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Periodical volume 11. Juni 1881, Nr. 37

Full text: Der Bär Issue 7.1881

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weiter für den Hofdienst auszubilden, die übliche Cavaliertour nach 
Paris. 
Bei seiner Rückkehr wurde er als Kammerjunker angestellt und 
zugleich als Lieutenant in der Infanterie. Mit fünfundzwanzig 
Jahren, 1703, war er bereits Oberschenk und Brigadier. Er 
machte die französische Campagne in den Niederlanden mit. „In 
der Schlacht bei Malplaquet, 1709" schreibt die Markgräfin von 
Bayreuth, „legte der General Grumbkow Proben seines Muthes 
ab, indem er die ganze Zeit der Aktion über sich in einem 
Graben aufhielt. Er zeichnete sich auch sehr bei Stralsund aus, 
indem er im Anfang des Feldzuges sich ein Bein verrenkte, 
was ihn hinderte, sich in die Laufgräben zu begeben. 
Grumbkow blieb sein ganzes Leben hindurch ein Poltron, ein 
Jntriguant, ein Heuchler, aber ein höchst gewandter Mensch, der sich 
mit seltener Klugheit in der Gunst zweier Herren hielt. Schon 
bei Friedrich I. stand er in hohen Gnaden, der ihn unter anderem 
beim Einbruch Carl XII. von Schweden in Sachsen in's 
Altraustädtcr Lager sandte. Am Hofe des ersten preußischen Königs 
waren Grumbkow und Graf Kolbe-Wartenberg sich sehr Feind. 
Grumbkow schloß sich entschieden an den Kronprinzen an und wußte 
sich diesem als guter Gesellschafter und Lebemann bald unentbehr 
lich zu machen. 
Als der Sparkönig den Thron bestieg, ernannte er sofort 
Grumbkow zum Gencrallieutenant der Infanterie und später zum 
dirigircndcn Etats- und Kriegsminister. Alle wichtigen Geschäfte 
gingen nun durch seine Hände, und da er des Königs täglicher Ge 
sellschafter war, wuchs sein Einfluß unglaublich. Er fügte sich in 
des Königs „Humeur", verstand es, „dessen erste Hitze zu evitiren" 
und leitete so den König, soweit dieser sich überhaupt leiten ließ, 
anscheinend ganz treuherzig, freimüthig und bieder, mit der größten 
Verschmitztheit. Grumbkow war ein Gourinand. Gegen Auszahlung 
von jährlich 12000 Thalern Tafelgelder übernahm er die Be- 
wirthung der fremden Prinzen, Generale und sonstigen Standes- 
pcrsonen, wozu er einen französischen Koch hielt, der seinerseits 
400 Thaler Gehalt zog. Grumbkow lebte in seinem ehemals dem 
Minister Meinders gehörigen Hause in der Königstraße auf sehr 
großem Fuße, und während der König und der ganze übrige 
Hof die größte Sparsamkeit befolgten, unterhielt Grumbkow allein 
und mit Bewilligung des Königs einen Hausstand, der jährlich 
etwa 36,000 Thaler verschlang. Der Sparkönig speiste selbst oft 
und gern bei ihm und pflegte ausdrücklich zu sagen: „Wer besser 
essen will, als bei mir, der muß zu Grumbkow gehen." 
Grumbkow erhielt sowohl von England wie von Oestreich Geld. 
Die englische Bestechung warf ihm der Fürst von Dessau, sein 
Rival, öffentlich vor und die östreichische Bestechung ist mit un 
zweifelhaften Zeugniffen erwiesen. Er erhielt unter andcrm 1732 
von letzterem Staate 40,000 Gulden. 
Seine Hauptfeindin am Hofe war die Königin Sophie, deren 
Stolz es nicht ertragen konnte, sich von Grumbkow in ihren 
Lieblingsplänen behindert zu sehen. Grumbkow war es bekanntlich, 
der 1730 die projektirte Vermählung Friedrichs des Großen mit 
der englischen Prinzessin Amalia hintertrieb. 
Grumbkow starb in der erklärten Ungunst des Königs kurz 
vor dessen eigenem Tode 1739. Als Friedrich Wilhelm die Todes 
nachricht erhielt, äußerte er: „Nun werden die Leute doch endlich 
aushören zu sagen, daß Grumbkow Alles thut, hätte er noch vier 
zehn Tage gelebt, so hätte ich ihn verhaften laffen." Der Günstling 
starb als Generalfeldmarschall und Besitzer der Güter Möllen, 
Liebasch und Loist. Er trug den russischen Andreasorden — nicht 
aber den höchsten preußischen Orden vom schwarzen Adler. 
Htwas vom Kronprinz Iritz. Im Januar des Jahres 1859, 
als der Kronprinz unmittelbar nach der Geburt des Prinzen Wil 
helm von Preußen, ganz sttahlend vor Vaterglück eines Abends 
in die Kaserne der Garde-Attillerie kam, um daselbst am Kriegs 
spiel Theil zu nehmen, amüsirte er sich höchlichst über eine Mit 
theilung, die einer der jungen Offiziere ihm machte. 
Der Kronprinz stand mitten im Saale, umgeben von den 
Anwesenden, welche mit fteudigen Mienen ihm Glück wünschten, 
leuchtend vor Stolz und Seligkeit. 
„Haben Königliche Hoheit denn auch schon gehört, was hier 
in Berlin die Jungens sich erzählen?" ftug jener Offizier, eine 
Gesprächspause geschickt benutzend und mit einem Gesicht, was 
hinter dem angenommen Ernst den Schalk kaum verbergen konnte. 
Allgemeine Stille. — 
„Die Jungen?" ftug der Kronprinz erstaunt, indem er den 
Sprecher ansah und bereits im Voraus lächelte, während Andere 
ganz ernst drein blickten. 
„Zu befehlen Königliche Hoheit ... Als ich neulich ftüh 
die Louisenstraße hinunter ging, blieb ich plötzlich stehen. — König 
liche Hoheit können denken, wie sehr man allenthalben gekannt 
war gerade in jenen Tagen; alle Welt war auf dem Qui vive!" . . 
„Bum! . . . ha! also jetzt Ich stand wie ange 
nagelt und horchte. — Zwei Jungen die eben zur Schule wollten, 
horchten ebenfalls — dicht vor mir, mit offenem Munde. 
„Eins!" zählten sie crescendo. 
Bum! . . . „zwei!" 
Bum! . . . „drei!" 
Bum! . . . „vier!" 
Die Aufregung stieg bemerklich. 
Bum! . . . „fünf!" 
Und so fort bis 9. — Plötzlich aber verstummte das Bum- 
bum ... Es wurden nämlich nur Geschütze draußen angeschossen 
und der Wind stand gerade herüber von Tegel her. 
Als gar nichts kam, sahen die beiden Jungen sich ganz be 
troffen einander an. 
„Du lieber Gott! . . . Nich mal 'ne Prinzessin!" 
sprach der eine von ihnen kopfschüttelnd, und sehr enttäuscht gingen 
sie weiter — in die Schule. 
Der Kronprinz war der erste, welcher über diese Mittheilung 
herzlich lachte und versprach, sie seiner „lieben Frau" mit zu bringen. 
Joh. van Dewall. 
Der Iriedrichsöain öei Aerkin, seine landschaftlichen 
Schönheiten und seine Bedeutung für das Studium der 
Botanik. Von Carl Stoll. Berlin, Nicolai 1881. — 
In den großen hauptstädtischen Parks ist die löbliche Sitte, die 
Bäume und hervorragendsten Sträucher mit dem botanischen Namen 
zu versehen und Einem so ein bischen Botanik, in der Form Fnglisll 
macke easy bequem beim Schlendern und Ausruhen beizubrin 
gen, seit vielen Jahren, in den Berliner städtischen Parks seit einigen 
Jahren eingefühtt. Rektor Stoll belehtt uns nun in seinem Schrift- 
chcn noch weiter über die Herkunft der vielen ftemdattigen Ge 
wächse, von denen gerade unser herrlicher Hochpark im Norden so 
reich ist. Einen, allerdings dürftigeren, Vorgänger hat er in dem 
Lehrer Jahn, der schon ftüher die floristischen Seltenheiten des 
Friedrichshains beschrieb. Daneben macht er auf die einzelnen 
Abschnitte und geschichtlichen Beziehungen des letztern aufmerksam, 
wobei fteilich der Friedhof der Märzgefallenen übergangen wird. 
Wünschenswcrth wär es, über alle Parks von Berlin allmählig 
dgl. nützliche Taschenbüchlein als Vademecum beim Spazieren 
gehen zu erhalten. E- Fr. 
Die Gerichtsverfassung und das Schöffenrecht ZLerkins 
bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts von G. Sello. 
(Märk. Forsch. Bd. XVI, 1880). Eine tüchtige, von Sachkennt- 
niß und gründlichen Vorstudien zeugende Arbeit. Wenn wir auch 
mit der Att, wie der seiner polemischen Feder wegen bekannte Vers.
        
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