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Volume 2. April 1881, Nr. 27

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue7.1881 (Public Domain)

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Wort seines kolossalen Umfangs wegen „Technicum polis“ taufte, 
als Erbauer der Börse, der Reichsbank re., war das besondere 
Gebiet, aus dem sich sein Talent anfänglich hervorthun sollte, das 
der Privatbaukunst. Bis zum Auftreten Hitzig's und des gleich 
ihm bedeutenden Architekten Knoblauch lag der Privatbau in den 
Händen des Handwerks der Maurer- und Zimmermeister, seit der 
Zeit hat sich dieses Verhältniß vollständig umgestaltet. Welche 
Früchte Hitzig's anregendes Beispiel unter den Berliner Architekten 
der letzten drei Jahrzehnte hervorgerufen hat, das wird die neuere 
Baugcschichtc noch kommenden Geschlechtern erzählen. 
Friedrich Hitzig wurde als der Sohn des bekannten Kriminal 
direktors Eduard Hitzig, des Herausgebers des „Pitaval", des 
Freundes und Biographen Adalbert v. Chamisso's und T. A. Hoff- 
mann's, am 8. April 1811 zu Berlin geboren. Nach dem Be 
suche des Friedrich-Wilhelms-Gymnasiums und der Klöden'schen 
Gewerbeschule wandte er sich der Baukunst zu, bestand 1828 sein 
Feldmesserexamcn und betheiligte sich schon 1830 unter Schinkel's 
Leitung am Bau der Berliner Sternwarte am Ausgang der Char 
lottenstraße. Als einen Günstling des Glücks darf er sich betrachten, 
dem von Anfang an einmal die äußeren Mittel zur Verfügung 
standen, und der ferner die für seine ästhetische Ausbildung so 
hochwichtige Anregung in dem Freundeskreise seines Vaters fand. 
Eng konnte er sich dem Kunsthistoriker Franz Kugler anschließen, 
der seine jüngste Schwester geheirathct hatte, und den anderen 
Freunden, welche im elterlichen Hause damals verkehrten, Geibel, 
Ernst Curtius, Dropsen, Karl Simrock, Reineck und vielen anderen 
hervorragenden Männern der damaligen „Stadt der Intelligenz". 
Nach einer zu seiner künstlerischen Ausbildung unternommenen 
Pariser Reise hierher zurückgekehrt, legte Hitzig 1837 die Bau 
meisterprüfung ab, begab sich aber nicht in die Dienste des Staates, 
obgleich er die sehr empfehlende Censur erhalten hatte, daß er „im 
Fache des Ästhetischen vorzüglich beschlagen sei".; sondern etablirte 
sich — durch die Gunst des Geschicks materieller Sorge überhoben 
— mit Knoblauch zusammen als erste Privatbaumeister Berlins. 
Nun begann ein Schaffen, dessen hervorragende Einzelheiten hier 
nur erwähnt werden können. Da ist zunächst die Anlage des 
Thiergartcnstadttheils Hitzig's Werk. Aus dem ehemaligen Kemper 
hof schuf er die schönste Straße Berlins, die Viktoriastraße. Auch 
der am westlichsten beim Zoologischen Garten gelegene Stadttheil 
verdankt ihm sein Entstehen. Hier wurde ihm zu Ehren auch eine 
der schönsten Straßen „Hitzigstraße" getauft. Besonders hervor 
ragende Bauten sind die Gerson'sche Villa in der Thiergarten 
straße, das Bankier Krause'sche Haus in der Wilhelmstraße, von 
öffentlichen Bauwerken der Prachtbau der Börse, die Reichsbank, 
die Markthallen in der Karlstraße, das provisorische Reichstags 
gebäude, der Umbau des Schlüter'schen Zeughauses (siehe Illustra 
tion Seite 333), das großartige Polytechnikum bei Charlottenburg 
u. A. m. Auch außerhalb Deutschlands schuf Hitzig hervorragende 
Bauwerke, so sind die Paläste Revoltella in Triest und Kronen 
berg in Warschau rühmliche Zeugniffe für die deutsche Kunst. 
Der Staat anerkannte die Verdienste Hitzig's durch die 1863 er 
folgte Ernennung zum Geheimen Regierungsrath, zum Mitgliede 
der Akademie der Künste wie durch die kürzliche Verleihung des 
Ordens pour le merite. Als Mitglied der Akademie der Künste 
wurde er seit 1875 erster Präsident dieser hervorragenden Körper 
schaft, nachdem ihn die Akademien von Wien, München, Madrid, 
Amsterdam und Brüffel zu ihrem Mitgliede ernannt hatten. — 
Wie schon erwähnt, arbeitet dieser geniale Baumeister gegen 
wärtig an der Fertigstellung dreier hervorragender Bauwerke un 
serer Stadt resp. unseres freundnachbarlichen Chartottenburg. Im 
Bau befindlich sind der Umbau der Börse, der Neubau des Poly 
technikums auf Charlottenburger Territorium und im Hauptbau 
eben vollendet der Ausbau des Zeughauses. Das Bild des 
letzteren kann ich unseren Lesern schon in heutiger Nummer 
geben, die bildlichen Darstellungen der beiden andern sollen die 
später erscheinenden Blätter enthalten. 
Was das Zeughaus betrifft, so wird dessen vollständige 
künstlerische Fertigstellung wohl noch zwei Jahre währen, nach und 
nach werde ich Details aus dem Innern desselben in Bild und 
Wort unsern Lesern vorführen — vorausgesetzt natürlich, daß wir 
hierzu die Erlaubniß erhalten. Bemerken möchte ich hier aber 
noch ausdrücklich, daß unser Blatt in seinem zweiten Jahrgang 
! eine sehr ausführliche „Geschichte des Zeughauses" aus der 
; Feder des vortrefflichen Georg Hiltl, des einstmaligen Redakteurs 
unseres Blattes, gebracht hat. 
Was den Neubau der Technischen Hochschule bei Char 
lottenburg betrifft, so werde ich rechtzeitig, sobald die 
hierzu nöthige Erlaubniß zu erhalten, ein Bild dieses Kolossal 
baues geben, der in seinen gewaltigen (Dimensionen einen geradezu 
imponirenden Eindruck macht. Bekanntlich leitet diesen Bau, unter 
Oberaufsicht des Herrn Geheimrath Hitzig, Herr Baurath Stüvc, 
dem wieder Herr Landbauinspektor Koch und Herr Bauführer 
Müller zur Seite stehen. In unserer Nachbarstadt knüpft man an 
die'-Eröffnung des „Polytechnikum" große Hoffnungen. — 
D. 
Die Gestaltung einer zukünftigen Industrieausstellung 
in Gertin. 
Vortrag, gehalten im „Verein vereinigter Kaufleute und Industrieller" 
von Commerzienrath ItHj fUisuumnnn. 
Meine Herren! 
Die volkswirthschaftliche Bedeutung und der Segen der Ge 
werbe-Ausstellungen, ain Anfange rmscres Jahrhunderts kaum ge 
ahnt, ist seitdem in immer steigendem Maße erkannt und gewür 
digt worden, die Zahl der Ausstellungen nahm zu, auf Lokal- und 
Fachausstellungen folgten solche ganzer Provinzen und Reiche und 
zuerst im Jahre 1851 wallten die Völker der Erde zur ersten inter 
nationalen Ausstellung nach London. Die Betrachtung, daß letztere, 
die internationalen, in letzter Zeit unbedingt zu schnell aufeinander 
gefolgt und ein Mißerfolg solcher dem Lande, selbst der Stadt 
einen weit größeren Schaden bringt, als im besten Falle Nutzen 
gestiftet wird, hat es veranlaßt, daß diese Frage die Berliner Be 
völkerung seit einiger Zeit lebhaft bewegt; ich halte deshalb eine 
Klarlegung der einschlägigen Verhältnisse und eine Diskussion dieser 
unbedingt hochwichtigen Frage für wünschcnswerth und dankens- 
werth und glaube, daß es zunächst kein geeigneteres Forum hierfür 
giebt, als Ihren Verein, dessen Aufgabe darin besteht, die In 
teressen von Handel und Gewerbe zu fördern nach allen Richtungen 
hin. Daß Berlin in kürzerer oder längerer Zeit dazu berufen ist, 
der schaulustigen Menge, sowie dem interessirten Geschäftsmann 
neue Ausstellungs-Pforten zu öffnen, darin sind wohl Alle einig; 
schwieriger jedoch ist die Aufgabe geworden nach den Erfolgen von 
1879; denn es muß mehr geboten werden wie damals, nach allen 
Seiten hin; um so ernster sind alle einschlägigen Verhältnisse zu 
prüfen und Sorge zu tragen, daß in Ehren Berlin besteht. Ich 
will mir deshalb erlauben, in meinen heutigen Betrachtungen alle 
\ Verhältnisse Ihnen vorzuführen und schließlich die Frage nach der 
wünschenswerthen Gestaltung späterer Ausstellungen in Berlin er 
schöpfend zu beantworten mich bemühen. Sic gestatten mir Wohl 
vorher kurze Betrachtungen über Ausstellungen im Allgemeinen, 
Einiges über frühere Ausstellungen in Berlin und Notizen über 
jüngst stattgehabte und eben projectirte künftige Ausstellungen. 
Obgleich, wie ich oben schon sagte, die internationalen Aus 
stellungen sich in letzter Zeit unbedingt in zu kurzen Zwischenräumen 
j wiederholten, sind doch die kleinen Ausstellungen nicht eingestellt
	        
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