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Periodical volume 21. Mai 1881, Nr. 34

Full text: Der Bär Issue 7.1881

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hergelangte. Das Feuer, welchem dieser alte Edelsitz zum Opfer 
fiel, brach gegen drei Uhr im Pserdestall auf unerklärliche Weise 
aus. Um fünf Uhr flammte plötzlich der Schloßthurm auf, schon 
um sieben Uhr war Ilar: zu retten war nichts mehr als einige 
Zimmer des Erdgeschosses. 
Das äußerst malerische, dicht an der Grenze gegen Mecklenburg 
an der Elde und nahe der Läknitz gelegene Schloß Eldenburg ist 
nicht die alte Raubburg derer v. Quitzow. Diese lag etwa einen 
Kilometer westlich von dem jetzigen Gute innerhalb einer Sumpf 
wiese zwischen Armen der Elde. Jene alte Burg „soll" laut 
Sage nach dem Fall der Schlösser Friesack und Plaue den flüchtigen 
Quitzows die letzte Zuflucht auf Märkischem Boden gewährt und 
„soll" in dieser Eigenschaft auch nähere Bekanntschaft mit der 
„Faulen Grete" gemacht haben. Jedenfalls ging die alte Burg 
in der ersten Zeit der Hohenzoller'schen Fürsten zu Grunde und 
aus ihren Trümmern wurde die neue Burg an der jetzt vom Gute 
Eldenburg cingcnoimncnen Stelle erbaut. Aus der ganz alten Zeit 
soll noch ein jetzt als Pferdestall und Kornschuppen benutzter 
Raum und ein kleiner Thurm, jetzt Taubenschlag und Uhrthurm, 
herrühren. Diese beiden Bauten sind auch vom letzten Feuer ver 
schont geblieben*). 
Die „Räuberquitzow", wie noch heute das Volk der Priegnitz 
dieses edle Geschlecht bezeichnet, starben im Jahre 1719 aus. Das 
zuständige Kirchenbuch von Seedorf berichtet hierüber Folgendes: 
„Nachdem Herr Cuno Hartwig v. Quitzow den 11. Januar 1719 
starb, machte Sr. König!. Majestät Friedrich Wilhelm dieses 
Eldenburg zu einer Domäne. Von den übrigen Quitzow'schen 
Gütern bekam der Feldmarschall v. Grumkow Ruhstädt. Der General 
v. Kleist Stavcnow, der Etatsminister v. Kameke, Kletsch. Vom 
Amte Voigtshagcn und Lubbare habe ich keine Nachricht. Der 
erste Amtmann allhier war Herr Joach. Lietzmann." 
P. P. „Nach dem unglücklichen preußischen-ftanzösischen Kriege, 
der im Oktober 1806 ausbrach, verkaufte der König von Preußen, 
Friedrich Wilhelm III. größtcntheils seine Domänen. Dasselbe 
geschah auch mit der Domäne Eldenburg, deren Besitzer im Jahre 
1812 im Monat Junius ein Herr Baron von Wangenheim aus 
Hannover wurde." Soweit die Kirchenbuchsnotizen. 
Dieser neue Besitzer, welcher später den Titel „Graf Wangen 
heim" führte, vererbte Gut Eldenburg auf seinen noch heute 
lebenden Neffen, den ftühercn König!. Hannöverschen Kloster- 
kammerdirektor Freiherrn v. Wangenheim-Wake. Wiewohl dieser 
Letztere sich mit seiner Familie fast nur zur Jagdzeit in Eldenburg 
aushielt, wurde doch unter seiner Leitung das ganze Gutsgehöft 
und auch das aus dem 15. Jahrhundert herrührende Schloß auf 
das Beste ausgebaut und geordnet. Insbesondere wurden der 
sehr hohe Thurm und die Kapelle stylvoll restaurirt. Der sehr 
tvcit sichtbare Thurm fand bei der Landestriangulation als topo 
graphischer Punkt Verwendung. Alle diese Herrlichkeit fand am 
14. April d. I. ein schnelles, trauriges Ende. Im Interesse der 
Alterthumskunde ist namentlich der Untergang der mächtigen 
eichenen Kapellenkanzel, welche sehr schöne Säulchen und Blatt- 
werkschnitzereien enthielt und muthmaßlich noch aus dem Raub 
schloß herrührte, zu bedauern. Desgleichen der Verlust des Klingel 
beutels, welcher in gelber Seidenstickerei die Namen aller früheren 
v. Quitzow'schen Güter auf sich stehen hatte. Denselben für das 
Märkische Museum zu gewinnen, war leider nicht möglich gewesen. 
Viele von den das alte und neue Schloß Eldenburg um 
spielenden Sagen hat der Chronist Lenzens, Ulrici, veröffentlicht. 
Doch nicht alle; eine Anzahl ist erst neuerdings gesammelt und 
•) Anm. der Red.: Soviel mir bekannt, ist die alte Eldenburg 
von Markgraf Waldemar als eine Grenzfcste der Priegnitz gebaut 
worden. Dm Quitzow's gehörten in der Priegnitz Kletzke, Eldenburg und 
Stavenow. 
Wird demnächst veröffentlicht werden. Der sagenberühmte „Quitzow- 
sche Stuhl," auf welchem ein Quitzow voller Eifersucht seinen 
Bruder verhungern ließ, ist glücklich auch dieses Mal erhalten 
geblieben. 
Schließlich sei bemerkt, daß auf der Priegnitzer Alterthums 
ausstellung in Pritzwalk 1880 eine Aquarellansicht des Schlosses 
Eldenburg, doch keine günstige Auffaffung, von Herrn Kreisbau 
meisler Langen-Kyritz zu sehen war. Vortreffliche Photographien 
verschiedener Seiten des Schloffes Eldenburg hat Herr Ingenieur 
Albert Sommer, z. Z. bei Herrn Gutsbesitzer Sommer-Brectz bei 
Lenzen, hergestellt und hat derselbe verheißen, ebenfalls die malerische 
Ruine aufzunehmen. Freunde Märkischer Landschastsbilder werden 
aut vorstehende Adresse aufmerksam gemacht. Auch die Malerin 
Frl. G. Stahr-Stettin besitzt mehrere Skizzen von Eldenburg aus 
den letzten Jahren. Anderweitige Bilder von Eldenburg giebt 
es nicht. 
M i s 11111 n. 
Die Krvssrrppc mit Schweinsohren, auch die Türken 
suppe geheißen, ist in der Mark Brandenburg, im Kloster zu 
Lehn in aufgekommen. Wilibald Alexis erzählt's uns folgender 
maßen: Kaiser Karl IV., der Lützelburger, der beste Regent 
der Mark, kam einst, von der Jagd ermüdet, und sehr hungrig 
zur Nachtruhe nach Kloster Lehnin mit seinem vornehmen Gefolge. 
Es war Kirmeß gewesen und die Klostervorräthe waren so erschöpft, 
daß Holland in Noth war, wie man den Kaiser und sein Gefolge 
in passender Weise satt machen könne. Der Abt war darüber 
ganz außer sich; aber er hatte einen treuen Mann, der oft für ihn 
dachte und manchmal für ihn handelte, den Dietrich Kagelwid. 
Der hatte zwar die Weihen empfangen, machte sich aber lieber in der 
Küche zu schaffen als in der Bibliothek. — Kagelwid, Du mußt mir 
helfen, sagte der Abt. — Ja wie denn? — Ein gut Gericht, eine 
Äraftsuppe, wie sie ein Waidmann, der ausgehungert ist, liebt. — 
Domine Abba! sprach Kagelwid, erst Fleisch her, dann eine Suppe. 
Hat der Kaiser einen Dammhirsch oder einen Rehbock in der Tasche? 
— Ach, er hat nur Böcke geschossen. — Davon kocht Schmalhans 
nur eine Windsuppe, sagte Kagelwid. — Ach Kagelwid, allerliebster 
Kagelwid, hilf mir, sprach der Abt, so er hungrig abzieht, trägt er's 
uns nach, und er ist ohnedem denen in Chorin holder als uns. — 
Da wären also nur unsere Schweine! — Maria Josef! Kagelwid, 
wovon sollen wir den Winter leben, auch sind sie noch nicht ge 
mästet; wo hast Du auch je gehört, daß eine Suppe von Schweine 
fleisch gut schmeckt? Das sage ich Dir, Kagelwid, daß Du mir auch 
nicht ein Schwein schlachtest. — Da rieb sich Kagelwid die Stirn, 
aber er kriegt' cs raus. Bald brodelte ein Kessel mit Erbsen über'm 
Feuer, die quollen auf und hülseten sich, und er fuhr mit dem Quirl 
darin uni, und streute ganze Hände voll Pfeffer, und dann ging er 
doch in den.Schweinestall, aber heimlich, und ein Meffer unter dem 
Habit. — Und die Suppe schmeckte dem Kaiser und seinen Grafen 
und Herren und dem Abt und allen über die Maßen; alle lobten 
sie, daß sie so kräftig und würzig und nahrhaft, und zum Trinken 
rechten Appetit machte. Aber was ist das für ein Fleisch? sprach der 
Kaiser, das so süß und so zart schmeckt, und darin herumschwimmt? 
— Kaiserliche Majestät halten zu Gnaden, das ist kein Fleisch, 
sagte Kagelwid. Da riethen sie umher, was es sein könne. Einige 
meinten, es sei eine Quappe, Andere eine Art Schnecken; noch an 
dere, es sei wohl ein besonder Thier aus der Vorzeit, das sich hier 
erhalten, und sic kenneten seine Art nicht, bis einer den Kopf 
schüttelte: Das schmeckt nach Schwein, und alle schüttelten den 
Kopf und sagten: Das schmeckt nach Schwein. Da fuhr der Abt 
auf: Kagilwid, hast Du mir das gethan! — Hochwürdigster Herr, 
wie könnt' ich Euch das thun. Höret doch, wie Eure Schweine 
in den Koben grunzen, und zählet sie, so werdet Ihr sehen. Euch
        
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