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Periodical volume 18. Juni 1881, Nr. 38

Full text: Der Bär Issue 7.1881

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brauchte, um jenem Wunsche nachzukommen. Er ließ die dürren 
Sandhöhen, wo kein Rasen zu erzielen war, sowie die unschönen 
Formen mit Laubmassen decken, hob die besseren Formen hervor, 
reinigte die Abhänge und Thalschluchten von den knorrigen Kien 
bäumen und gewährte dem jungen Eichenausschlag der alten 
Wurzelstöcke freiere Lust und angemessenen Spielraum. Der Ba 
belsberg war bis Anfang dieses Jahrhunderts mit alten Eichen 
bestanden gewesen, welche aber in der trostlosen Zeit von 1806 
bis 1810 zum Theil von den Umwohnern gestohlen worden waren; 
die im Boden verbliebenen Wurzclstubben hatten jenen üppigen 
Nachwuchs gebracht. Von anderer Seite wird behauptet, die Be 
hörde habe die Eichen gefällt, um von dem Erlös derselben einen 
Theil der Kriegsschulden zu decken. Unmittelbar vor dem Schloß, 
auf sanft abfallender Neigung zum Flußufer, legte Lenne den be 
rühmten Bowlinggreen an und ließ ihn rechts und links von 
schlangelnden Luftwegen begleiten. Das Havelufer selbst als 
Vordergrund des Schlosses erhielt fruchtbare Erde und malerische 
Gruppirung von Espen, Weiden, Linden; dazu wand sich ein an- 
muthiger Weg am Ufer unter schattigen Erlen uin das Ganze. 
Die Ausrodung der alten unschönen Kienbäumc erfolgte nur 
langsam, bis die an ihrer Statt oder hinter ihnen angepflanzten 
Laubbäume groß genug waren, um die kahlen Höhen hinter dem 
Schlosse zu masquiren. — So ruhte nie die Hand des schaffenden 
Gärtners, und das Auge überflog stets das Ganze, hier ausfüllend, 
dort platzschaffend. Die meiste Sorge bereitete der wasserarme 
Boden, welcher den nachgepflanzten Sträuchern und Bäumen nicht 
ausreichende Nahrung bot. — Nach Ueberwindung dieser Schwierig 
keit ging Lenne an die Detailarbciten. So wurde im Frühjahr 
1838 der Abhang von der Lindenhöhe, die ihm zu Ehren später 
den Namen Lennehöhe erhielt und jetzt die Berliner Gerichts 
laube trägt, sowie der Abhang unmittelbar hinter dem Schlosse 
bepflanzt. Auch der Blumengarten beim Theeplatz am Schloß 
und am Damenhäuschen erfuhren eingehende Verschönerungen; 
der schattige Laubenweg zur einsamen Hafenbucht mit den bunt- 
bewimpelten Booten tvurde angelegt, und namentlich die Umgebung 
des Damenhäuschens, das nun zum Aufenthalt für den jungen 
Prinzen bestimmt ward, in ein Schmuckplätzchen von Blumcn- 
tcrrassen, Beeten, Lauben mit Fernsichten verwandelt. 
Die bunte wellenförmige Belaubung der Hügelkette, dazu das 
saftige Grün der Uferpartien erhöhten sehr Vortheilhast die land 
schaftlichen Schönheiten der Potsdamer Umgegend. Die bis dahin 
fast unbeachtet gebliebenen Sandhügel mit ihrem kärglichen Baum 
wuchs reihten sich nun sehr bcachtcnswerth in den Kreis der lieb 
lichen Landschaftsbildcr und erweckten eine ungeahnte Aufmerksam 
keit für den Kenner landschaftlicher Schönheiten. 
Dieser Umstand konnte dem kunstsinnigen König Friedrich 
Wilhelm IV. nicht entgehen, und in seinen Plan, die Insel 
Potsdam, wie schon sein Ahn, der große Kurfürst gewollt, in 
einen großen landschaftlichen Park zu verwandeln, fügten sich die 
idyllischen Partien von Glineke und Babelsberg sehr erwünscht. 
Es konnte daher nicht ausbleiben, daß die epochemachenden 
Schöpfungen des neuen Regenten sofort nach Antritt seiner Re 
gierung i. I. 1840 auch Park und Schloß Babelsberg in Mit 
leidenschaft zogen. 
Der Prinz erwarb deshalb im Dezember 1840 das westlich 
an den Park grenzende Grundstück des Hof-Apothekers Reichert 
von 12 Morgen für 12000 Thlr., später noch den angrenzenden 
Weinberg am Abbange des Mühlenhügels, auf dem heute der 
Flatower Thurm steht. Mit der Uebernahme dieses letzteren Stückes 
endete des Gartendirektors Senne unmittelbare Betheiligung an 
der Herstellung des Parks, und es verblieb nun dem seit 1836 
benifenen Hofgärtner Kindermann (gest. am 15. Septbr. 1865) 
die Aufgabe, die Parkanlagen ganz im Sinne der Allerhöchsten 
Herrschaften zu vollziehen. 
Der wunderbare Zauber, den die spielenden Wasserkünste den 
Gärten von Sanssouci, Charlottenhof und Glineke verliehen, dazu 
der praktische Nutzen, der durch ein nun mögliches Berieselungs 
system für die Anlagen erreicht wurde, veranlaßte den Prinzen 
von Preußen auch für seine Schöpfungen an die Herstellung von 
Fontainenanlagen zu denken. 
Persius entwarf 1843 nach den Berechnungen des Com 
missions-Raths Brix das Projekt, und Hofbaumeister Gottge 
treu übernahm die technische Ausführung. Im Jahre 1845 war 
das Werk vollendet. 
Entsprechend dem gothischen Stile des Schlosses erstand am 
User der nordwärts tief einschneidenden stillen Havelbucht am steilen 
Ufergehänge das Maschinenhaus mit zierlichem, zinnengekrönten 
Thurm, der zugleich Schornstein ist. 
Während das Untergeschoß außer der Maschine noch ansehn 
liche Wohnräume für den Maschinenmeister enthält, richtete man 
das Obergeschoß zu Cavalierzimmern ein. Die Dampfmaschine 
bis zu 40 Pferdekraft ist von Egells aus Berlin und hebt das 
Wasser durch einen 9 Zoll weiten Röhrenstrang nach zwei auf 
den höchsten Kuppen des Berges gelegenen Bassins, aus denen 
die Fontaincn gespeist werden. Das größte Bassin mit 75 Fuß 
Durchmesser bei 7 Fuß Tiefe liegt 153 Fuß über dem Havelspiegel, 
das kleinere, unmittelbar hinter dem Schlosse mit nur 24 Fuß 
Durchmesser, bei 10 Fuß Tiefe und 128 Fuß über dem Havelspiegel. 
Von diesem aus werden die Fontainen im Blumengarten des 
Schlosses gespeist, während das größere Bassin die aus dem Havel 
bett am Rande des Bowlinggreen aufsteigende Geiscrfontaine 
speist, die bis zu der erstaunlichen Höhe von 130 Fuß aufsteigt. 
Außerdem legte man, um Abwechselung und Stimmung in 
die einsamen Waldpartien der laubigen Anhöhen zu bringen, 
einen unregelmäßigen Teich von 200 Fuß Durchmesser zwischen 
diesen Reservoirs an, der in seinen Formen sehr glücklich idyllischen 
Waldweihern nachgeahmt ist und zu den Perlen der landschaftlichen 
Bilder und Ueberraschungen gehört. Er wird durch die Maschine 
gefüllt. Ein anderer Teich von 50 Fuß Durchmesser wird von 
dem eben erwähnten gespeist. Das abfließende Wasser des höher 
gelegenen Teiches nach dem tiefer gelegenen plätschert und springt 
über eine von erratischen Geschieben sehr natürlich ausgethürmte 
Felswand und bildet so einen unmuthigen Wasserfall, deffen Plät 
schern und Murmeln angenehm die feierliche Waldeinsamkeit belebt. 
Um das Versiegen des Wassers zu verhindern sind, die Teiche 
mit Thon gedichtet. Nimmt man hierzu die mit Kennerblick er 
fundene Staffage an Schilf und Schwertlilien, überhängende Erlen, 
dunkle Buchen, die weißen bleichen Wasserrosen mit ihren großen 
Blättern, das röthliche Geäst der alten knorrigen Kiene und das 
Plätschern des kleinen Wasserfalls über die künstlich aufgehäuften 
erratischen Trümmer, so wird der Wanderer in dieser erhabenen 
Einsamkeit unwillkürlich ersaßt und von der beabsichtigten Wirkung 
aufs tiefste ergriffen. 
Diese geniale Dichtung in der Landschaftsgärtnerei konnte 
nur in dem Geiste eines Fürsten Pückl er-Muskau keimen, der 
in seinem Muskau selbst ein Vorbild gärtnerischer Kunst schuf. 
Der Fürst übernahm nach Lenne die weitere geniale Oberleitung 
der Parkanlagen, wesentlich unterstützt durch das Berieselungs 
und Besprengungssystem, das durch die Anlage der Dampfmaschine 
nun ermöglicht war und schon vor Eröffnung der Fontainen zur 
Anwendung kam. — Letztere ließen zum ersten Mal ihren feuchten 
Najadenschleier am 25. Mai 1845 spielen. — 
Zunächst projectirte der Fürst Pückl er für den Teich einige 
Inseln, ließ Durchblicke zu Fernsichten öffnen, verpflanzte große 
Bäume mit voller Krone als dekorative Hinterwand und verwen 
dete auch seine speziellste Ausmerksamseit auf das Blumenparterre 
vor dem Schloß. Goldeire Dratheinfaffungen um die Beete und 
entsprechende Drathgestelle in fontainenartigen Strahlen als Blumen-
        
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