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Periodical volume 23. October 1880, Nr. 4 Abbildung: Die St. Nicolaikirche zu Berlin

Full text: Der Bär Issue 7.1881

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jetzt sich die Schießstände befinden, deutlicher sichtbar wird, und in 
den unter dem Namen „Stößen-See" bekannten, zwischen den 
Pichelsbergen und dem Pichelswerder hindurch gehenden Havelarm 
mündet. — 
Mit Recht wird 
der Thiergarten 
von Berlin, wie 
auch kürzlich in 
diesen Blättern 
von sachkundiger 
Seite anerkannt, 
als eine der 
schönsten Zierden 
Berlins ange 
sehen. Und doch 
ist der Boden, aus 
dem dieser schöne 
üppige Wald 
steht, nichts wci- 
ter, als verrufener 
„BerlinerSand;" 
allerdings ein an 
derer Sand, wie 
der der Hasen 
haide, oder der, 
aufwelchemMoa- 
bit steht, der alte 
Oderdünensand. 
Der Boden des 
Thiergartens ist 
Alluvialsand, 
ein fruchtbarer, ' 
von der Spree 
angesetzter, wenig 
Thon und Kalk, 
aber viel Humus 
enthaltender 
Sand, den die 
Spree über den 
ursprünglich da 
selbst vorhande 
nen Weißen, feinen 
Sand des alten 
Seebeckens la 
gerte. Denn ver 
muthlich war der 
untere Theil des 
Spreethales, 
nachdem die Oder 
dasselbe verlassen, 
. sowie das ganze, 
'i fast wagerechte 
Havelland bis in 
die Gegend von 
Oranienburg, 
Neustadt a. D. 
und Rathenow 
ein großer Landsee, aus welchem die in diesem Terrain be 
findlichen Höhen als Inseln hervorragten, bis die Gewässer 
zwischen den Höhen des Grunewald und denen von Gatow nach 
Süden durchbrachen, die jetzigen schönen Havelseen oberhalb und 
unterhalb Spandau bis über Potsdam hinaus als verhältnißmäßig 
kleine Reste des großen Sees zurücklassend. Während die tiefften 
Stellen des abgelaufenen Landsees auf der fast wagerechten Fläche 
als Moore zurückblieben, die höheren, wie die heutige Jungfern 
haide, nackte Sandflächen bildeten, entstanden auf den mittelhoch 
belegenen, noch oft von den Hochfluthen erreichten Terrain üppige 
Laubwälder, wie der Thiergarten, der Brieselang hinter 
Spandau und der 
Zootzenzwischen 
Nauen und Frie- 
sack im Havel 
lande. Auf dem 
seit Jahrhunder 
ten mit Wald be 
standenem Boden 
hat sich mit der 
Zeit eine fußdicke 
Humusschicht ge 
bildet , welche 
hauptsächlich in 
Verbindung mit 
dernichtfehlenden 
Feuchtigkeit die 
Ursache der üppi 
gen Vegetations 
kraft des Bodens 
ist. Wir haben 
hier also in dem 
Thiergarten, wie 
in dem ganzen 
Spreethalc über 
haupt, eine der 
jüngsten Bildun 
gen vor uns; diese 
Fluß - Alluvionen 
sind Bildungen, 
welche fortgesetzt 
in allen Fluß- 
und Bachthälern 
stattfinden. Wenn 
ihre Anfänge seit 
Ausbildung unse 
rer jetzigen Fluß- 
systeme auch um 
Jahrhunderte vor 
. Beginn der histo- 
rischenZeitzurück- 
zudatiren sind, so 
sind sie doch jung 
im Vergleich zu 
den viele Jahr 
tausende älteren 
Bildungen des 
Diluviums der 
Gletscherperiode 
und den noch äl 
teren der Braun 
kohlenzeit. An 
Zeugen der Vor 
zeit, Versteine- 
; rungen von Thieren und Pflanzen, ist naturgemäß das ganze 
l Diluvialgebiet weit ärmer, als die wieder zu festem Gestein ge 
wordenen, älteren, geschichteten Mafien der eigentlicheu Gebirge. 
Trotzdem entbehrt auch das norddeutsche Flachland nicht vollständig 
der Reste der Vorzeit. Sv wurden u. a. wiederholt, zuerst im 
Jahre 1816, im Kies des Kreuzberges bei Berlin Knochen des vor- 
! weltlichen Mammuths (Elepbas primigenius) aufgefunden, ein 
Dir Kt. Ilirotaikirche zu Sertm. (Siehe Seite 48.)
        
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