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Volume 18. Juni 1881, Nr. 38

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue7.1881 (Public Domain)

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sogar ein neu erworbenes Terrain im Grunewald mit herange 
zogen. Dasselbe hatte dem bekannten Herrn von Schäfer-Voit 
gehört, welcher, ohne zu den Begründern Wcstends zu gehören, 
doch dessen Interessen stets zu fördern bestrebt gewesen ist. In 
seinem Besitz war lange Zeit das herrlich am Spreeufer gelegene 
Schloß Ruhwald, gegenüber von Westend; auch das chinesische 
Theehäuschen, welches jeden Besucher beim Eintritt in Westend 
anheimelt, gehört ihm. 
Augenblicklich stehen 79 Villen aus Westend. Die letzte Volks 
zählung ergab eine Bevölkerung von ca. 680 Seelen, wobei zu 
bemerken ist, daß, da Westend zugleich als Sommersitz benutzt 
wird, diese Ziffer im Sommer sich bedeutend erhöht. 
Kurfürstenstraße bis zu der Tegler Zungfernhaide und von dem 
Thiergartenvicrtel bis zum Spandaucr Berg. Die Stadt, welche 
i. I. 1730 noch 1636, zu Anfang des Jahrhunderts 3445 Ein 
wohner zählte, ist zu einer Einwohnerzahl von über 30000 ange 
wachsen. Berühmte Institute, wie die Artillerie-Schule, das Poly 
technikum liegen auf Charlottenburger Grund und Boden. Bald 
werden sämmtliche Bahnen Berlins in einem großen Hauptbahn 
hof hier münden. So nähert sich immer mehr der Tag, wo beide 
Städte, deren Grenzen sich schon jetzt zum Theil verschmelzen, zu 
einer zusammengewachsen sein werden. Wie sich aber auch die 
Verhältniffe gestalten mögen, die Geschicke beider Städte werden 
immer innig mit einander verflochten sein. 
Das Eckardtfirm'sthr ehemals der Gräfin Lichtenau gehörende Palais in Lhartottenburg. 
Originalzeichnung nach einem Stich aus den letzten Jahren des vorigen Jahrhunderts. (Siehe Seite 491 und 499.) 
Eine Villen-Kolonie Berlins ist denn auch Charlottenburg bis 
in die neueste Zeit hinein geblieben; aber freilich, wie sehr auch der 
Werth der Stadt nach dieser Richtung hin in den Augen des 
Berliners stieg, der Antagonismus zwischen den Bürgern beider 
Städte schwand keineswegs sofort. Ja in den politisch bewegten 
Zeiten von 1848 war er so stark, daß man sich gegenseitig mit 
mißtrauischen Blicken ansah und der Berliner sich ungern nach 
Charlottenburg begab. Zeichnete doch den älteren Charlottenburger 
königstreue Gesinnung aus, so daß er in jedem Berliner einen 
Revolutionär sah. Erst mit der jährlich steigenden Vermehrung 
der Einwohnerzahl und der regeren Entfaltung kommunalen 
Lebens schwand der Gegensatz allmählich. Allerdings haben sich 
die Verhältniffe gewaltig geändert. Das kleine Charlottenburg, 
welches früher vom Lützower Kirchhofe bis zum Schlöffe sich er 
streckte, es dehnt sich heut aus von dem Berliner Westend der ; 
Miscellen. 
Der Gampo Santo und der Aerkiner Dom. Bekanntlich 
soll der Bau des Campo Santo nun, nachdem sich der Kronprinz 
in Gegenwart der „Commission für den Bau der Fürstengruft", der 
Herren Adler, Persius und Or. Schöne, kürzlich das Projekt 
hat an Ort und Stelle in den Plänen vorführen lassen, endlich 
begonnen werden. Als diese Notiz neulich durch die Spalten 
unserer Tageblätter lief, da wurde auch des „ältesten Häuschens 
Berlins" Erwähnung gethan, welches gegenwärtig dem Aufsichts 
beamten des Campo Santo zur Wohnung dient. 
Gemeint war damit das sogenannte „königliche Waschhaus" 
zwischen Dom und alter Börse, ein Gebäude, das König Fried 
rich Wilhelm I. bauen ließ. Ueber den Irrthum vom „ältesten 
Häuschen Berlins," und noch dazu auf Cöllner Terrain, im Kopfe
	        
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