Path:
Periodical volume 18. Juni 1881, Nr. 38

Full text: Der Bär Issue 7.1881

480 
Kuppel der Nicolai-Kirche. Am Ufer streckt sich hin die zinnenge 
krönte Kaserne des Garde-Husaren-Regts., die mit Rücksicht auf 
die Landschaft stilvoll gehaltenen Pferdeställe, die alte Warte, eine 
ehemalige Mühle, und nach Süden, durchschlängelt von dem Silber 
band der breiten Havelflächen, die Nuthewiese bis zu den dunkel- 
bewaldeten Höhen des Brauhausberges mit seinem ruinenartigen 
Wartthurm. Der Bahnhof trägt die nüchterne Geschäftigkeit in 
das landschaftliche Idyll, dem die fernen Kuppeln des Neuen Palais, 
des Ruincnberges und Stadtschlosses wieder den Charakter des 
Königsitzcs aufprägen. Nach Osten schweift der Blick in den Teltow, 
das Wuthcthal, über den Wald bis zur Anhalter Eisenbahn! 
Aber gerade dieser letzte Blick nach Süden und Südosten ließ 
die Achillesferse (wenn man so sagen darf) des sonst so harmonisch 
gegliederten Parkes entdecken. An der Südseite des Babelsberges 
traten nämlich unvermittelt an die Laubpartien des Parkes der 
dürre Sandackcr und die slachgründigen Havelwiesen heran; dazu 
bildeten die einstöckigen, gleichförmigen Kolonistenhäuser von No- 
wawcß einen sehr nüchternen Hintergrund. Diesem Ucbelstande 
mußte abgeholfen werden. 
Der jetzt verstorbene Ober-Hofgärtner Hermann Cello in 
Sanssouci trat daher auf Wunsch des erlauchten Besitzers, welcher 
seit 1861 den Königsthron bestiegen hatte, mit den Besitzern der 
einzelnen angrenzenden Ackerparzcllen und Wiescnflächcn in Unter 
handlung, und es erfolgte dann in den Jahren 1864 bis 1871 
zu gegenseitiger Befriedigung der Ankauf der beregten Grundstücke 
in Größe von 121 Morgen 5 ÜM. 
Als das neue Terrain nach den Angaben Sr. Majestät zu 
Parkanlagen umgewandelt werden sollte, nahm unerwartet der Tod 
den Hofgärtncr Kind ermann, welcher seit 30 Jahren so wesent 
lich Antheil an dem Werden und Gedeihen des Parks gehabt 
hatte, hinweg (15. September 1865). Der durchlauchtigste Be 
sitzer übertrug nun die Ausführung dem Sohne des Verstorbenen, 
der den Intentionen des Königs gemäß das Terrain theils ein 
ebenen, theils wellig bewegen ließ, leicht geschwungene Fahr- und 
Fußwege anlegte und große angemessene Baum- und Strauch 
gruppen vertheilte. Namentlich mußte eine Laubwand die reizlose 
Kolonistenlandschaft von Nowaweß verhüllen. Während der Jahre 
1865 bis 1867 wurde eine rastlose Thätigkeit auf dem Terrain 
entfaltet und Tausende großer Bäume und Sträucher, die im 
Havellandc aufgekauft waren, dorthin verpflanzt. Nur mit Hülfe 
der thätigen Dampfmaschine war man imstande, das Anwachsen 
der Anpflanzungen zu ermöglichen. Deshalb erweiterte man die 
Maschincnanlage von 1845 uni 65 Pferdckraft und legte auf der 
Höhe des Berges ein neues Basiin an, das von nun an sämmt 
liche Fontaincn und Teiche des ganzen Parks speiste. Von 
diesem Reservoir auf der Höhe fiel das Bericselungswasier nach 
dieser sandigen und wenig fruchtbaren Parkpartie, und zahlreiche 
Arbeiter sendeten aus Schläuchen das erquickende Naß über Laub- 
kronen und Bodenfläche. Die aufgewendete Mühe und Sorgfalt 
ward aber auch glänzend belohnt. — Heute ahnt der Lustwandelnde 
wohl nicht, daß diese hochstämmigen alten Bäume, diese dichten 
Klumps und Gebüsche erst höchstens seit 15 Jahren dort stehen. 
Fest gewurzelt und cingesaugt, gedeihen sie nun, wie im heimath 
lichen Boden erwachsen. 
Unbestritten die reizvollste Partie dieses neuen Parktheils ist 
der 5>/2 Morgen große künstliche See am Fuß der Anhöhe. Mit 
beneidcnswcrthcm Glück und sinnigem Verständniß hat der Gärt 
ner in der Schaffung dieses Wasserbeckens mit geschwungenen, 
buchtenreichen Ufern, den Jleinen Eilanden darin, und den bald flachen 
bald steil hinabfallenden Ufern ein Meisterwerk landschaftlicher Gärt 
nerei geliefert. Um das Versiegen des Wassers einigermaßen zu ver 
hüten, dichtete man den Grund und ccmentirte den Rand. Freilich ist 
dieser Umstand nicht ganz zu vermeiden, doch genügt täglich eine 
Stunde neuen Zufluffcs, uni das Manko zu ersetzen. Selbst dieses 
Einströmen mußte sich in den Dienst der landschaftlichen Schön 
heit bequemen. Aus dunkler Schlucht zwischen erratischen Blöcken 
bricht murmelnd und plätschernd der mächtige Quell geheimnißvoll 
hervor, um über Geröll und eine aus Felsblöcken gethürmte Wand 
als belebte malerische Kaskade hinunterzugleiten zum See. Sehr 
wesentlich wird die ganze malerische Scenerie unterstützt durch 
zahlreiche günstig auf den Inseln und am Ufer einzeln oder in 
Gruppen vertheilte mächtige Wanderblöcke, welche der hohe Herr 
oft aus weiter Ferne hierher transportiren ließ. 
Auf dem südlichen Abhange des Höhenzuges, der sich sanft 
nach den neuen Anlagen abdacht, errichtete der hohe Besitzer nach 
dem siegreichen Feldzuge von 1866 eine Säule zum Andenken an 
die glorreichen Thaten seiner Armee. Die Säule selbst ist ein 
Monolith aus einem nordischen Wanderblock von Cantian in 
Berlin gearbeitet. Sie bildete einst mit der Siegessäule auf dem 
Belle-Alliance-Platz in Berlin einen Stein. Als König Friedrich Wil 
helm IV. aus diesem erratischen Collossalblock jene Berliner Säule an 
fertigen ließ, bearbeitete Cantian zugleich die Schwestersäule zu 
einer möglichen Bestimmung für die Zukunft. Diese Bestimmung 
wurde ihr nach 25 Jahren. Sie erhebt sich jetzt auf einem Sockel 
mit Terrassen von Kamcnzer Granit. Kapitäl und Basis sind 
von Bronce in Lauchhammer gegossen, wo auch die Kranz haltende 
Victoria von Rauch, welche die Säule krönt, gegossen wurde. 
Ihr Antlitz richtet sie nach der Potsdamer Garnisonkirche, wo 
unter der Kanzel Friedrich der Große schläft, und unverkennbar 
merkt man die Absicht des Siegers von Königgrätz, daß die aus 
gestreckte Rechte der Siegesgöttin den Lorbeerkranz auf dem Sarge 
des Siegers von Leuthen niederlegen soll! Zu den in großen 
Bronccplattcn dargestellten Kriegsdenkmünzen von 1864 und 1866 
gesellte sich später die von 1870/71. Die Aussicht von der Höhe 
bei der Siegessäule, namentlich auf die zu Füßen sich lagernden 
neuen Parkpartien mit dem stillen buchtenreichen Wasserspiegel, in 
den Teltow hinein bis zu den waldbekränzten Höhen jenseit der 
Ruthe, oder über das frische Wiesengrün bis zum Brauhausberg 
und dem geschäftigen Treiben am Bahnhöfe und aus der langen 
Havelbrücke bietet ein liebliches abwechselungreiches Bild. 
Ueber die alte Berliner Gerichtslaube im Parke haben wir 
schon eine ausführliche Mittheilung mit Abbildung in Nr. 9 des 
VI. Jahrgangs des Bär gebracht und bleibt uns nur noch ein 
kurzer Hinweis auf das „Bildstöckel" am Havelufer und auf die 
„Schanze". — 
Am Havelufer unweit des Schlosses, vor einer leicht sich wöl 
benden Baumgruppe, steht ein altersgraues steinernes Bildstöckel, 
wie es in katholischen Ländern mit einem Marienbilde im Taber 
nakel häufig an Wegen sich findet. In der Nähe dieses Bild 
stöckels hatte unser Kaiser als. prinzlicher Feldherr im Badenschen 
Feldzuge am 29. Juni 1849 zu Pferde gehalten, als der Feind 
ein lebhaftes Kanoncnfeuer auf diese Stelle richtete, der Prinz aber 
nicht zu bewegen war, seinen Platz zu verändern. Sieben ihm 
hielt der Oberst-Lieutenant Graf v. Pückler vom 3. Bataillon 
(Havelberg) 24. Landwehr-Regiments, damals Hofmarschall des 
Prinzen, jetzt General-Major und Ober-Haus- und Hofmarschall 
unseres Kaisers. Im Kugelregen bemerkte der Prinz zum Grafen 
Pückler, daß dieses Bildstöckel ungefähr die Gestalt habe, wie 
jenes von ihm vor Ausbruch des Feldzuges für seinen Park be 
stellte Bildwerk. Als später der Großherzog von Baden von dieser 
auffälligen Kaltblütigkeit in der Gefahr und von dem Gespräch 
über das unscheinbare Steinwerk hörte, ließ er es mit einer stei 
nernen Platte versehen, die das Eiserne Kreuz und das Datum 
„29. Juni 1849" trägt, und schenkte es zur Erinnerung an diese 
Stunde dem Prinzen, der ihm die liebliche Stelle am flachen 
Flußufcr anwies, den vorübersegelnden Schiffern ein Mahnruf 
zum Höchsten. 
Ein zweites ungleich pompöseres Denkmal erinnert ebenfalls an
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.