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Periodical volume 26. März 1881, Nr. 26

Full text: Der Bär Issue 7.1881

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Neunundzwanzigstes Kapitel. 
Das Edikt von Potsdam. 
Da nahm er gastlich in sein Land 
Die man verketzert schon, 
Und fesselte mit Liebesband, 
Die aus der Fern' entflohn. 
». f. £j. Straß. 
An einem klaren Herbsttage des Jahres 1685 hatte 
Friedrich Wilhelm die (Staube seiner Mark Brandenburg, die 
Räthe seiner treuen Städte um sich versammelt. In einer 
langen Galerie, welche die ganze Seite des Hinterhofes ein 
nahm, standen sie ehrerbietig um den Herrscher geschart, kein 
Auge schweifte ab auf die Gemälde an ben Wänden, Alexander 
den Großen und die schöne Kampaspe, und Ganymed mit 
dem Adler darstellend, oder nach den chinesischen Figuren auf 
den Schränken, an denen der eine schwarz mit Gold, der 
andere aus Ebenholz mit Schildpatt ausgelegt war. Auch 
die brabantische Hautelisse-Tapete, mit den eingewirkten Reiter 
bildnissen oranischer Grafen, nach der die Galerie später 
ben Namen des römischen Saales erhielt, zerstreute die Männer 
nicht. 
Der Kurfürst stand hoch aufgerichtet, in seinen mächtigen 
Reitcrstiefeln, er trug einen braunen Rock mit Goldstickerei, 
Spitzenmanschettcn und Halstuch, die Perrücke umwallte das 
mächtige Haupt, seine Augen leuchteten klarer denn je; das- 
Freienwakder Bad war ihm sehr gut bekommen, und mit 
seiner mächtigen Stimme sprach er: „Meine Lieben und Ge 
treuen, Ihr wisset, daß zu Anfang dieses Monats Ludwig XIV. 
König in Frankreich seinen Untctthanen resormirter Religion 
vermittelst herausgegebenen Edikts zuwider seines Herrn 
Großvaters, Vaters und seinem eigenen Versprechen, die freie 
Uebung ihrer Religion gänzlich genommen, alle ihre Kirchen 
niederreißen lasten, ihre Prediger aus dem Lande vertrieben 
und sie selbst init vielen grausamen Martern zu der römisch- 
katholischen Religion zu zwingen versucht, und noch dazu 
Niemand verstatten wollen, aus dem Lande zu ziehen. Es 
haben aber Unterschiedene doch Wege gefunden, diesen Grau 
samkeiten zu entgehen rmd aus dem Lande zu fliehen. Da 
nun alle unsere Fürsprache bei dem König in Frankreich ver 
gebens, so haben wir durch Handbriefc dieselben aufs Freund 
lichste in unsere Lande eingeladen, Kommistarien eingesetzt, 
an welche sie sich bei ihrer Ankunft wenden sollen und haben 
zu dem Zweck unterm 29. Oktober dieses Jahres in unserer 
guten Stadt Potsdam ein Edikt erlasten, das in 14 Arttkeln 
alle Privilegien und Freiheiten aufweist, die wir den Exu 
lanten verstatten wollen. Der Inhalt dieses Edikts ist meinen j 
lieben und getreuen Ständen wohl schon zu Ohren gekommen, j 
Wir thun ihnen nun hiermit kund, daß Wir der festen j 
Hoffnung sind, sie werden Uns bei solchem christlichen Liebes- 
tverk förderlich sein, so viel sie können, auf daß Brandenburg 
allezeit sei eine Hcimath der Bedrängten und Verfolgten, das 
walte Gott!" 
„Herberge der Bannherzigkeit," murmelte Heinrich Lind- ; 
holz, er wiederholte ein Wort, das er oft von Frau 
von Scharben gehört hatte. Herbergen der Bannherzigkeit 
hatten die Johanniter einst ihre Burgen genannt. 
Die Stände der Kunnark drückten dem Herrscher ihre 
Bereitwilligkeit aus, das Potsdamer Editt ausführen zu helfen 
lind tvie die Sonne strahlten die Zollern-Augen. So hatte 
sie Heinrich leuchten sehen auf dem Schlachtfelde, als er die 
Schweden vor sich her jagte, so sah er sie leuchten, wenn er 
ein Gesetz unterzeichnete, von dem er sich einen Segen für 
sein -Land versprach, und so leuchteten sie heute, wo er 
dem Zuge seines Hebens mehr noch als dem seines staats 
klugen Kopfes folgend, den bedrängten Glaubensgenossen sein 
Land öffnete. 
Unter dem Eindruck dieses Blickes stand Lindholz noch 
all' die nächsten Wochen, in dem auch er redlich an der 
Ausführung des Potsdanier Edikts arbeitete, denn er war 
einer der Kommistarien, die in Berlin die Angelegenheiten 
der Hugenotten oder wie man sie bald nannte, der Refügiös, 
zu besorgen hatte. Seine rechte Hand war dabei Frau 
von Scharben, die aus Tempelhof eigentlich eine Herberge 
für ihre Landsleute machte, absonderlich für die Kranken, 
denn das Pflegen der Kranken war doch die liebste Beschäf 
tigung der Johanniterin. Auf Lottchen konnte Heinrich nicht 
viel rechnen, die wiegte ihre kleine Andrea, wie sie das 
kleine blauäugige Ding nach dem grimmen Ohm genannt 
hatte. Frau Antonia war heimgegangen bald nach der 
erschütternden Katastrophe in der Nikolai-Kirche, nun in 
Wahrheit eine stille Frau, wie Ohm Anton gesagt hatte, 
der seine Zeit redlich zwischen dem Oberstwachtmeister und die 
kleine Andrea theilte. Sein altes gefurchtes Gesicht war 
immer strahlend heiter, es war ja alles glücklich um ihn 
herum, aber stundenlang konnte er an Andrea's Wiege sitzen 
und darüber nachdenken, wie es wohl komme, daß aus so 
kleinen Dingern allmählich große Leute werden. 
Aber auch in Tempelhof stand eine Wiege, ein junges 
schönes Elternpaar beugte sich über den Knaben, der darin 
lag, ja schön waren Levin und Jda, aber Heinrich und 
Lottchen waren fast noch schöner, dort wars der strahlende 
Edelstein, hier das iin Feuer geläuterte Gold. 
(Fortsetzung folgt.) 
Mrst Bismarck. 
(Hierzu Portrait Seite 314 und 315.) 
tto Edu 
ard Leo 
pold von 
Bismarck 
feiert in 
wenigen 
Tagen sei 
nen Ge 
burtstag. 
Ich weiß 
das ein 
mal vom 
Hörensagen, dann aber auch aus einer anderen Quelle. Die „Haude- 
und Spenersche Zeitung" dir. 43 vom 11. April 1815 enthielt 
nämlich in der Beilage die folgende Entbindungsanzeige: 
Die gestern erfolgte glückliche Entbindung meiner Frau von 
einem gesunden Sohne verfehle ich nicht, allen Ver- 
Zimmrr in Zchünhausrn, 
in dem Fürst Bismarck geboren wurde.
        
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