
geringen Ausdehnung der Städte für den größten Theil der am 
Orte selbst oder in dessen Nähe wohnenden Leser überflüssig erschien. 
Schon der Umstand, daß die erwähnten Blätter nur auf einer 
Seite bedruckt sind, legt den Gedanken nahe, daß dieselben als Manu- 
skript für eine Druckerei bestimmt waren, und auch die Herstellung 
mit Handschriftlcttern findet in dem Charakter der „Correspondenz" 
ihre natürliche Erklärung; aber noch andere gewichtigere Gründe 
sprechen für die obige Annahme. Es ist bereits von Professor 
Opel der Nachweis geführt worden, das; man die Corrcspondenz- 
artikel der damaligen Zeitungen keineswegs insgesammt als Ori 
ginalarbeiten zu betrachten habe, daß vielmehr gewisse Mitthei 
lungen sich gleichzeitig in verschiedenen Blättern finden, welche 
nicht von einander abgedruckt, sondern aus einer gemeinsamen 
Quelle geschöpft haben. Nun haben sich aus den zwanziger Jahren 
des 17. Jahrhunderts auch Uebcrreste von Wiener Zeitungen 
vorgefunden, und hier zeigt sich die bemerkenswerthe Erscheinung, 
daß in der Oestreichischen Hauptstadt ebenso wie in Berlin neben 
der „Ordinario Zeitung", welche in einem halben Bogen wöchent 
lich erschien und vornehmlich die Begebenheiten des Auslandes 
mittheilte, noch ein anderes periodisches Blatt sich findet, welches 
durchgängig aus einzelnen, meist nur auf einer Seite bedruckten 
Blättern in Quart besteht, deren Inhalt sich ausschließlich mit den 
Angelegenheiten des Kaiserlichen Hofes und der ihm nahe stehenden 
Gesellschaftsklassen in Wien beschäftigt. Der Unterschied dieser 
Blätter von den Berliner Einblattdrucken besteht wesentlich nur 
darin, daß die ersteren nicht mit Schreibschrift, sondern mit ge 
wöhnlichen Drucklettern hergestellt sind. Eine Vergleichung dieser 
Wiener Einzelblätter von 1626 mit der großen Berliner Zeitung 
desselben Jahres zeigt nun — wie Opel nachweist — daß die Re 
daktion der letzteren ihre Wiener Correspondenzartikel zum Theil 
vollständig und wörtlich, zum Theil gekürzt und ihrem protestan 
tischen Standpunkt gemäß modifizirt, aus jenen einseitig bedruckten 
Blättern entnommen hat. Die Regelmäßigkeit, mit der dies ge 
schah, schließt die Vermuthung, daß es sich hier nur um einen ge 
legentlichen Nachdruck aus einer fremden Zeitung gehandelt habe, 
mit ziemlicher Sicherheit aus. Man wird vielmehr unter Mitbe 
rücksichtigung der obigen formalen Gründe annehmen müssen, daß 
jene Wiener Einzelblätter ausdrücklich zum Zweck der Benutzung 
auswärtiger Zeitungsrcdaktionen hergestellt wurden, und wenn 
*) Anm. der Red. Eine Druckprobe theilten wir unsern Lesern 
in unserm ersten Artikel mrt.
	        
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