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Periodical volume 21. Mai 1881, Nr. 34

Full text: Der Bär Issue 7.1881

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De Köster hat mit siene Jung'n 
Stück Littaney zünd angefung'n, 
Wh stimmten mit in den Gesang, 
De Hunne blafften ok dermang. 
De Köster mit de Fröl'ns vöran, 
De Schooljungs blarrten hinner dran, 
Den Soatans-Moagen in de Midd', 
Gung et to Dörp nu Schritt vör Schritt. 
UP myne Schündäl hängt et nu, 
Un wist Du Dy mit Bälg' und Fru 
Dät Unsoal moal by my besehn, 
Denn moak recht bald Dy up de Been. 
Ludwig Knaus. 
(Hierzu Portrait Seite 415.) 
Alle Ehren, alle Erfolge, die der Künstler sonst erringen mag, 
verschwinden vor dem Bewußtsein der Volksthümlichkcit. Wer ge 
wiß ist, aufs Wort verstanden zu werden, deni quillen die guten 
Gedanken von selber zu und er erweckt der Zcitgenossenschaft, für 
die er dichtet oder malt, die schmeichelnde Täuschung, als sei sie 
mitthätig an seinen Werken. 
So fühlt sich unser Volk dem Genius des Künstlers gegen 
über, den wir hier schildern?) Ludwig Knaus, der vor kurzem 
sein einundfünszigstes Lebensjahr*) **) vollendet hat, steht längst auf der 
Höhe bewunderter Meisterschaft. Was dem Glücklichsten meist nur die 
späten Abendstunden des Daseins bringen: das Gefühl der Ueber 
einstimmung von Wollen und Können, Streben und Verständniß, 
ihm ist es seit lange schon sicheres Eigenthum. Erstiegen sind 
Klippen und Berge, wir sehen ihn auf ebenem Gefild im Sonnen 
lichte hinwandeln. 
Sein Entwicklungsgang ist überaus einfach gewesen. Mit 
16 Jahren bereits in die Düsseldorfer Kunstschule eintretend, 
erhielt er seine Anleitung besonders durch Karl Sohn und 
W. Schadow, und setzte dann seit 1852 seine Studien in Paris 
fort. In den sieben Jahren, die er dort zubrachte — nur auf 
kurze Zeit besuchte er zwischendurch Italien — empfing sein Ta 
lent die Reife, seine Technik die Vollendung, welche in Werken 
wie „die goldene Hochzeit" und „die Taufe" hervortraten. 
1861 —1866 verweilte er in Berlin, ging dann wieder nach 
Düsseldorf zurück, wo in den Jahren 1869 —1872 u. a. „das 
Kinderfest", „das Leichenbegängniß" und „die Hauensteiner" ent 
standen; endlich 1874 folgte er dem Rufe als Leiter des ersten 
Meisterateliers an der Berliner Akademie. So steht Knaus 
mitten inne zwischen den beiden großen Kunstschulen der Monarchie 
und giebt zugleich den überzeugendsten Beweis dafür, wie viel der 
Künstler aus der Fremde holen kann, ohne dem heimischen Wesen 
untreu zu werden; denn Dank seiner Kunst hat das deutsche 
Genrebild seine höchste Entfaltung gewonnen. 
Das Wohlgefallen am Sittengemälde hat seinen Ursprung in 
einem empfindsamen Zuge unserer Bildung. Wie dem Landmann 
*) Anm. der Red. Wir entnehmen diese vortrefflich geschriebene 
Biographie des Meister Ludwig Knaus dem Prachtwcrke „Stammbuch 
der Nationalgallerie". Radirungen von Ernst Forberg, Hans Meyer re., 
herausgegeben von vr. M. Jordan, Berlin. Rud. Schuster (C. G. 
Lüderitz Kunstverlag) 1880. Wir haben wiederholt auf dieses Pracht 
werk aufmerksam gemacht, von dem wir wünschen, daß recht bald der 
in Aussicht gestellte zweite Band folgen möge. 
**) Anmerkung: Ludwig Knaus ist am 10. Oktober 1820 in 
Wiesbaden geboren. Sein „Wie die Alten sungen, so zwitschern 
die Jungen" befindet sich ln der Königl. Nationalgallerie, ebenso wie 
seine jüngsten Schöpfungen, die Portraits Helmholtz und Mommsen. 
die Landschaft im künstlerischen Sinne, so ist dem Bauer das 
bäuerliche Lebensbild glcichgiltig. Nicht die geistige und gesell 
schaftliche Nähe, sondern das Gefühl des Abstandes vielmehr erregt 
die Theilnahme und sie wächst in dem Maaße, in welchem der 
Künstler in seinem Bilde unserem Gefühlsleben und unserer 
Daseinsgewohnheit eine andere gegenüber stellt, deren Gehalt uns 
reiner und einfacher erscheint. Sei es nur eine gesellschaftlich 
untergeordnete Sphäre wie die Bauernwelt oder das klein 
bürgerliche Philistcrthum, oder sei es das in ein vergangenes 
Zeitalter zurückverlegte Abbild unserer eigenen Kaste, was der 
Künstler vorführt, immer wird er in der Wirkung auf sein 
Publikum abhängig sein von dem Humor und den Geschmack, 
über welchen er gebietet. Dieser Takt des Menschen und des Künst 
lers, der nie zu viel und nie zu wenig giebt, der nie verletzt 
und nie enttäuscht, hat Knaus zum Klassiker seines Faches in un 
serer Zeit erhoben. Daß diesen Ruhm ihm keiner bestreitet, ist 
viel; daß jihn Keiner ihm neidet, ist weit mehr. Denn selten 
kommt in solchem Grade wie bei ihm dem Menschen zu Gute, 
was der Maler leistet. Er verdankt diese Gunst einer Fähigkeit 
vor Allem, die ihm nicht blos zum Liebling seiner Nation sondern 
zugleich zum Künstler von europäischem Rufe gemacht hat: dem 
Feingefühl des hochgebildeten Mannes, in unserer Sprache zu uns 
zu reden, uns Gebilde zu geben von unwidersprechlicher Wahrheit 
und einem Seelengehalte, der sie uns nicht blos verständlich, sondern 
liebenswürdig macht. Das persönliche Wesen ihres Schöpfers — 
gleichviel ob er als schlichter Beobachter oder als Schalk erscheint, 
— leuchtet so bestimmt und so wohlthuend aus ihnen hervor, 
weil er sich ganz an sein Werk hingiebt. Mit dem eindringlichen 
Blicke des Freundes, der durch alle Hüllen ins Herz schaut, be 
trachtet er das Menschenleben. Er sieht es in seiner wirklichen 
Gestalt, aber indem er es bildlich wiederspiegelt, empfängt cs die 
Läuterung, die alles Wohlwollen an seinem Gegenstände vollzieht. 
Nicht weil er mit Absicht die Erscheinungen umbildete, sondern 
weil er es ist, der sie darstellt, gewinnen sie die Schönheit und 
Poesie, die es uns unvermerkt anthut. Daß es uns befähigt, mit 
seinen Augen zu sehen, so lange wir im Bannkreis seiner Kunst 
stehen, das ist der größte Zauber, den der Maler ausüben kann. 
Jedes Bild ist ihm ein neues Problem, das er nach der ihm 
innewohnenden Eigenthümlichkeit behandelt; und zwar in der 
geistigen Zucht, die er ihm angedeihen läßt, ebenso wie in der 
Weise des malerischen Vortrags. Knaus besitzt einen ausgeprägten 
Stil, der ihn kenntlich macht, aber wenn wir demselben auf den 
Grund gehen, scheint er wesentlich in der Schlichtheit und Keusch 
heit der Behandlung zu beruhen. Nirgends drängt sich Handfertig 
keit auf. Meisterschaft ohne Routine ist die Signatur seiner 
Bilder. Sie entstehen keineswegs mühelos, aber sie verrathen nicht, 
was sie ihrem Meister für Sorge gemacht, sondern nur, daß sie 
ihn jedesmal um eine beglückende Erfahrung -bereichert haben. Der 
reinste Erguß seines künstlerischen Gemüthes aber liegt in der 
Wiedergabe der Kinderwelt. Hier löst sich Kunst und Natur in 
den vollkommenen Einklang auf, über den nur der Genius 
gebietet. — Dr. M. Jordan. 
Grand des Schlosses Eldenburg in der Mst-priegnitz. 
Von E. fiamflmnim. 
Die Freunde der Brandenburgischcn Heimathskunde werden 
den 14. April 1881, den Gründonnerstag d. I., als «lies niger 
verzeichnen müssen. Schloß Eldenburg bei Lenzen, eins der wenigen 
bisher glücklich erhaltenen alten Adelsschlösser, ging ail diesem 
Tage Nachmittags in Flammen aus. Eins der schönsten Märkischen 
Landschaftsbilder ist vernichtet, noch ehe Herr Prof. Bergau, welcher 
bereits seit zwei Jahren hier erwartet wird, behufs Jnventarisirung
        
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