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Periodical volume 9. April 1881, Nr. 28

Full text: Der Bär Issue 7.1881

Die Jllustrirte Berliner Wochenschrift „Der Bär" erscheint wöchentlich regelmäßig am Sonnabend, kostet vierteljährlich a 
VII. Iahraana. » 2 Mark und ist durch alle Buchhandlungen, Zeitungsspeditionen und Postämter, sowie durch die Expedition, Berlin W., Lützowstraße 7, » cn t 
00 8 zu beziehen. — Literarische Beiträge sind an die Redaction der Jllustrirten Berliner Wochenschrift „Der Bär", Berlin >V., >> den r). April 
Jet. 28. ^ Lützowstraße 7, zu senden. — Inserate, pro 3gesp. Petitzeile 40 Pfg., werden von allen Annoncenexpeditionen sowie von der ^ 1881. 
$> Verlags-Buchhandlung entgegengenommen. 
Äus einem alten Gerliner Gaustnannshanse. 
Eine Geschichte vom Anfang unseres Jahrhunderts von T. £. K. (Fortsetzung.) 
„Es wäre mir unmöglich. Ihnen etwas vorzulügen," 
sagte Lampe, indem er drei Finger feierlich empor hielt. 
„Soll ich Sie auf die Probe stellen, mein Herr?" fragte 
die Dame drohend. 
„Ich kann jede Probe aushalten," versetzte der Buchhalter 
energisch, indem er aufstand 
und seinen Rock zuknöpfte. 
„So sagen Sie inir 
denn, was war der Inhalt 
der Unterredung, welche Sie 
gestern mit meinem Vor 
munde hatten?" 
„Unterredung?" erwi 
derte Herr Lampe, verlegen 
lächelnd, „ich? ... ja, so 
... ich weiß wirklich nicht, 
was Sie meinen." 
„Dort in dem Cabi 
net. Es war von mir die 
Rede." 
„Mademoiselle," sagte 
der kleineBuchhalter hustend, 
„ich kann wahrhaftig sagen 
— ich nehme Handelssachen 
aus — sonst jedoch bin ich 
ein Schwachkopf an Ge 
dächtniß; es ist merkwür 
dig!" 
„Es war aber von 
einem Handel die Rede, 
mein werther Herr!" rief 
das Fräulein spöttisch, „von einem Handel mit meiner 
armen, kleinen Person. Ich will Ihrem Gedächtnisse zu 
Hülfe kommen. Sie legten meinem gestrengen Vormunde, 
wenn ich nicht irre, mein Vermögens-Conto vor." 
„Ihr Vermögen, Mademoiselle Marie, ist durch Herrn 
Heinhold's unablässige Sorgfalt ganz ungemein gewachsen," 
sagte Lampe ehrfurchtsvoll. 
„Darum gefielen ihm auch die Schlußzahlen. — Er 
wandte sich zu Ihnen mit einem seiner scharfen Blicke. Wie 
alt ist sie, Lampe? fragte er. — Am 14. Oktober neunzehn, 
Herr Heinhold, antworteten 
Sie nnt einem ausgezeichnet 
tiefen Bückling. — Gut, so 
soll sie ihn heirathcn. — 
Er sah zu Ihnen hin, auch 
Sie lächelten beistimmend. 
— Die Spekulation, sagte 
er, ist, wie ich denke, richtig 
calculirt. — Sehr richtig, 
sprachen Sie. — Außer 
ordentlich günstige Conjunc- 
turen bei großer Nachfrage. 
Es dürfte von Wichtigkeit 
sein, so bald als möglich 
abzumachen." 
„Mademoiselle Marie!" 
rief Herr Lampe, mit dein 
Ausdruck grenzenlosen Er 
staunens, „mir schwindelt 
der Kopf! Wie ist es mög 
lich, daß Sie das wissen 
können?!" 
„Nun bin ich gekom 
men," fuhr sie lachend fort, 
um Sie zu fragen, wie viel 
so recht eigentlich jeder Zoll 
von mir werth ist. Was kostet die Elle, Herr Lanipe, genau 
berechnet nach Ihrem besten doppelten, italienischen Calcul?" 
„Lieber Himmel!" sagte Herr Lanipe. „Jeder weiß ;u 
gut, wie unschätzbar Sie sind, und Niemand tveiß es wohl 
besser, als der glückselige junge Herr." 
Fritz Lühnemann, Commerzienrath. (S. Seite 346.)
        
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