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Volume 9. Juli 1881, Nr. 41

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue7.1881 (Public Domain)

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E. Meine Herren, anstatt zu streiten, thäten 
Sie, dünkt mich, weit besser daran, 
Wenn ein Jeder seinen Mann 
Nennen wollte. 
A. B. C. D. antworten mit Gedankenstrichen, damit Jedem 
frei bleibe zu rathen, wen das Räthsel meine. 
Das sind meine Beiträge zur Schillerliteratur von 1804, so 
wie die von dem Hoftheater ihm geweihten Huldigungen. Unter 
den aufgeführten Stücken war der „Wallenstein" nicht, wie 
Johannes Scherr in dem Buche „Schiller und seine Zeit" angiebt. 
Dem Einstudiren des „Tell" wurde alle nur mögliche Sorg 
falt gewidmet, doch hat der Dichter nicht, wie Ferdinand 
Schmidt in seinem Schillerbüchlein berichtet, der ersten Vorstellung 
beigewohnt, denn in einem Briefe aus Weimar vom 16. Juli 1804, 
an Zelter gerichtet, heißt es ausdrücklich: 
„Sagen Sie mir etwas über die Vorstellung des „Tell" in 
Berlin, von der ich aus den Zeitungen höre, daß sie ziemlich gut 
gegangen." 
Der „Tell" welcher bis jetzt in Berlin 96 Vorstellungen er 
lebte, machte bei seinem Erscheinen großes und verdientes Auffehen. 
Auch für die Presse war er anregend. Man besprach das Drama 
und seine Wirkungen im Großen und Ganzen. Man hob auch 
Einzelnes hervor, um zu tadeln, oder mit Eifer zu vertheidigen. 
Den Hauptkampfplatz bildete die Spenersche Zeitung. In einem 
langen Artikel beschwerte sich Jemand darüber, daß Jffland ge 
sprochen habe: 
Der See kann sich, der Landvoigt nicht erbarmen! 
statt doch wie es richtig sei, zu sagen: 
Der See kann sich, der Landvoigt nicht erbarmen! 
Der Verfasser bringt für diese seine Ansicht mehrere Gründe 
bei und verlangt von Jffland sofort eine genügende Erklärung 
seiner Sprechweise. Jffland folgt dieser Aufforderung und be 
hauptet, daß er ein Recht habe, das kann zu betonen. Er wehrt 
sich aus Leibeskräften seiner Haut, dankt aber schließlich für den 
Tadel, der ihm in einer anständigen Form stets lieb und werth sei. 
Das ist Alles, was ich nach vielen Forschungen über Schillers 
Aufenthalt in Berlin gefunden habe. Dieser Aufsatz will nichts 
für stch selbst bedeuten, sondern nur der geschickteren Hand einiges 
Material bieten. Es ist eine kunstlose Arabeske, die ich dem 
deutschen Schillerbau anfüge; eine anspruchslose Blume, die auf 
dem Weihealtar ausduften möchte. Nur auf eine solche Weise 
durfte ich Ihnen meine Gabe darbringen; in einem anderen Sinne 
hätte ich es nicht gewagt. 
Misrcllen. 
Iriedrich Albrecht Graf zu Lukenburg. (Hierzu Portrait 
Seite 517). Der Heimgegangene Staatsmann hat sich unvergäng 
liche Verdienste um den Staat erworben. Dieselben sind dreifacher 
Art. Sie liegen auf dem Gebiet des Kampfes um die Er 
haltung der neuen Heeresverfassung, dann der Versöhnung, 
endlich des positiven Schaffens für die Bedürfniffe des er 
weiterten preußischen Staates — so schrieb die Provinzialcorre- 
spondenz. 
Was jener Periode des Kampfes vorherging, war nur die 
Einleitung größeren Wirkens. Es ist bekannt, wie Graf Eulcnburg, 
am 29. Juni 1815 geboren, als Jurist und Verwaltungsmann 
vorbereitet worden, wie er dann als vertrauter Rath im Ministe 
rium des Innern und nachher im auswärtigen Dienste, zuerst als 
General-Konsul in Belgien, darauf 1859 als Gesandter an der 
Spitze der außerordentlichen Sendung nach Japan und China 
Gelegenheit fand, seine Umsicht, seine rasche und richtige Auffaffung 
und eine hohe Energie, verbunden mit den liebenswürdigsten. 
edelsten Formen zu bewähren. Unvergeßlich werden die Worte 
bleiben, die er einmal dem Japanischen Gouvernement gab, 
als dieses ihn von einer Verschwörung des japanesischen Adels 
gegen ihn und die mit ihm benachrichtigt hatte, und zwar mit 
dem Zusatze: „daß die Regierung zweifelhaft sei, ob sie die Ver 
schwörung unterdrücken und die Deutschen schützen könne, daß da 
her dringend zu rathen wäre, sich vorläufig auf die Schiffe zurück 
zuziehen." Da erwiderte Graf Eulenburg mit einfacher Würde: 
„Es sei nicht der Preußen Art, sich zu fürchten und er werde sich 
selbst zu schützen wiffen, falls das japanische Gouvernement zu 
schwach dazu sei." Diese unter den damaligen Verhältnissen fast 
mehr als muthige Antwort wiegt Bände von Nekrologen auf. 
Kein Wunder, daß der scharfe Blick des Herrn von Bismarck, 
als er bei der Neubildung des Ministeriums Ende 1862 an Stelle 
des Herrn von Jagow auch einen Minister des Innern suchte, 
auf Graf Eulenburg fiel, dessen Einsicht er von ftüher her kannte, 
der sich aber neuerdings auch als ein Mann der That gezeigt hatte. 
Graf Eulenburg sollte schon einige Monate vorher, beim Rücktritt 
des Handelsministers von Holzbrink, nach dem Wunsche des Herrn 
von der Heydt ins Ministerium treten, er hatte damals jedoch 
keine Neigung dazu, weil ihm die Regierung zu schwach und ohne 
rechten Halt erschien. Er verschwand dann (nach Schlesien, wie 
sich später ergab) und war nirgends aufzufinden, bis Herr von 
Bismarck ins Ministerium getreten war. Dem Rufe, der von 
dieser Seite nach einiger Zeit an ihn erging, leistete er gern Folge. 
Er hatte von vornherein eine große Meinung von Herrn von 
Bismarck, und diese steigerte sich mehr und mehr zu rückhalt 
loser Bewunderung und zu einer Verehrung, welche seiner kritischen 
Natur sonst fern lag. 
Es wird dem Grafen Eulenburg unvergessen bleiben, in 
welcher Weise er zur Konfliktszeit für die Bewahrung der Grund 
lagen mitgewirkt hat, auf welchen sich die große Gegenwart auf 
baute. Ihm insbesondere fiel die Aufgabe zu, die damalige innere 
Politik nach den Bedürfnissen der großartigen äußeren Leistungen 
zu führen. Man erinnert sich der Rede, welche er zu Ende des 
Jahres 1867 in Abwesenheit des Grafen Bismarck hielt, um dar 
zulegen, wie eben jeder Minister in seinem Ressort nur dazu mit 
zuwirken gehabt und mitgewirkt habe, das Gelingen der großarti 
gen äußeren Politik möglich zu machen. Nächst dem damaligen 
Minister-Präsidenten und Herrn von Roon war Graf Eulenburg 
der hervorragendste Minister und ist als solcher auch willig aner 
kannt worden. Sein späteres Wirken war hauptsächlich der Re 
organisation des erweiterten Staates und der Verwaltungsreform 
in demselben gewidmet. Namentlich wird er als Begründer der 
Verwaltungsreform, durch die Durchsetzung des wichtigsten Gesetzes 
derselben, der Kreis-Ordnung, gelten, und ihm durch dasselbe ein 
dauerndes Andenken als Reform-Minister gesichert bleiben. 
Im Jahre 1877 legte er sein Amt nieder, das er fast 15 
Jahre hindurch mit Ehren geführt hatte. Zu einem Bekannten 
äußerte er einmal wörtlich: „das Selbstverwaltungswerk konnte 
weder auf den Trümmern feudaler Vorrechte aufgebaut, noch den 
wilden Strömungen einer allzu radikalen Demokratie überlassen 
Werden. So eingekeilt zwischen zwei gleich heißblütigen Extremen 
habe ich hin und her manövriren müssen und nach beiden Seiten 
hin angestoßen. Aber was jetzt fertig ist, die Kreisordnung, halte 
ich für einen verständigen Kompromiß zwischen radikalen Prinzi 
pien. Weiter werde ich schwerlich kommen, ich bin aufgerieben, 
mag ein Anderer den Seiltanz fortsetzen." Im Laufe des letzten 
Jahres entwickelte sich ein hochgradiges Nervenleiden, welchem er 
am 2. Juni d. I. erlag; sein Tod war die Erlösung von schwe 
ren Leiden. 
In der Matthäikirche fand die Trauerfeierlichkeit statt, an der 
fast ohne Ausnahme die gesammte Geburtsaristokratie Berlins 
sowie die hohen Würdenträger des Staates und die Vertreter der
	        
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