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Periodical volume 30. April 1881, Nr. 31

Full text: Der Bär Issue 7.1881

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wie die viel bespöttelte, allein seiner Zeit doch segensreiche Zer 
splitterung des mittleren und westlichen Deutschlands, — ein Um 
stand, welcher insbesondere sür die Verdeutschung Nieder- und 
Mittelschlesiens überaus fördersam geworden ist. Als genannter 
Konrad I., nachdem er sich mannigfache Verdienste um sein Ge 
biet erworben, wahrscheinlich vergiftet, wie so viele seiner piastischen 
Vettern, ins Grab gesunken, ivard das Glogauische Erbe unter seine 
drei nach den Hauptstädten ihres Gebiets zubenannten Söhne: 
Heinrich I. von Glogau, Przemislaus von Steinau und Konrad 
von Sagan getheilt. Przemislaus — Primislaus, der Herzog von 
Steinau, welcher ur 
kundlich auch als 
„Herzog von Sa 
gan", tvas auf einen 
Ländcrtausch hin 
weisen dürfte, und 
als „Herzog von 
Sprottau" bezeichnet 
tvird, ist der Grün 
der Primkenau's; er 
mag von 1273 bis 
1289 regiert haben. 
Jung kain er zur 
Regierung, und noch 
in jungen Jahren 
stand er, als er auf 
dem Felde der Ehre 
sein Leben lasten 
mußte. Während 
seiner Regierungs 
zeit riefen nämlich 
die Deutschen in 
Krakau seinen streit 
baren Vetter, Hein 
rich IV. von Bres 
lau, in ihr Land. 
Als demselben aber 
diese seine Machter- 
weiterung von den 
neidischen polnischen 
Herzögen streitig ge- 
macht und er ge 
nöthigt ward, die 
selbe mit Waffenge- 
walt gegen diese und 
die mit denselbenver- 
bündctcn „Reußen" 
zu vertheidigen, da 
verlor in der Schlacht 
bei Sicwicrz, im Fe 
bruar 1289, auch 
Primko, dcrBundes- 
genosseHeinrichslV., 
sein Leben. Es darf noch einmal hervorgehoben werden, daß der 
junge Fürst im Dienste deutscher, nach Osten gerichteter Kulturbestre- 
bungen starb. Leubus, die alte Bildungsstätte in der Nähe von 
Breslau, an der Oder, bewahrt im Chor der Klosterkirche heute 
noch seine Grabstätte; daselbst ist auch sein ursprüngliches Denkmal, 
eine große Sandsteinplatte mit eingelegter, aus Mcssingtafeln her 
gestellter Figur, zu sehen. Die Umschrift dieses Denkmals lautet 
in leoninischen Hexametern Z: 
*) Bergt. „Luchs, Schlesische Fürstenbilder". — 
ch Que dedit in donis Deus et natura. Polonis. 
Summis, aut pronis. Ducis hui erant. Premeconis. 
zu deutsch: 
Was Gott und Natur an höchsten und niedrigsten Gaben 
den Polen verliehen, das besaß dieser Herzog Premislaus. 
Ick) weiß nicht anzugeben, wie es gekommen, entnehme aber 
einer zuverlässigen schriftlichen Mittheilung, daß die „Herrschaft" 
Primkenau seit 1397 in den Besitz des Ritters Hans von Rcch- 
berg übergegangen — und bei dessen Nachkommen bis 1637 ge 
blieben ist. Darnach kam sie in die Hände des kaiserlichen Obristen 
Denn Cropello de 
Medices und durch 
dessen Testament im 
Jahre 1640 in die 
Hände der Jesuiten, 
welche sie aber 1667 
an die Erben des 
Verstorbenen wieder 
herausgeben mußten. 
Im Jahre 1705 be 
saß sie der Graf 
Johann Christoph 
von Proskau; nach 
ihm wurde sie in 
raschem Wechsel an 
folgende Besitzer ver 
äußert: 1737 an 
den Grafen Heinrich 
Gottlob von Rheder 
zu Malmitz (bei 
Sprottau), 1753 an 
den Minister Grafen 
Heinrich IX. Reuß 
und Herrn zu Plauen, 
1781 an den Frei 
herren von Seher- 
Toß, 1791 an den 
Freiherrn David 
Heinrich vonBibran, 
von dem sie 1829 
seine Tochter erbte, 
die sie 1841 an ihren 
Gemahl, Hans Be- 
nedift von Block- 
Bibran, auf dem 
Wege des Verkaufs 
abtrat. 
Von diesem Frei 
herrn, der seinerzeit 
noch reiche Liegen 
schaften im nördlichen 
Theile des Bunz- 
lauer Kreises u. a. 
besaß, kaufte sie im Jahre 1853 der durchlauchtigste Großvater 
Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzeß Wilhelm, der Herzog Christian 
August zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg. 
Doch ehe wir den Blick auf die Persönlichkeit und die Wirk- 
sanikeit dieses Fürsten lenken, noch einige Züge aus der Geschichte 
der „Stadt", in welcher die Augustenburger seit 1854 residirt und 
insbesondere die Prinzessin einen großen Theil ihrer Jugendjahrc 
verlebt hat. 
Die Stadt Primkenau hat eine evangelische und eine katholische 
Kirche. Letztere ward noch unter Herzog Primislaus erbaut und 
den deutschen Bewohnern, welche er, wahrscheinlich aus Thüringen, 
Das Zchloji zu Srrliil, von der jetzigen Burgstraße aus gesehen, älteste Ansicht. 
(Aus dem bei Bruckmann in München erschienenen Prachtwerk „Die Hohenzollern".)
        
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