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Periodical volume 14. Mai 1881, Nr. 33

Full text: Der Bär Issue 7.1881

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beim Diner darüber gescherzt hatte, schrieb er in das Fremdenbuch: 
„Heut schoß ich einen Spießer und einen Purzelbaum 
dazu. Friedrich Wilhelm." 
Friedrich Wilhelm IV. kam als Kronprinz auf einer Inspektions 
reise durch Pommern in das sehr kleine Städtchen Zanow. Um 
ihn so feierlich wie möglich zu empfangen, begrüßte ihn die dortige 
Schützengilde mit einer Parade in ihrem eigenen Stile. Der Kron 
prinz, sichtlich erheitert durch eine derartige Vorstellung, fragte in 
seiner steten Liebenswürdigkeit den sich ihm vorstellenden Schützen 
könig, ob er ihm nicht eben einen Wunsch erfüllen könne. 
Nach kurzen! Bedenken erbittet sich dieser — eine neue Fahne 
für die Gilde. Der Kronprinz befiehlt sogleich dem dienstthuenden 
Adjutanten: „Schreiben Sie auf: für die Stadt Zanow eine 
Fahne!" Ein dadurch ermuthigter Nachbar des Schützenkönigs 
raunt diesem ins Ohr: Sag' ein doch, — ooch 'ne Drummel! — 
Der Kronprinz, dies in demselben Augenblick hörend, ruft lächelnd 
seinem Begleiter zu: „Schreiben Sie doch: ooch 'ne Drummcl!" — 
Das Glück der wackern Gilde war vollkommen, als kurze Zeit 
darauf die so huldvoll gewährten Geschenke für sie anlangten. 
Auf einer Reise kommt der König durch ein rheinisches 
Städtchen. Der Magistrat, an seiner Spitze der wohlbeleibte Herr 
Bürgermeister, hatte sich zur Begrüßung des Monarchen aufgestellt. 
Es war sehr unfreundliches, naßkaltes Wetter eingetreten, so daß 
der König vorzog, in seinem Wagen sitzen zu bleiben. Der Bürger 
meister, der durch seine behäbige Körperfülle, die durch Frack und 
weiße Weste noch mehr hervortrat, schon die Lachlust des Königs 
gereizt hatte, tritt an den Wagenschlag heran, uni seine Rede zu 
halten. Da ihm jedoch die Gabe des „freien Worts" versagt 
war, geräth er gleich nach der Anrede in ein bedenkliches Stocken, 
seine Verlegenheit wächst immer mehr, dicke Schweißtropfen perlen 
von seiner Stirn. Da redet der König den Verwirrten mit den 
launigen Worten an: „Schon gut, schon gut, lieber Bürgermeister, 
erkälten Sie nur bei diesem Wetter nicht Ihren mont 
bl ane!" 
Als der König Friedrich Wilhelm IV. einmal durch Neichen 
bach, einer kleinen Stadt in Schlesien, fuhr, ließ er auf dem 
Marktplatze halten, wo der Bürgermeister an den Wagen trat, um 
ihm eine längere Empfangsrede zu halten. — Am folgenden Tage 
sollte gerade Jahrmarkt gehalten werden und waren zu diesem 
Zwecke bereits einige Bretterbuden aufgeschlagen. — Das schau 
lustige, namentlich jugendliche Volk hatte, um den König besser 
sehen zu können, und dem Gedränge zu entgehen, eine der Buden 
occupirt und bestiegen. — Kaum hatte der Bürgermeister seine wohl 
gesetzte Rede zu deklamiren begonnen, als jene — zur Zuschauertribüne 
verwandelte — Bretterbude unter der nicht für sie berechneten 
Last prasselnd zusammenbrach. — Der König, ein Unglück be 
fürchtend, sprang bestürzt aus dem Wagen und eilte zur vermeint 
lichen Unglücksstelle. — Als er aber dort nur einen Knäul lachender 
unverletzter Menschen am Boden liegen sah, lachte er selbst mit, 
wendete sich an den verblüfften, in seiner Rede stockenden Bürger 
meister-, und rief demselben zu: „Sie scheinen hier zu Lande 
wirklich recht heitere Einfälle zu haben." — 
Der König hatte einmal ein Theater besucht, wo gerade ein 
so langweiliges Stück gegeben wurde, daß der König es vorzog, 
sich schon nach dem zweiten Akt zu entfernen. — Aus seiner Loge 
mit seinen! Adjutanten tretend, fand er in dem Vorgemach der 
Loge seinen Lakayen fest eingeschlafen. — Der König wendete sich 
an seinen Adjutanten mit den Worten: „Der Kerl muß jeden 
falls während des Stückes gehorcht haben!" 
Als in den fünfziger Jahren bei einem größeren Hoffcste iin 
Schloß zu Berlin auch die Mitglieder der gerade anwesenden 
beiden Kammern befohlen waren, und diese sich in der Bilder- 
gallerie ordneten, um von ihren Präsidenten dem Könige vorgestellt 
zu werden, war der Präsident der 2. Kammer Gras Schwerin 
plötzlich erkrankt, und es siel nun die Rolle der Vorstellung dein 
ersten Vice-Präsidenten, Graf Bassenheim zu. — Dieser war nun 
in der größten Verlegenheit, da er wegen seiner großen Kurzsichtig 
keit Keinen nur auf zwei Schritte erkennen konnte. — Er fragte deshalb 
Jeden der Abgeordneten nach seinem Namen, mit der Bitte, seinen 
Platz nicht zu verlassen, sich nun die Reihenfolge einprägend. — 
Da geht noch der Feldmarschall Graf Wrangel die Reihe entlang, 
Bassenheim erkennt den hellblauen und silbergestickten Kragen, und 
wähnend, es sei die Uniform eines rheinischen Landstandes (Hell 
blau und Silber) ruft er ihm zu: „Wie heißen Sie?" Solche 
Frage war Papa noch niemals vorgekommen, entrüstet zuckt er 
die Achseln, und will ohne Antwort weiter gehen, da erschallt ein 
Gemurmel: „Der König kommt." Entschlossen faßt Basscnhcim 
Wrangel an: Arm und sagt: „Ich muß Sic dringend bitten, inir 
Ihren Namen zu nennen." — „Wrangel," ruft dieser kurz, als 
auch schon der König vor ihnen steht. — Baffenheim, sich zu Sr. 
Majestät wendend präsentirt: „Abgeordneter von Wrangel!" — 
Letzterer, der König und die Nächststchcndcn können das Lachen 
nicht unterdrücken, und Friedrich Wilhelm sagte zu Wrangel: Daß 
Sie Mitglied des Parlaments sind, habe ich noch nicht gewußt, 
wohl aber, daß Sic einmal 48 Abgeordneter gegen 
dasselbe waren." 
Bei einer Rundreise durchs Land traf Friedrich Wilhelm IV. 
in einer Stadt der Altmark ein, wo ihm ein festlicher Empfang 
bereitet wurde. Die Väter der Stadt waren bald nach der An 
kunft um den Monarchen in engem Kreise versammelt, um eine 
die Stadt betreffende Bitte vorzutragen. Als der König sich 
äußerte, daß er den soeben ausgesprochenen Wunsch nicht ersüllcn 
oder wenigstens nicht sofort erfüllen könne, da platzte plötzlich einer 
der Väter der Stadt, ein Bierbrauer, mit den Worten heraus: 
„Warum denn nicht?" Der König that, als habe er die Aeußerung 
überhört. Die Vorstellung der einzelnen Mitglieder der Deputation 
begann und der Monarch wechselte mit Jedem einige Worte. Als 
die Reihe an unsern Brauer kam, entspann sich folgendes Gespräch: 
„Was sind Sic?" 
„Brauer!" 
„Was brauen Sie?" 
„Braunbier!" 
„Brauen Sie kein Weißbier?" 
„Nein!" 
„Warum denn nicht?" 
Die Antwort blieb der vorher vorlaute Angeredete schuldig. 
Die Gesichter der Anwesenden verzogen sich zu einem Lächeln, 
nur das Antlitz unsers Brauers wurde sehr lang. 
Im Jahre 1852 trat der Freiherr Heinrich von Ende (gegen 
wärtig Major a. D. und Majoratsbcsitzer auf Alt-Jeßnitz) als 
Avantageur beim Kaiser Alcxander-Gardc-Grcnadicr-Ncgiment ein 
und wurde wegen seiner ungewöhnlichen Größe Flügelmann des 
Regiments. Dies gab Friedrich Wilhelm IV. Anlaß, zu dein 
Vater des „langen Ende" (dem inzwischen längst verstorbenen 
Kammerherrn von Ende) in seiner bekannten scherzenden Art zu 
sagen: Das geht doch eigentlich nicht, daß ein Ende der Anfang 
eines Regiments ist! 
Der Oberjägermeister Graf Asseburg-Meisdorf besitzt bekannt 
lich eine alte Burg im Harz, Falkenstein genannt, die hoch auf einem 
Felsen in wilder Umgebung liegt. Ein Zimmer darin heißt noch
        
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