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Volume 9. Juli 1881, Nr. 41

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue7.1881 (Public Domain)

522 
Ene, mene, ment, 
Botter in de Kant', 
Käse in de Mitt', 
Du löpst nid) mit! (Westpriegnitz.) 
Eins, zwei, drei, 
Picke, Packe, Pei! 
Picke, Packe, 
Pudel hasche! 
Bumster, rumster, Donnerschlag, 
Ob er uns mau kriegen mag? 
1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 
Die Kirch' die kracht. 
Der Jung' lief rein, 
Die Kirch' fiel ein. 
Der Jung' lief raus. 
Die Kirch' war aus. 
Ene mene mig marelle 
wischle waschle pumpanelle ^ 
wischle waschle wu 
ich oder du. (Neuvorpommern.) 
Pitter, patter, ikenstrich. 
Sieben Katzen schlugen sich 
Mit dem schweren Hammer 
In der dunklen Kammer. 
Denkt er denn, denkt er denn, 
Mädel sind theuer? 
5 vor'n Pfennig, 15 vor'n Dreier! 
Denkt er denn, denkt er denn, 
Jungen find theuer? 
15 vor'n Flederwisch, 30 vor'n Dreier! 
Unig, tunig, Zinkenzank, 
Kurze Kleider sind nicht lang. 
Ene — Mene — Machen, 
Hier sitzen zwei Kaninchen, 
Vater todt, Mutter todt, 
Gieb mir'n bischen Butterbrot, 
Butterbrot hab' ich nicht, 
Tausend Thaler kriegst du nicht. 
(Uckermark und Neuvorpommern.) 
Doktor Beer 
Schickt mich her, 
Ob der Kaffee fertig wär? — 
Nein, mein Kind, du mußt noch warten, 
Geh' derweilen in den Garten. — 
Uh re acht, Ufere neun muß ich in der Schule sein, 
Komm' ich nicht zur rechten Zeit, 
Steht der Stock für mich bereit. 
Todtenstille jämmerlich; 
OchS und Esel fürchten sich. 
Braut und Bräut'gam küssen sich 
Und die Katzen beißen sich. 
Alle Beine rühren sich, 
Kriegst du mich, so hast du mich! 
(Königsberg; Frankfurt a. d. Oder und Umgegend.) 
Beiträge ;u Schillers Aufenthalt in Berlin. 
Von Lürger. 
Als eine Ergänzung des Neumann-Strela'schen Auffatzes 
in unserer Nr. 33 dieses Jahres drucke ich im Nachfolgenden einen 
Aufsatz ab, den die hiesige Königl. Bibliothek im Manusript be 
wahrt, und dessen Verfasser (Bürger?) einem Berliner literarischen 
Verein angehört hat, wie aus dem Aufsatze, der vom Jahre 1850 
datirt, selber hervorgeht. D. 
Berlin 1804. Fremden-Meldeamt. 
Angekommene Fremde: 
Den 2. Mai. Herr von Schiller. Hofrath aus Weimar, 
kommt von Leipzig, logirt unter den Linden im Hotel de Russie, 
bei Obermann. 
Da dieses Obermann'sche Gasthaus im gewissen Sinne den 
Schillerhäusern beizuzählen ist, dürften einige an beglaubigter Stelle 
eingezogene Notizen darüber nicht unwillkommen sein. 
1763 wurde das jetzt unter den Linden mit Nr. 23 bezeich 
nete Haus, worin wir uns heute festlich versammelten, von 
Sr. Majestät dem Könige erbaut und dem Gastwirth Samuel 
Christian Sonntag übergeben. 
1772 bittet eine Frau Stöwen um die — ihr auch ertheilte 
— Erlaubniß, auf dem Hofe des gedachten Hauses eine Brauerei 
! bauen zu dürfen. Hieraus erklären sich die mancherlei seltsamen 
Mauerreste, die sich noch vor dem letzten Umbau dort vorfanden. 
1793 nennt es der Gastwirth Obermann „die goldene Sonne", 
welches Symbol man noch in dieser Stunde Lber dem Eingänge 
prangen sieht. 
1800 führt es bereits — wie das amtliche Adreßbuch nach 
weist — den Namen „Hotel de Russie", den es auch bei Schillers 
Anwesenheit noch trug. Diese Umtaufe rührt wahrscheinlich von 
der Vorliebe der Madame Obermann für die reiche russische Kund 
schaft her, denn als ihr Eheherr, der den ursprünglichen Namen 
„die goldene Sonne" wieder herstellte, verstorben war, ließ 
1815 die Frau Wittwe Obermann das „Hotel de Russie" in 
seiner alten Herrlichkeit wieder auferstehen. 
1822 ging das Haus an den Hoftraiteur Jagor über. Das 
Weitere ist bekannt.*) 
Wenn gegenwärtig ein literarischer oder künstlerischer No- 
j tabler in unserer Hauptstadt erscheint, nimmt die Presse Besitz von 
ihm. Wir erfahren, was der Gefeierte gesprochen und mit wem; 
wen er bei sich empfing, wen er besonders auszeichnete, wo und 
was er speiste. 
Die damaligen Blätter von Berlin beobachten über Schillers 
I Ankunft ein beharrliches Schweigen. Die Spenersche und Vossische 
Zeitung sind stumm. Der von August von Kotzebue redigirte 
Freimüthige, mit dem Bildniß des Aristides an der Spitze, nimmt 
von Schiller nicht die geringste Notiz. 
Dagegen ist die Industrie von 1804 schon eben so gewitzigt, 
als die Industrie von 1859. Kaum ist der Dichter angelangt, 
als die Buchhandlung von Haude und Spener anzeigt, daß von 
dem ersten Bande der Schillerschen Gedichte eine zweite Auflage 
erschienen sei, welche sie für 1 Thlr. 14 gGr. verkaufe. Auch be 
sitze sie Exemplare ä 1 Thlr. von der so eben ausgegebenen „Braut 
: von Messina." 
Unser Dichter hatte seinen „Wilhelm Tell" nach Berlin ge 
bracht. Sofort kündigt der Buchhändler Maurer, Brüderstraße 9 
*) Anmerkung der Red. Die weiteren Schicksale des Hauses 
sind bekanntlich die, daß dasielbe in die Hände der Fuhrwerksbesitzer 
Gebr. Beeskow überging, daß das berüchtigte Tanzlokal von Anton, 
darin hauste und in die obersten Räume die Berliner Modezeitung Bazar 
einzog. Im Jahre 1870 wurde das Haus von Gründern angekauft, abge 
rissen, und an seiner Stelle entstand der Prachtbau der „Passage".
	        
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