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Periodical volume 14. Mai 1881, Nr. 33

Full text: Der Bär Issue 7.1881

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spiele erleben. Einmal, daß ein Theater, das ich nicht näher 
bezeichnen mag, allwöchentlich eine Novität zur Darstellung ge 
langen ließ, dessen Besitzer im Besitze von gar nichts ist, der 
weder Geld hat noch Garderobe und Dekorationen, keine be 
deutenden Darsteller, dafür aber ein entsetzliches Lokal. Und zum 
zweiten, wie ein Theater, an dem ganz vortreffliche Künstler 
cngagirt sind, dessen Besitzer ein Millionär, das an Dekorationen, 
Garderobe, an guten neuen ihm angebotenen Stücken eine Uebcr- 
fülle zur Verfügung hat, aus dem einen Grunde nicht einmal fort- 
vcgctiren kann, weil die gesammte Verwaltung keinen Kopf hat. 
In dem einen Theater ermöglichte die Energie und Wissen 
schaft eines halbverkrachten Mannes allwöchentlich die Vorführung 
einer Novität „ganz ohne Apparat", wie es im „Cagliostro" heißt; 
in dem anderen Theater erstickt man elendiglich im eigenen Fette. — 
Wie ich schon andeutete, beruht alle Hoffnung, daß dieses 
einst so schöne Theater den Berlinern erhalten bleibt, darauf, daß 
der neue Besitzer, richtiger fürs erste, daß der Pächter des 
neuen Besitzers die Friedrich-Wilhelmstädtische Bühne verständig 
leiten wird. Es ist das freilich eine schwache Hoffnung. 
Die Damen Kopka, Stubel, Scebold, von Herger, Müller ver 
lassen die Bühne, oder haben dieselbe bereits verlassen, ebenso 
die Herren Schulz, Klein und Brandt. Als Opcrettenprimadonna 
wird Fräulein Her»,ine Meyerhoff erscheinen, als Operettcn- 
tenor ein Herr Szicka aus Hannover. 
So sehr ich damit einverstanden bin, daß Hermine Meyer- 
tz off, dieser einstmals so prächtige Joconde, zur Kunststätte der 
Schumannstraße übersiedelt, so wenig kann ich es verstehen, daß 
der neue Pächter nicht Kräfte wie die Damen Stubel, Seebold 
und von H erg er, das ist eine liebenswürdige Darstellerin, den 
schönsten Opercttenkvnig und die hübscheste Fiametta, und ferner 
den Tenoristen Klein festzuhalten suchte. 
Junge talcntirte Kräfte sind doch nicht so sehr im Uebermaß 
am deutschen Theater vorhanden, daß es nöthig war, diese drei 
beliebten Kräfte nach Wien und anderswohin ziehen zu lassen. 
Wir werden im Laufe des Sommers hören, wie der neue 
Pächter weiter das Personal ergänzen wird, und ferner, welche 
Novitäten für den Herbst in Aussicht genommen sind. Danach 
wird sich beurtheilen lassen, ob das Friedrich-Wilhelmstädtische 
Theater von neuem ausblühen oder ob dasselbe wie einstens das 
Königstädtische zu den Todten wandern wird. — 
Äns -cm Berliner Zoologischen Garten.*) 
(Mit Illustration Seite 397.) 
Früher sagte man wohl zu Fremden, welche Berlin im 
Sommer besuchten: „Wollen Sie Berlin von sein« schönsten 
Seite kennen lernen, dann fahren Sie nach Potsdam." Jetzt 
ist das anders geworden, jetzt hat Berlin in seinem Zoologischen 
Garten ein Schmuckstück, das es den: verwöhntesten Fremden vor 
setzen kann. 
Die ersten Anfänge zu zoologischen Gärten bildeten in 
unserem Vaterlande die sogenannten „Fasanerien." Der große 
Kurfürst soll die erste Fasanerie in der Nähe von Potsdam an 
gelegt haben, sein Nachfolger eben solche bei Rosenthal, deren 
Stelle heute noch aus unseren Karten vermerkt steht (nördlich von 
Pankow). Die Potsdamer alte Fasanerie lag vor dem Jäger- 
thore und erstreckte sich bis zum Pfingstberg, sie enthielt außer 
Fasanen auch eine Menge anderer Thiere, so daß sie als der erste 
märkische zoologische Garten angesehen werden kann. Nach dem 
*) Anmerkung. Jahrgang 1877 unseres Blattes enthält einen 
vortrefflichen größeren Artikel aus der Feder des v>. jur. Beringuicr 
„Zur Geschichte der Fasanerie (des jetzigen zoologischen Gartens) bei 
Berlin" mit den Plänen des Gartens von 1765, 1795 und 1833. 
Eingehen der Rosenthaler Fasanerie wurden die Fasane in den 
Potsdainer Garten geschafft, und zu Lebzeiten des Königs Fried 
rich Wilhelm I, des Verwüsters, tvurde mit allem Schönen in der 
Mark auch der Herrlichkeit der Potsdamer Fasanerie ein Ende be 
reitet. 
Unter seinem großen Sohne entstanden die Fasanerien aufs 
Neue und wurde ferner auch diejenige „ohnweit Charlottenburg" 
eingerichtet, welche die Grundlage für unsern heutigen Zoolo 
gischen Garten abgegeben hat. 
Ein hierauf bezügliches Schreibeit des Königs vom 6. Januar 
1742 lautete: 
„Mein lieber Oberjägermeister von Schlieben. Ich habe aus 
Eurer Vorstellung vom 4. d. ersehen, was Sie wegen Errichtung 
einer Fasanerie ohnweit Charlottenburg vorgeschlagen, auch zugleich 
angeführet, daß Ihr an dem Sprewitz einen tüchtigen Fasanen 
meister angetroffen. Es ist solches sehr gut und solltet Ihr mir 
einen pertinenten Anschlag der Kosten nebst dein Traktement des 
Meisters einschicken. Ich bin Euer Wohl affektionirter König 
Friedrich." 
Diese Berliner Fasanerie erhielt die ersten Fasanen aus Halle, 
später sandte König Friedrich 340 Stück aus Böhmen, wo er im 
Felde stand, in seinen Garten. So als Fasanerie lebte diese An 
lage ein ganzes Jahrhundert hindurch als Versorgungsanstalt für 
die Königliche Küche, bis sie zu Anfang 1842 auf Königlichen 
Befehl nach Charlottenhof bei Potsdam verlegt wurde. 
Jetzt sollte das Terrain eine neue Bestimmung erhalten und 
der einfache und bis dahin ziemlich wüst gelegene Garten sollte 
eine Zierde der Hauptstadt werden. 
Bald nach dem Regierungsantritt König Friedrich Wilhelms IV. 
hatte der bekannte Naturforscher Lichtenstein den Gedanken an 
geregt, bei Berlin einen zoologischen Garten zu gründen. 
Diese Anregung wurde durch Alexander von Humboldt 
beim Könige unterstützt und darum die Ausführung bald be- 
schloffen. 
Der König bewilligte das Terrain der ehemaligen Fasanerie 
bei Charlottcnburg, eine pekuniäre Unterstützung aus Staatsmitteln, 
ferner zum großen Theil den Thierbcstand des Königlichen Gartens 
auf der Pfaucninsel, der viele seltene und prächtige Exemplare 
zählte, die einst von König Friedrich Wilhelm III. gesammelt 
waren. 
Die betreffende Königliche Ordre datirt vom 8. September 
1841 und ist gerichtet an den Staatsminister von Ladenberg, 
den Wirklichen Geheimen Rath Freihcrrn von Humboldt, Ge 
heimen Medicinalrath und Professor vr. Lichten stein und 
Gartcndirektor Lenne. 
Als im August 1844 der Garten dem Publikum geöffnet 
wurde, da gab sich von allen Seiten ein lebhaftes Interesse für 
das neugegründcte Institut kund. 
Bald jedoch kamen die Schwierigkeiten. Die Entwicklung des 
j Instituts erforderte Geldopfer, die nicht immer zu beschaffen waren. 
Diese Kinderkrankheit unseres schönen Gartens währte eine lange 
Zeit, bis zum Jahre 1869. Inzwischen hatten verschiedene ähn 
liche Anlagen in andern deutschen Städten, in Hamburg, Cöln, 
Dresden re. den Berliner Garten überflügelt. 
Je langsamer bisher, uin so prächtiger sollte derselbe sich jedoch 
von nun ab entfalten. 
Profeffor vr. Peters hatte dem Minister freimüthig die 
Mängel dargelegt, das gab den Anstoß zu einer vollständigen 
Umänderung und Reorganisirung des Gartens. Das bisherige 
Terrain wurde vergrößert und eine Aktiengesellschaft übernahm die 
Benutzung deffelben. 
Nachdem Profeffor Peters eine Zeitlang den Vorsitz in dem 
neugewählten Vorstand geführt hatte, trat an seine Stelle Banquier 
Ferdinand Jacques, ihm folgte Hofbuchhändler Major
        
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